1. Startseite
  2. Rhein-Main

Weihnachtsgeschäft in Hessen: „Die Situation ist sehr herausfordernd“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christoph Manus

Kommentare

Auf der Zeil in Frankfurt läuft das Weihnachtsgeschäft eher besser als in anderen Teilen Hessen. Das könnte auch am sehr gut besuchten Weihnachtsmarkt liegen.
Auf der Zeil in Frankfurt läuft das Weihnachtsgeschäft eher besser als in anderen Teilen Hessen. Das könnte auch am sehr gut besuchten Weihnachtsmarkt liegen. © Renate Hoyer

Handelsexperte Sven Rohde spricht im FR-Interview über das Weihnachtsgeschäft in Krisenzeiten und verrät, wieso es in Frankfurt etwas besser läuft als im Rest Hessens

Herr Rohde, wie gut ist der Einzelhandel in Hessen in das Weihnachtsgeschäft gestartet?

Zumindest stabil. Die Energiekrise und die Inflation wirken sich natürlich auf das Einkaufsverhalten der Kundinnen und Kunden aus. Die Konsumstimmung scheint sich aber nach und nach zu verbessern. Die Talsohle ist durchschritten. Positiv ist auch die Witterung, dass es früh kalt geworden ist, aber trocken, nutzt dem Weihnachtsgeschäft.

Wie sehen Sie die Situation in der Frankfurter Innenstadt?

Dort läuft es im Durchschnitt besser als im Rest Hessens. Das sehen wir schon an den Passantenfrequenzen. Auf dem Weihnachtsmarkt ist es voll – und das hilft den Geschäften sehr. Die Pandemie hat die Frankfurter Innenstadt und die Zeil sehr getroffen. Zwei Jahre lang ist das Weihnachtsgeschäft fast ausgefallen. Nun ist wieder Leben in der Stadt. Die meisten Beschäftigten sind nicht mehr im Homeoffice, sondern zurück im Büro und das Einkaufen ist ohne Einschränkungen möglich. Aber die Rahmenbedingungen für den Handel bleiben dennoch schwierig.

Der stationäre Einzelhandel war selten so sehr auf ein gutes Weihnachtsgeschäft angewiesen wie heute. Auch er leidet ja stark unter den gestiegenen Preisen und Energiekosten. Das Beratungsunternehmen EY zum Beispiel geht davon aus, dass die Ausgaben für Weihnachtsgeschenke so niedrig wie zuletzt im Jahr 2014 sein werden.

Was tatsächlich in den Kassen landet, ist schwer vorherzusagen. Wir spüren aber, dass die Menschen bewusster und gezielter einkaufen, zum Teil auch regionaler. Die Situation ist sehr herausfordernd. Die Margen im Einzelhandel sind traditionell gering. Wenn dann Kosten steigen, kann es für viele eng werden. Dann drohen auch Geschäftsaufgaben. Nach fast drei Jahren Corona haben schließlich viele keine Reserven mehr.

In den vergangenen Jahren haben immer mehr Menschen ihre Geschenke online gekauft. Haben Sie Hoffnung, dass das in diesem Jahr anders ist?

Wir hatten zwei Jahre Zugangsbeschränkungen für die Geschäfte: Lockdown, Lockdown-light, 2G-Bändchen … Natürlich haben die Menschen trotzdem Weihnachtsgeschenke gekauft – das aber kaum im stationären Handel, weil das schlicht kaum möglich war. Nun gibt es wieder Normalität. Doch eine Trendumkehr wird es nicht geben. Da darf man sich nichts vormachen.

Was heißt das für den stationären Handel? Wäre es schon ein Erfolg, wenn dieser seinen Anteil halbwegs verteidigen könnte?

So einfach ist es nicht. Viele Händler:innen nutzen beide Vertriebswege. Entscheidend wird sein, dass die Innenstädte und Stadtteile lebendig bleiben. Das geht nicht ohne den Handel. Der Handel braucht jedoch neue Partner, damit die Zentren wieder mehr Menschen anziehen. Diese müssen wir nun zusammen mit den Kommunen suchen.

Interview: Christoph Manus

Sven Rohde ist Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Hessen.
Sven Rohde ist Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Hessen. © Handelsverband Hessen

Auch interessant

Kommentare