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Gut gebrüllt, Pitt.

Gut gebrüllt

Schöne Bescherung

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Wir Journalisten trennen Inhalte von der Verpackung, Die Kolumne aus dem hessischen Landtag.

Mit Weihnachtsgeschenken ist es ja meistens so: Man hat eine Idee, verwirft sie, findet hoffentlich eine neue, die man natürlich für sich behält, kauft endlich das Geschenk und packt es vor der Bescherung in schönes Papier. 

So ähnlich verhält es sich bei CDU und Grünen in Hessen. Jeder weiß, dass sie an Weihnachtsüberraschungen basteln. Aber die werden erst kurz vor der Bescherung fertig. Niemand weiß, was in den Päckchen drin sein wird. 

Zur Adventszeit gehört in vielen Familien, dass Konflikte lieber nicht ausgetragen werden, wenn alle anderen dabei sind. Das ist das Prinzip Bouffier. Der Ministerpräsident und CDU-Vorsitzende war von dem öffentlichen Gerangel am vergangenen Jahresende genervt, als eigentlich eine neue Bundesregierung gebildet werden sollte, was dann aber im Getöse misslang. Nun also halten in Hessen alle den Mund, jedenfalls öffentlich. Erst wenn die Geschenke ausgepackt werden, sollen andere daran teilhaben – und nicht den Streit darüber erleben, was in die Päckchen kommt und was nicht. 

Auch die Opposition hat sich zehn Tage vor Weihnachten zurückgezogen, um über Geschenke für ihre Wählerinnen und Wähler zu sinnieren. Die bei der Wahl geschwächte SPD ging ganz prosaisch an ihrem Arbeitsort Wiesbaden in Klausur, die gestärkte FDP im bayerischen Urlaubsort Beilngries. 

Immerhin konnten die Sozialdemokraten auf diesem Wege an der Sondersitzung des Sozialausschusses teilnehmen, für die sich FDP-Fraktionschef René Rock aus dem fernen Bayern entschuldigen lassen musste. Anwesend war etwa die SPD-Abgeordnete Lisa Gnadl, die vor wenigen Wochen zum dritten Mal Mutter geworden ist. Dafür war ihr schon vor einer Woche im Landtag gratuliert worden – übrigens in ihrer Anwesenheit, anders als von uns vermutet und letzte Woche geschrieben. 

In den Journalistenbüros im Landtag kehrt in diesen Tagen vorweihnachtliche Stimmung ein, wenn kleine Geschenke und festliche Karten eintreffen. Schöne Bilder von hessischen Orten bei Nacht sind darauf, dazu mal vorgedruckte Grüße, mal persönliche Wünsche und manchmal auch politische Botschaften („Wer nicht kämpft, hat schon verloren“). 

Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU), der schon öfter wegen des Drucks teurer und überflüssiger Broschüren in die Kritik geraten ist, hat statt einer Karte ein edel anmutendes Büchlein mit dem Titel „Der romantische Blick“ herstellen lassen. Das sollte er besser nicht an den Rechnungshof oder den Bund der Steuerzahler verschenken, die dazu ihre eigenen Gedanken haben dürften. 

Es ist ohnehin ein schwieriges Terrain mit den Weihnachtsgrüßen. Pressesprecher, Politiker und Journalisten zeigen damit, dass sie menschlich miteinander umgehen können, auch wenn es im restlichen Jahr manchmal knallt. Dafür dürfen die Geschenke auf keinen Fall so beschaffen sein, dass man sie gerne mit nach Hause nehmen würde und sie als Bestechung gelten könnten. Insofern ist der Bembel mit der Aufschrift der CDU-Landtagsfraktion, der kurz vor Weihnachten im Büro auftauchte, die perfekte Gabe. Wir versprechen, dass wir ihn ausschließlich zu dienstlichen Zwecken mit heißem Ebbelwoi befüllen. Das kann im Winter durchaus erforderlich sein, wenn im Landtag mal wieder die Heizung versagt und Teile des Hauses unbeheizt bleiben. 

Richtig besinnlich will es ohnehin nicht werden. Wenn nächste Woche der Koalitionsvertrag auf dem Gabentisch liegt, ist es an uns, die Inhalte von der bunten Verpackung zu trennen. Wie im restlichen Jahr.

Pitt von Bebenburg berichtet über Inhalte aus dem Landtag. Und er twittert: @PvBebenburg

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