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Der Tigerpalast zeigt auch am 24.12. seine Jubiläums-Show zum 30-jährigen Bestehen.

Rhein-Main

Heiligabend ganz anders

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Weihnachten gilt als das traute Fest der Familie - und birgt oftmals Kitschgefahr und Zoffpotenzial. Doch beides lässt sich umgehen. Etwa im Frankfurter Tigerpalast.

Das Einfachste wäre für Weihnachtsmuffel wohl die Flucht gen Süden. In Spanien, dem so katholischen, ist Heiligabend ein Tag wie jeder andere. Und auch Weihnachten fällt dort nicht besonders auf, die Christbäume sind meist lichterkettenbehangene Palmen. Groß gefeiert wird erst an Dreikönig. Für die zu Hause gebliebenen Fest-Verächter allerdings ist es weitaus schwieriger, dem Trubel und der weihnachtlichen Rührseligkeit zu entkommen.

Einigeln? Das scheint die einfachste Lösung, doch das will vorbereitet sein. Im Radio trällert zuverlässig wieder „Last Christmas“ auf allen Kanälen, im Fernsehen wechseln sich der Kleine Lord und Volksmusikkönigin Carmen Nebel ab, ebenfalls zuverlässig auf allen Sendern. Und für den, der rausgeht? Am 24. Dezember gibt es praktisch nichts ohne Festgebimmel – das Große Frankfurter Stadtgeläut zum Beispiel, von 17 bis 17.30 Uhr, nur schwer überhörbar, zugegebenermaßen schon eindrucksvoll.

Aber halt, es gibt auch an Heiligabend Programm. „Der Tigerpalast ist der einzige Ort Deutschlands, der an Heiligabend offen hat“, schwärmt Chef Johnny Klinke. „Das machen wir, weil wir in Frankfurt sind, in dieser internationalen Stadt. Macht hoch die Tür, das Tor macht auf!“ Denn, so amüsiert sich Klinke, trotz Großstadt sei am 24. Dezember überall sonst, selbst im Bahnhofsviertel, „tote Hose“.

„Dabei ist es doch irre, was sich an Heiligabend unterm Weihnachtsbaum tut, an keinem anderen Tag gibt es mehr Terror in der Familie. Ich bin aus einer Pfarrersfamilie, und da gab es da regelmäßig Krach.“ Im Tigerpalast jedenfalls sei die Atmosphäre an diesem Abend sehr, sehr schön, schwärmt Klinke. Er wundere sich jedenfalls, dass bisher kein anderer auf die Idee gekommen sei, an diesem Termin etwas anzubieten.

Klinke hat viele Stammgäste, die jedes Jahr hier feiern, und so ist die Show mit Abendessen um 18 Uhr natürlich schon monatelang ausgebucht. Für die zweite Show mit Festessen um 22 Uhr gibt es aber tatsächlich noch Karten. Es ist, das sei gesagt, ein recht exquisites Vergnügen, aber die internationale Artistik ist das ja ebenfalls, und mit der Küche des Tigerpalasts können es nur wenige Häuser in der Region aufnehmen.

Wer die Bescherung dann doch zu Hause überstanden hat – wir erinnern uns an das Klinke-Wort vom Terror unterm Tannenbaum –, den zieht es spät abends oft noch zum Frische-Luft-Schnappen auf die Gass‘ und zu einer der Partys. In der Frankfurter Batschkapp hat das inzwischen schon Tradition, und auch das Wiesbadener Park-Café macht das „Alle Jahre wieder“, so das Motto der dortigen „Wilde-Weihnachten-Party“. Das nächste Jahr vielleicht doch in den Süden? Oder rechtzeitig Karten für den Tigerpalast reservieren?

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