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Wehrheim: Wo Netzwerke entstehen

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Von: Gregor Haschnik

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Das Mehrgenerationenhaus Wehrheim will den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.

Vor einigen Wochen kam ein Besucher auf Doris Landvoigt zu und sagte, dass viele Menschen seit der Corona-Pandemie mit psychischen Schwierigkeiten kämpften, aber lange auf einen Therapieplatz warten müssten. Ob sich im Mehrgenerationenhaus (MGH) Wehrheim nicht eine Selbsthilfegruppe einrichten ließe? Landvoigt, Koordinatorin des Hauses, hörte sich das an, dachte darüber nach und begann schon bald mit der Organisation.

Das ist nur ein Beispiel, wie in dem Modellprojekt der Diakonie, das von Bund, Land und Gemeinde gefördert wird, ein neues Angebot entsteht. „Wir schauen, wie die Bedarfe sind und greifen sie auf“, berichtet Landvoigt. Ausgangspunkt für das MGH war das erste Bundesprogramm Mehrgenerationenhäuser vor gut 15 Jahren. Die Einrichtungen sind Anlaufstellen für Jung und Alt mit verschiedenen Aktivitäten und Hilfsangeboten, in Hessen gibt es 39 geförderte, bundesweit 530. „Sie leben vom Austausch und dem Engagement unterschiedlicher Menschen“, so Landvoigt. Anfangs hatte das Wehrheimer MGH einen Raum in der Kita, es wuchs und zog dann 2017 in ein neues Haus Am Heselsweg, das von der Kommune zur Verfügung gestellt wird.

Mittlerweile gibt es dort 63, zu einem großen Teil von rund 30 Ehrenamtlichen, aber auch von Hauptamtlichen und Honorarkräften getragene Angebote, zum Beispiel Deutsch für Geflüchtete, Frühstück für alle, Hausaufgabenbetreuung, Spielenachmittage, Babymassage, Tablet für Anfänger. Beworben werden die Termine etwa auf einem Flyer und im Netz. Nach Angaben des Hauses kommen täglich 32 Nutzer:innen, vier davon mit Fluchterfahrung. Der offene Treff (30 Stunden pro Woche) wird im Durchschnitt täglich von sechs Leuten aufgesucht.

Während die Gesellschaft auseinanderzudriften drohe, „versuchen wir hier, einen Beitrag zum Zusammenhalt zu leisten, einen Ort der Begegnung zu schaffen, zum Beispiel dafür zu sorgen, dass Leute aus dem Ort Geflüchtete treffen und ältere Menschen nicht vereinsamen“, sagt Stefanie Limberg, Leiterin des Diakonischen Werks Hochtaunus, die das Haus mit aufgebaut hat. Das Programm spreche alle Generationen an. Jugendliche kämen seltener, auch weil die Kirche und der Jugendpfleger im Ort ihnen viel böten, ansonsten seien alle Altersgruppen regelmäßig vertreten.

Die Räume sind so eingerichtet, dass sich „alle darin gut einrichten können“, erzählt Limberg. Im „Öffentlichen Wohnzimmer“, dem Herzstück, wird gerade gefrühstückt. Im Treppenhaus hängen Porträts von älteren aktiven Menschen. Die Räume im ersten Stock können ebenfalls vielfältig genutzt werden und es gibt auch Kinderspielzeug.

Beinahe beiläufig entstünden in dem barrierefreien Haus Netzwerke, die als Unterstützung im Alltag wichtig seien, sagt Landvoigt. Die Besucher:innen helfen sich etwa bei der Wohnungssuche oder Fahrradreparatur. Was in ein paar Jahren auf dem Programmflyer stehen werde, lasse sich nicht sagen. „Es verselbstständigt sich ein Stück weit und hängt von den Bedürfnissen ab“, sagt Landvoigt. Alles sei im Fluss. gha

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