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Wegen Corona-Virus in Hessen: Seelsorge nur noch am Telefon

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Wegen des Corona-Virus gib es zurzeit in Hessen keine Sterbebegleitung mehr. Pfarrer sind mit Schutzkleidung am Krankenbett.

Handschuhe liegen im Büro der Telefonseelsorge Mainz-Wiesbaden für die Ehrenamtlichen bereit, die dort ihren Dienst tun. Das Team möchte vermeiden, dass sich die neuen Sars-CoV-2-Viren über die Oberflächen des Telefons übertragen. Die Älteren bleiben lieber daheim; für sie sind die Jüngeren eingesprungen. So schildert Tim Sittel, Pfarrer für Telefonseelsorge im evangelischen Dekanat Wiesbaden, den veränderten Alltag. Ansonsten ist die Seelsorge am Telefon die einzige, die ohne Ansteckungsgefahr arbeiten kann. Das ist gut, denn die Menschen haben Angst und Sorgen. In den letzten drei Wochen habe es deutschlandweit 20 Prozent mehr Anrufe pro Tag gegeben als vor der Krise, sagt Sittel. 40 Prozent der Anrufer thematisierten den Coronavirus mal am Rande, mal zentral. „Corona schiebt die Probleme der Menschen an“, stellt Sittel fest.

Die seelsorgerische Arbeit mit persönlichem Kontakt zu den Menschen liegt dagegen darnieder. Die Klinikseelsorge, die Sittel neben der Telefonseelsorge am Uniklinikum Mainz betreibt, hat die Besuche auf den Krankenzimmern fast eingestellt. Die 20 Ehrenamtlichen seien bereits seit Wochen nicht mehr im Dienst. „Auch bei nicht an Corona erkrankten Patienten bittet die Pflege um größtmöglichen Verzicht“, erklärt Sittel.

Sterbende zu begleiten, sei nicht mehr möglich. Allerdings stehe ein 24-Stunden-Dienst bereit, der von den Stationen zu einzelnen Patienten, die nicht an Covid-19 erkrankt sind und auf geistlichen Beistand bestehen, gerufen werde. „Wir wollen die Leute in ihrem Schmerz nicht abweisen“, sagt er. Dann gebe es penible Absprachen über Abstandsregelungen, Hygiene und Isolation. Mundschutz, Handschuhe und Kittel gehörten nun zum Klinikalltag. Auf den Intensivstationen trage er zusätzlich Haube und Schutzbrille.

Die Arbeit mit den Angehörigen laufe telefonisch. „Aussegnungen der an Corona Verstorbenen und Verabschiedungen der Angehörigen am Sterbebett sind nicht mehr möglich“, berichtet Sittel für den noch nicht eingetretenen Fall.

Der Verein Seelsorge in Wiesbaden hat seine Arbeit eingestellt. „Hausbesuche können wir zurzeit nicht durchführen“, sagt Andreas Mann vom evangelischen Notfallseelsorge-Pfarramt Wiesbaden. Er könne es nicht zulassen, dass sich die Ehrenamtlichen, die oft zur Risikogruppe zählten, einer Ansteckung aussetzten. Und am Telefon sei die Arbeit nicht zu führen. Die Notfallseelsorge kümmert sich um Angehörige von Unfallopfern oder Opfer anderer schlimmer Vorfälle. Sie hilft auch Mitarbeitern von Rettungsdiensten und Feuerwehr bei der Verarbeitung belastender Einsätze.

Der hessische Grünen-Fraktionsvorsitzende Mathias Wagner dringt darauf, dass die Corona-Krise nicht benutzt wird, um dauerhafte Einschränkungen in Freiheitsrechte vorzunehmen. Aber die aktuellen Einschnitte hält Wagner für erforderlich, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen.

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