Wölfersheim

Wegen Corona-Virus: Genehmigungsverfahren zu umstrittenem Rewe-Lager in Wölfersheim unterbrochen

  • Detlef Sundermann
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Das Genehmigungsverfahren zum umstritten Rewe-Lager in Wölfersheim ist wegen Corona unterbrochen worden.

Die Gemeinde Wölfersheim hat die Offenlage des geänderten Bebauungsplans zum Rewe-Logistikzentrum am Ortsteil Berstadt unterbrochen. Wie Bürgermeister Eike See (SPD) der FR auf Anfrage sagte, sei die Verwaltung wegen der Corona-Pandemie nur noch telefonisch zu erreichen. Zudem sei nun das Rathaus während der Dienstzeiten nicht mehr barrierefrei zugänglich.

Die Offenlage, die am 24. Februar begann, wurde notwendig, weil Rewe für das rund 110 000 Quadratmeter große Lager statt der bisherigen 30 Hektar nunmehr 26,4 Hektar bebaut. Dem Vernehmen nach sollen sich Grundstückseigner gegen einen Verkauf der Äcker gesperrt haben. Auf den nun fehlenden 3,6 Hektar waren Löschwasser- und Regenrückhaltebecken geplant. Das Lager ist wegen seiner Größe und der Zerstörung von Äckern mit größtenteils höchster Bodengüte umstritten.

Bürgermeister See sagte, dass die gegenwärtige Situation verdeutliche, wie wichtig es sei, dass Rewe mit dem Bau der Logistikzentrum seine Infrastruktur verbessern könne, um die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung zu sichern. Er fordert daher die Gegner, die Bürgerinitiative Bürger für Boden sowie die Wölfersheimer und Echzeller Grünen, auf, ihren Widerstand gegen das Vorhaben aufzugeben. Zudem gelte Rewe als zweitgrößter Arbeitgeber in Hessen, der 550 Arbeits- und 20 Ausbildungsplätze in die Gemeinde bringe, so See. Zurzeit beliefert der Handelskonzern seine rund 500 Märkte in der Region aus den Lagern in Rosbach und Hungen, die nach der Eröffnung des Neubaus unmittelbar an der A45 anderweitig genutzt werden sollen.

Seit Februar 2017 plant Rewe, in Wölfersheim ein Großlager zu bauen.

Das Unternehmen macht derzeit nur wenige Angaben zum Gebäude, das gut 100 000 Quadratmeter umfassen soll.

„Bürger für Boden“ bietet Mustereinwendungen mit Individualisierungsoption an.

www.buerger-fuer-boden.de sun

Laut See soll die Offenlage fortgesetzt werden, sobald das Rathaus wieder uneingeschränkt betreten werden kann. Ob es eine Fortsetzung der Offenlage um zwei Wochen oder eine Wiederholung über mindestens vier Wochen geben werde, hänge von der Dauer der gegenwärtigen Einschränkung ab, teilte See mit. Bei einer Neuauflage der Offenlage müssten möglicherweise alle bisher erhobenen Einwendungen von Bürgern und Organisationen erneut eingebracht werden.

Die BI wertet die Verkleinerung des Grundstücks als Teilerfolg, berichtet Sprecherin Christa Degkwitz. „Auch dieses Mal haben wir die Gutachten und Planungsunterlagen sorgfältig gelesen und kommen erneut zu dem Schluss, dass der Bebauungsplan grundlegend abzulehnen ist“, sagte Degkwitz. Es handele sich im Wesentlichen um eine geringfügige Nachbesserung. Die erneute Offenlage berücksichtige wiederholt vorangegangene Einwendungen nicht angemessen, heißt es. Auch seien die Einwendungen des Regierungspräsidiums Darmstadt und des Wetteraukreises, „die auf erhebliche und grundlegende Planungsmängel hinweisen“, nicht ausreichend berücksichtigt worden. Das Vorhaben des Unternehmens steht laut BI im Widerspruch einer „nachhaltigen städtebaulichen Entwicklung“ nach dem Baugesetzbuch.

„Bürger für Boden“ hebt zudem hervor, dass in den vorliegenden Planungsunterlagen die aktuelle Entwicklung im nahen Echzeller Ortsteil Grund-Schwalheim keine Erwähnung finde hinsichtlich des Einflusses auf Verkehr, Schall, Natur- und Artenschutz. Der Versandhändler Amazon plant, dort ein Verteilzentrum zu bauen. Nach bisheriger Information soll der Warenumschlag in einer knapp 8500 Quadratmeter großen Halle erfolgen, die von 600 Fahrzeugen pro Tag angefahren werden soll, die vermutlich wie die künftigen, voraussichtlich 1500 Lkw von Rewe, zumeist die A45-Zufahrt „Wölfersheim“ nutzen. Der Betrieb im Verteillager soll mit knapp 200 Beschäftigten laufen.

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