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Fischwirt Marvin Lex holt mit einem Kescher Fische aus dem Teich.

Forellengut bei Oberursel

Wasserpumpen sichern Fischzucht

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Auf dem Forellengut bei Oberursel bedrohen Hitze und Trockenheit den Bestand. Ein ausgeklügeltes Pumpensystem hält die Temperatur unter 25 Grad. Das ist kostspielig.

Ohne den Einsatz der Pumpen wäre hier längst alles tot.“ Wer die 45 Teiche des Forellenguts bei Oberstedten in den Blick nimmt, ahnt nicht, wie Hitze und Trockenheit der Fischzucht von Rolf Herzberger zugesetzt haben. Auf allen Gewässern rotieren die Oberflächenbelüfter in sprudelnd-wirbelnder Frische.

Für den 77-jährigen Besitzer des 1894 mitten im Wald gegründeten Guts war der Sommer 2017 wegweisend. „Das war ein schlimmes Jahr“, sagt er. Wegen der immer schwieriger werdenden Versorgung durch den einfließenden Quellbach Kaltes Wasser und steigenden Außentemperaturen seien alle Jungfische im oberen Teil der Anlage verendet. Herzberger und sein Team mussten handeln, sie installierten ein ausgetüfteltes Pumpensystem. Das abgekühlte, von Wasserpflanzen geklärte Nass des unteren „Schönungsteichs“ fließt nun in das hochgelegene Areal ein und senkt die Temperatur unter die lebenserhaltenden 25 Grad.

Derart gewappnet, hielten sich die 2018er Verluste bisher in Grenzen. Für den Familienbetrieb mit angegliederter Ausflugsgastronomie ist die Situation aber „weiterhin bedrohlich“. Um der für Fischzucht und -haltung ungünstigen Wetterlage begegnen zu können, waren Veränderungen vonnöten. „Wir haben längst nicht mehr so viele Tiere in den Teichen wie zuvor“, sagt Herzberger. Die Belüftungsmaschinerie wurde erweitert, und gefüttert werde aufgrund des bei Sättigung steigenden Energieverbrauchs im Fischleib nur noch verhalten.

Momentan existieren rund fünf Tonnen große und etwa 200 000 kleine Kiementräger im Forellengut: Saiblinge, Störe, Karpfen, Schleien, Moderlieschen, Weißfische. Und natürlich die namensgebende, empfindliche Forelle, die im geräucherten Zustand stark nachgefragt ist. Unterhalb des Sangebergs hat das angegliederte Gasthaus die Fischzucht mittlerweile als Haupteinnahmequelle abgelöst. Andernfalls wäre längst Schluss: „Mit der Anlage haben wir voriges Jahr nichts verdient.“ Alleine 22 000 Euro habe der Strom für Pumpen und Umwälzung verschlungen. Kosten, mit denen jetzt erneut zu rechnen sei. Vorbei auch die Zeiten, als Anglervereine junge Zuchtfische in Mengen ankauften – „die haben selbst mit Wassermangel zu kämpfen und fahren ihr Engagement zurück“.

Überhaupt hätten sich die Bedingungen im Forst seit Inbetriebnahme des Bad Homburger Elisabethenstollens drastisch verschlechtert; die nur zwei Kilometer entfernte Bachquelle liefere immer weniger Wasser. „Jeder Tropfen Feuchtigkeit wird gesammelt.“ Drei Zuflüsse speisen das fünf Hektar große Gelände: Bach-, Stollen- und Pumpenwasser halten aufrecht, was jede Zäsur bislang weitgehend unbeschadet überstanden hat.

Herzberger zeigt auf den wertvollen Zuchtbestand in Teich Nummer 1, zieht das Thermometer aus dem klaren Wasser. „16 Grad.“ Fast ideal – nach Monaten des Bangens. Dennoch bleibt Anlass zur Sorge, häufen sich die Jahre mit Sauerstoffknappheit und Notversorgung. Um gerüstet zu sein, soll künftig mit Flüssigsauerstoff gearbeitet werden.

Dort, wo ohne Chemie und Antibiotika gewirtschaftet wird, wo einst der „kaiserlich-königliche Hoflieferant“ sein Revier hatte, wartet man sehnsüchtig auf Regen, der den Bachlauf füllt und für Kühlung sorgt. Rolf Herzberger blickt über sein Lebenswerk: „Gut, dass unsere Pumpen durchhalten.“

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.forellengut-herzberger.de.

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