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Wasserkocher aus Wiesbaden für Geflüchtete in westukrainischer Stadt

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Von: Madeleine Reckmann

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Lebensmittel, Kleidung, Waschpulver: Freiwillige sortieren in der Schulze-Delitzsch-Schule die Spenden.
Lebensmittel, Kleidung, Waschpulver: Freiwillige sortieren in der Schulze-Delitzsch-Schule die Spenden. © Rolf Oeser

Partnerschaftsverein schickt Spenden nach Kamenez-Podolski. Bislang ist die Stadt von russischen Attacken verschont. Viele Menschen aus dem Osten suchen dort Sicherheit.

Hundert Kilo Mehl, dreißig Kilo Zucker, hundert Kilo Waschpulver, Shampoo, zehn Wasserkocher und Kerzen.“ Susanne Vögtler zählt auf, was für den Transport in die westukrainische Stadt Kamenez-Podolski im Pausenraum der Schulze-Delitzsch-Schule in Wiesbaden bereit steht, „Erkältungsmedikamente, Strumpfhosen, warme Unterwäsche, die Möbel aus vier Klassenzimmern, eine komplette Küche.“

Die Lehrerin organisiert für den Partnerschaftsverein Wiesbaden-Schierstein - Kamenez-Podolski Spendenaktionen. Sie weiß genau, was in der Stadt gebraucht wird. Raissa Pawljukowitsch, die Vorsitzende des Freundschaftsvereins in der Ukraine, schreibe ihr beinahe täglich, wo Bedarf bestehe, erzählt sie. Die Stadt in der Westukraine sei voller Geflüchteter aus dem Osten des Landes. Diese seien oft in Behelfsunterkünften untergebracht. Die Wasserkocher seien für Wohnungen ohne eigene Küche. „Damit sich die Leute eine Fertigsuppe aufbrühen können“, berichtet Vögtler. Fertigsuppen würden auch geliefert. Die Schuleinrichtung werde gebraucht, weil die Schulen Klassen für die Flüchtlingskinder einrichten müssten.

Spenden

Der Partnerschaftsverein Wiesbaden-Schierstein - Kamenez-Podolski nimmt für die humanitäre Hilfe in der Stadt in der Westukraine weitere Spenden entgegen. Kontakt: Susanne Vögtler, 0177/4463344.

Auch Geldspenden werden benötigt:

IBAN: DE43 5105 0015 0128 0150 51

BIC: NASSDE55

Der Verein, der nach der Wende entstanden war, sollte eigentlich 2021 aufgelöst werden, weil es nicht mehr die Notlagen von damals gab. „Heute sind wir dankbar, dass es nicht zur Auflösung kam“, erzählt Maria von Pawelsz-Wolf, Vorsitzende in Deutschland. Sie hatte den Verein zu Beginn der 1990er Jahre ins Leben gerufen. Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine funktionierten plötzlich die zwischenzeitlich eingeschlafenen Vereinsstrukturen wieder, alte Kontakte lebten auf, Menschen, die früher gespendet hatten, erinnerten sich wieder und wollten helfen. Von Pawelsz-Wolf berichtet begeistert von der Hilfsbereitschaft der Menschen. Raissa Pawljukowitsch nehme die Spenden in Kamenez-Podolski vertrauenswürdig an und verteile sie. Seit Kriegsbeginn im Februar habe der Verein einige Transporte in die Ukraine losschicken können, der letzte kurz vor den Sommerferien habe viel Schulmaterial dabei gehabt: Hefte, Stifte, Malblocks. In der kommenden Woche soll ein Unternehmen die aktuellen Spenden nach Kamenez-Podolski bringen. Für die Weihnachtszeit ist ein weiterer Transport geplant.

Bislang sei ist die Stadt von russischen Raketen verschont geblieben, berichten die Frauen. Auch die jüngsten Attacken hätten Kamenez-Podolski nicht erreicht. Aber die Stadt hat eine schlimme Geschichte: 1941 töteten die Deutschen mehr als 23000 Juden und 1944 kam es in der „Kesselschlacht“ zu schweren Kämpfen mit der Roten Armee. Nachdem die Landeshauptstadt eine offizielle Städtepartnerschaft mit Kamenez-Podolski lange abgelehnt hatte, werde die Verschwisterung gerade wieder geprüft.

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