Friedberger Landstraße in Frankfurt, Baumbewässerung 2020
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Auf der Friedberger Landstraße in Frankfurt werden die Bäume an den Straßenbahnschienen bewässert.

Trinkwasser

Wasser wird knapper

  • Meike Kolodziejczyk
    vonMeike Kolodziejczyk
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Die ersten Kommunen rufen den Notstand aus. Trotz Appellen haben die Bürger mancherorts mehr statt weniger Wasser verbraucht.

Die Bäume auf den bewaldeten Hügeln verfärben sich, immer mehr Rot, Gelb und Braun mischt sich ins dichte Grün. Es könnte ein schöner Anblick sein – wenn denn schon Oktober wäre. Doch es ist erst Anfang August, und der Wald im Weiltal im Hochtaunuskreis sieht an vielen Stellen aus wie im Herbst. Im dritten Hitzesommer hintereinander ist die Landschaft deutlich gezeichnet von der Trockenheit. Und nicht nur die Natur leidet, auch die Trinkwasservorräte vieler Kommunen in Hessen werden knapper.

Nach Schmitten und Grävenwiesbach hat am 8. August auch die Gemeinde Weilrod den Trinkwassernotstand ausgerufen. Weitere Orte im Hochtaunuskreis stehen kurz davor, so etwa Oberursel und Kronberg. Mehrere Mannschaftswagen der Freiwilligen Feuerwehren rollten am Samstag im Schritttempo durch die 13 Ortsteile von Weilrod und verkündeten über Lautsprecher in Endlosschleife die Botschaft, drei Stunden am Vormittag, drei Stunden am Nachmittag. Bis Ende August sind die Bürgerinnen und Bürger verpflichtet, ihren Wasserverbrauch auf das Nötigste zu reduzieren und darauf zu verzichten, Gärten und Rasenflächen zu bewässern, Autos zu waschen oder Schwimmbecken und Teichanlagen zu befüllen.

Verantwortungsvoller Umgang mit Wasser

„Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass man verantwortungsvoll mit dem Lebensmittel Wasser umgeht, gerade in diesen Zeiten“, sagt der Weilroder Bürgermeister Götz Esser (FWG). Doch alle Appelle der vergangenen Wochen seien verpufft, der Wasserverbrauch habe sich mancherorts sogar noch erhöht; am Freitag brachte es ein Dorf auf die Hälfte mehr als üblich. „Da haben vermutlich ein paar Leute ihre Pools frisch volllaufen lassen.“ Tags darauf wurde in Rücksprache mit den Wassermeistern und der Gemeindevertretung der Notstand gemäß Gefahrenabwehrverordnung verhängt.

Bei Zuwiderhandeln drohen Sanktionen: Wer fortan Wasser verschwendet, muss mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro rechnen. „Manche verstehen es leider nur so“, sagt Esser, der gleichzeitig betont, dass die Trinkwasserversorgung nicht gefährdet sei. „Wir haben zwar weniger, aber immer noch ausreichend Wasser, es muss nur richtig verwendet werden.“

Das gilt gleichsam für ganz Hessen, wo nach Angaben des Umweltministeriums 95 Prozent des Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen wird. Dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie zufolge sind wegen der lang anhaltenden Trockenheit der vergangenen zwei Jahre die Grundwasserstände verbreitet auf ein niedriges Niveau gesunken. Ende Juli seien sie an 60 Prozent der Messstellen unterdurchschnittlich gewesen.

Garten statt Urlaub

Die Corona-Pandemie verschärft das Problem. Infolge von Homeoffice und Homeschooling ist der private Wasserverbrauch angestiegen, viele verreisen in den Ferien nicht, sondern planschen im Garten im eigenen Pool. Das Umweltministerium geht davon aus, dass sich vor allem die eingeschränkten Urlaubsmöglichkeiten in diesem Sommer auf den Wasserverbrauch auswirken.

In Weilrod, Schmitten und Grävenwiesbach ist selbiger nun also per Notstandsverordnung reglementiert, die Gemeinden raten, zum Gießen von Pflanzen oder Tränken von Tieren Brauch- oder Grauwasser zu nutzen, soweit dies möglich ist. Für viele Bäume kommt jedoch jegliche Hilfe zu spät, unzählige Fichten sind wegen Austrocknung und Borkenkäferbefall tot. Er hoffe wenigstens, dass sich die Laubbäume wieder erholen, sagt Weilrods Bürgermeister Götz Esser. Aber dazu bräuchte es endlich ordentlichen Niederschlag, keinen kurzen Gewitterschutt, sondern ergiebigen Landregen. „Und im Winter müsste es mal wieder so richtig schneien.“

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