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Wasser soll eingedämmt werden

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Vor drei Wochen schwoll der Eschbach innerhalb kurzer Zeit stark an und füllte sein Tal in Ober-Eschbach voll aus. Im benachbarten Nieder-Eschbach trat er über die Ufer. konopatzki
Vor drei Wochen schwoll der Eschbach innerhalb kurzer Zeit stark an und füllte sein Tal in Ober-Eschbach voll aus. Im benachbarten Nieder-Eschbach trat er über die Ufer. konopatzki © hko

Eschbach-Anrainer vor Problemen / Frankfurter hoffen auf gemeinsame Lösung

BAD HOMBURG - Als sich eine große Gewitterzelle vor drei Wochen über dem Taunus abregnete, kam Ober-Eschbach einigermaßen glimpflich davon. Zwar musste die Feuerwehr im Bad Homburger Stadtgebiet über 30 Mal ausrücken, doch der Bach blieb im Bereich der Siedlung gerade noch so in seinem Bett, so dass die Sandsäcke, die Anwohner unter anderem in der Straße „Im Eschbachtal“ gestapelt hatten, nicht benötigt wurden. Ein Grund zur Erleichterung, aber keiner für eine dauerhafte Entwarnung. Denn, wie es unter anderen der Leiter der Bad Homburger Feuerwehr klargestellt hatte, bei dem Regen handelte es sich mit teilweise 60 Litern pro Quadratmeter noch um ein „moderates“ Ereignis.

Doch das reichte schon, um den Tag weiter bachabwärts ganz anders aussehen zu lassen: In Nieder-Eschbach trat der Eschbach im Ortskern über die Ufer und erreichte die Häuser. Kein neues Problem und eines, das vor allem an großen Flüssen häufiger zu beobachten ist. Wenn die Deiche am Oberlauf halten, sich das Wasser also nicht in der Fläche ausbreitet, kommt schneller und vor allem mehr Wasser am Unterlauf an. Auch wenn die Täler dort meist breiter sind, droht dann trotzdem Hochwasser.

Im Frankfurter Nordwesten schaut man deshalb zunehmend grummelnd nicht nur Richtung Römer, sondern auch auf die Nachbarkommune. Am kommenden Freitag liegt dem Nieder-Eschbacher Ortsbeirat ein neuer Antrag vor: Die Stadt Frankfurt solle an Bad Homburg „herantreten, um gemeinsam die Möglichkeit der Renaturierung des Eschbachs und der Schaffung von Retentionsräumen auf Bad Homburger Gebiet zu ermöglichen.“ Von den Anwohnern zu verlangen, Eigenverantwortung zu übernehmen, greife zu kurz.

Es müssten stattdessen Retentionsräume geschaffen werden. In der Begründung heißt es: „Dies kann jedoch nicht nur auf Nieder-Eschbacher Gemarkung geschehen. Das Wasser sammelt sich aus dem Taunus und Bad Homburg und fließt bei Regen fast wasserfallartig durch unseren Stadtteil.“ Die Kurstadt sei daher „in der Pflicht, hier geeignete Maßnahmen zu schaffen, damit erst gar nicht so viel Wasser bei uns ankommt.“ Es sei Zeit, eine gemeinsame Lösung zu finden. Der Antrag fällt in eine Zeit, in der die Homburger Koalition massiv dafür kritisiert wird, neue Gewerbeflächen im Einzugsbereich des Eschbachs zumindest prüfen zu lassen.

Überlaufbecken helfen nur bedingt

Andererseits hat die Kreisstadt in den vergangenen Jahrzehnten bereits einiges in die Wege geleitet. 2009 etwa wurde ein unterirdisches Regenüberlaufbecken an der Kläranlage in Betrieb genommen - mit einer Kapazität von 18 500 Kubikmetern Mischwasser. Solche Regenüberlaufbecken nützen jedoch bei Starkregen offenbar wenig. So hatte der Frankfurter Magistrat bereits im vergangenen Jahr wissen lassen, dass die beiden Rückhaltebecken in der Nähe Nieder-Eschbachs - südlich der Autobahn und das zu Bad Homburg gehörende - lediglich Bestandteil der Kanalisation seien und „keine Funktion für den Hochwasserschutz“ hätten. Denn: „Das Volumen eines Regenüberlaufbeckens ist nicht auf die Speicherung der sehr hohen Abflüsse bei seltenen Starkregenereignissen ausgelegt und leistet daher keinen Beitrag zur Starkregenvorsorge.“

Ein Gedankenspiel zeigt das: In der Spitze flossen an dem Starkregen-Tag beim Pegel an der Grundschule sekündlich 24,9 Kubikmeter Wasser durch den Eschbach. Hätte man den Bach komplett ins Becken laufen lassen, wäre es in weniger als 13 Minuten vollgelaufen. Solche Becken sollen denn auch lediglich dazu dienen, Schmutzwasser aus dem Kanal zurückzuhalten, damit die Kläranlage nicht überlastet wird. Bei „normalem“ Regen fielen, so wurde es 2008 in einer Zeitung berichtet, in Bad Homburg auf die versiegelten Flächen innerhalb von 15 Minuten rund 35 000 Kubikmeter Wasser. „Ein Teil versickert in der Erde, ein anderer fließt in den Kanal. Würde dieses Wasser ungehindert bis in die Kläranlage strömen, könnte es dort großen Schaden anrichten, zum Beispiel indem es Schlamm in die Gewässer spült.“

Retentionsflächen, auf denen sich das Wasser sammeln kann, helfen eher. Auch wenn Bäche aus der Verrohrung befreit werden und mehr Platz erhalten, trägt das zusätzlich dazu bei, die Situation an den Bächen zu entspannen. Dementsprechend steht als Ziel im kürzlich verabschiedeten Klimaschutzkonzept: „Umsetzung möglichst vieler Maßnahmen zum Schutz vor Starkregen und Hochwasser“ sowie „Neu-Einrichtung von Förderprogrammen zur Versickerung, Entsiegelungen sowie Überprüfung der Abwassergebührensatzung.“

Im aktuellen Haushalt der Stadt stehen ganz unabhängig von der jüngst formulierten Zielsetzung entsprechende Mittel bereit: Für die „Renaturierung von Wasserläufen 100 000 Euro, für den Hochwasserschutz sogar 130 000 Euro - allerdings sind letztere Mittel für den Erlenbach beziehungsweise „die Eindeichung des Erlenbachs im unmittelbaren Ortsbereich von Ober-Erlenbach“.

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