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Im Frankfurter Palmengarten werden bis zu 1000 Kubikmeter Regenwasser in Zisternen gespeichert und zum Gießen genutzt.  

Klimawandel

„Wasser im Boden belassen“

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Naturschützer fordern angesichts des Klimawandels eine Reduktion der Förderung in Frankfurt und Rhein-Main. Sie haben dazu viele Vorschläge. Umgesetzt aber ist wenig.

Während in Frankfurt und Rhein-Main immer mehr Menschen einen immer größeren Durst nach Trinkwasser entwickeln, trocknen Vogelsberg und hessisches Ried langsam aus. Denn von dort kommt das Wasser für den Ballungsraum. Die Schutzgemeinschaft Vogelsberg hat nun eine Reihe von Maßnahmen vorgelegt, wie Naturschutz und eine gute Wasserversorgung für Millionen von Menschen in Zeiten des Klimawandels unter einen Hut zu bringen sein könnten.

Ziel müsse es sein, so viel Wasser wie möglich im Boden zu belassen, heißt es in der am Mittwochabend veröffentlichten 110-seitigen Studie. „Alles andere ist angesichts der immer brutaleren Hitze- und Trockenperioden und der deshalb drohenden Wassermangelzeiten zutiefst unvernünftig“, sagt Cécile Hahn, die Vorsitzende der Schutzgemeinschaft (SGV).

Als wichtige Maßnahme nennt die Studie das Nutzen von Betriebs- bzw. Grauwasser anstelle von Trinkwasser. So könne beispielsweise Regenwasser oder aufbereitetes Oberflächenwasser zur Klospülung, Bewässerung oder zum Reinigen eingesetzt werden. Dazu müssten parallele Versorgungssysteme aufgebaut werden. Gerade bei Neubauten könne der Einbau von dualen Leitungssystemen verhindern, dass das Bevölkerungswachstum in Rhein-Main zwangsläufig einen höheren Bedarf an Trinkwasser mit sich bringe. Auch das Bewässern etwa von Stadtbäumen in Frankfurt mit Trinkwasser müsse eingestellt werden.

Höchstfördermengen einschränken

Um die Gebiete wie den Vogelsberg zu schonen, aus denen das Trinkwasser für den Ballungsraum kommt, müssten die Höchstfördermengen zumindest zeitweise eingeschränkt werden. Auch müsse es möglich sein, die Förderung aus ökologisch sensiblen Gebieten an andere Stellen zu verschieben. Dazu müssten die Wasserrechte flexibilisiert werden und für ganze Brunnengruppen statt für einzelne Förderanlagen gelten. In Hessen gab es bis 2003 den Wasserpfennig. Mit der Wiedereinführung dieser Grundwasserabgabe könnte laut SGV genug Geld zusammenkommen, um die Reform der Wasserwirtschaft zu finanzieren. Zudem könnten die Gewinnungsgebiete daraus Mittel zum Ausgleich der Belastungen erhalten.

Hans-Otto Wack, einer der Autoren der Studie, sieht angesichts des Klimawandels die Chance für eine nachhaltige Änderung der Wasserwirtschaft. „Wir leben in Zeiten des Umbruchs“, sagt der promovierte Biologe. Die beiden Hitze- und Trockensommer 2018 und 2019 hätten vielen Menschen die Bedrohungen vor Augen geführt. Viel dramatischer für die Grundwasserstände vor allem auch im Vogelsberg aber sei, „dass wir seit 2002 kein Nassjahr mehr hatten“. Entsprechend weniger Grundwasser könne sich bilden. Die Veränderungen im Wasserhaushalt seien zwar nicht mehr aufzuhalten, doch beim Verbrauch des Wassers lasse sich etwas ändern, wie die vorgelegte Studie belege.

Allzu viel ist davon allerdings noch nicht umgesetzt, wie eine Anfrage bei der Stadt Frankfurt zeigt. Zwar gibt das hessische Wassergesetz den Kommunen die Möglichkeit, die Verwendung von Betriebswasser vorzuschreiben. Dies aber sei aufwendig und werde so gut wie nicht umgesetzt. So sind Brauchwassersysteme bislang nur im Zoo, dem Palmengarten und dem Hauptfriedhof im Einsatz.  

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