1. Startseite
  2. Rhein-Main

Warten auf die Post

Erstellt:

Kommentare

agl_Post_201022_4c_2
Gerade in diesen Pandemie-Zeiten fallen einige Post-Zusteller aus. Auch in der Wetterau gibt es Engpässe. Das Unternehmen greift in solchen Fällen auf einen Springerpool zurück. imago © Christoph Agel

Wetterau - Wenn die Rechnung nicht im Briefkasten liegt, ist das oft gar nicht mal so unangenehm. Grundsätzlich aber finden es die meisten Menschen vermutlich gut und wichtig, wenn Briefe und Pakete pünktlich ankommen. Ein Bad Nauheimer Anwalt macht da andere, für ihn ärgerliche Erfahrungen. Die Post gibt zu, dass es in der Wetterau einen Engpass bei den Zustellern gibt - eine Auswirkung der Pandemie.

Als das Gericht bei ihm nachfragte, wo denn die Empfangsbestätigung bleibe, stutzte der Bad Nauheimer Rechtsanwalt. „Da musste ich denen sagen: Ich habe die Post nie bekommen.“ Wie die Bezeichnung schon sagt, hätte der Anwalt den Eingang der vom Gericht an ihn gesandten Post bestätigen müssen. Das kann er aber natürlich nur, wenn die Post auch bei ihm ankommt. Und da liegt der Hase im Pfeffer: „Leider wird trotz Beschwerden sowohl bei der Deutschen Post, als auch bei der Bundesnetzagentur meine Post nicht oder nur eingeschränkt ein- bis zweimal pro Woche zugestellt. Das ist ein unerträglicher Zustand“, kritisiert der Anwalt, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Er übt nur noch in geringem Maße seine Anwaltstätigkeit aus, ist in den Fällen, um die er sich kümmert, aber darauf angewiesen, dass die Post pünktlich kommt. Einige Beispiele: Zum einen die erwähnte Empfangsbestätigung: Damit Gerichte Fristen berechnen können, schicken sie ein sogenanntes Empfangsbekenntnis mit. Der Adressat füllt es aus, unterschreibt und sendet es zurück. Wenn es häufig so schiefgehe wie anfangs erwähnt, dann könne das unangenehm werden, sagt der Bad Nauheimer Anwalt, denn dann würde sich das Gericht irgendwann fragen, ob der Anwalt Märchen erzähle.

Anderes Beispiel: „In zwei Angelegenheiten fehlen mir die Vollmachten von Mandanten, um mich gegenüber der Gegenseite ausweisen zu können, dass ich den Mandanten vertrete.“ Die Vollmacht ist auch wichtig, um eine Rechnung für die anwaltlichen Leistungen stellen zu können.

Pünktliche Postzustellung ist auch dann relevant, wenn es um Inkasso-Angelegenheiten geht. Liege die Vollmacht nicht vor, dann könne sich der Gerichtsvollzieher weigern, den Betrag auf das Konto des Rechtsanwalts zu überweisen. Schließlich der Fall, wenn der Jurist im Namen eines Vermieters ein Mietverhältnis kündigen will. Da müsse er als Anwalt immer eine Originalvollmacht mitschicken.

BRIEFZENTREN

In den bundesweit 82 Briefzentren der Post bearbeitet das Unternehmen nach Angaben von Pressesprecher Heß werktäglich rund 49 Millionen Briefsendungen. „Repräsentative, vom TÜV zertifizierte Messungen zeigen regelmäßig, dass der Versand dieser Sendungen in Deutschland, übrigens auch im internationalen Vergleich, nicht nur sehr schnell, sondern auch sehr zuverlässig und sicher funktioniert.“

Danach erreichen zum Beispiel 88 Prozent aller Inlandsbriefe ihre Empfänger in ganz Deutschland bereits nach einem einzigen Tag (E+1). Mehr als 95 Prozent erreichen ihre Empfänger nach spätestens zwei Tagen (E+2). „Wohl wissend, dass das nicht weiterhilft, wenn man persönlich betroffen ist und andere Erfahrungen gemacht hat, gehört dies aber trotzdem auch zur Wahrheit.“ agl

„Wenn ich etwas Wichtiges verschicke, zum Beispiel eine Abmahnung, bei der ich nachweisen muss, dass der andere sie bekommen hat, dann wähle ich das Einwurfeinschreiben. Das ist kein Beweis, dass er es bekommen hat, aber ein Indiz.“ Eine andere Variante ist der Einschreiben-Rückschein; dann unterschreibt der Empfänger. „Der sicherste Weg ist die Zustellung per Gerichtsvollzieher“, sagt der Bad Nauheimer Anwalt. Diese Variante wähle er immer dann, wenn er ein Miet- oder Arbeitsverhältnis kündige. Es sei jedoch auch die teuerste Option.

Da aber umgekehrt die Briefzustellung an ihn nicht so läuft, wie er sich das vorstellt, hat der Anwalt bereits dreimal ein Beschwerdeformular bei der Post ausgefüllt, sich zudem zweimal an die Bundesnetzagentur gewandt. Nach seiner letzten Beschwerde habe er zwei Tage hintereinander Post bekommen.

Grundsätzlich aber sagt der Jurist, er könne verstehen, wenn er mal eine Woche keine Post bekomme. „Dass man es aber drei Monate lang nicht organisieren kann, die Zustellung zu sichern, da fehlt mir doch ein bisschen das Verständnis.“

Was sagt die Post? „Grundsätzlich ist es so, dass es im Wetteraukreis leider nach wie vor in einigen Zustellbezirken personelle Engpässe und dadurch Verzögerungen bei der Zustellung gibt“, teilt Pressesprecher Stefan Heß mit. „Dafür bitten wir im Namen unseres Unternehmens um Entschuldigung, aber auch um Verständnis angesichts einer nach wie vor sehr speziellen Situation, die viele Unternehmen und Institutionen vor Herausforderungen stellt. Denn die Corona-Pandemie macht um kein Unternehmen einen Bogen, auch um unseres nicht.“

Selbst der beste personelle Puffer könne an seine Grenzen stoßen, wenn es zu zahlreichen kurzfristigen Erkrankungen komme. Allerdings tue die Post betrieblich alles dafür, um auch in diesen Zeiten die Funktion und Arbeitsfähigkeit der postalischen Netze aufrechtzuerhalten und etwaige Verzögerungen auf ein Minimum zu begrenzen. Das sei im Großen und Ganzen auch gut gelungen, „weil unsere Sicherheitsmaßnahmen greifen und weil wir dabei auch auf die medizinische Inhouse-Expertise unserer Betriebsärzte setzen können“. Dies gelte insbesondere für die Zusteller, für die Homeoffice bekanntermaßen keine Option sei.

Auch interessant

Kommentare