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Stein auf Stein: Wer die Augen offen hält, kann ein kleines Kunstwerk finden und mitnehmen...

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„Wandersteine“ erobern Südhessen

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Immer öfter kann man bemalte Exemplare am Wegesrand finden. Tausende Internetnutzer haben ihren Spaß damit.

Ein bisschen erinnert es an das Pokémon-Fieber: Bemalte Steine liegen auf Parkbänken, Mauern, Fensterbänken, in Parks. Sogar am Strand in Bulgarien soll schon einer aufgetaucht sein. Wer einen findet, darf ihn mitnehmen, sollte ihn aber fotografieren und seinen Fundort auf Facebook mitteilen. Inzwischen dürften Tausende Steine auch in Darmstadt und Umgebung zu finden sein. Denn in der jüngsten Zeit wurden in Darmstadt, dem Landkreis Darmstadt-Dieburg und dem Kreis Groß-Gerau mehrere Steingruppen gegründet. Insgesamt gibt es allein in Hessen 51 Gruppen auf Facebook.

Die Idee der Wandersteine oder Trampersteine soll aus England kommen, wo die kleinen Kunstwerke auch als Painted Rocks bezeichnet werden. Meist sind es glatte Kieselsteine, knallig bemalt mit Schnörkeln und Mustern. Blumen, Gesichter oder Tiere zieren die Steine, manchmal auch Sinnsprüche, Nachrichten oder Liebeserklärungen. Auch der Darmstädter Fünf-Finger-Turm wurde schon auf einem Stein verewigt.

„Diesen kleinen Freund hab ich gestern am Eingang Wolfskehlpark aufgelesen. Er durfte bei uns übernachten und geht heute wieder auf die Reise“, schreibt eine Nutzerin aus Bessungen in der Gruppe „Darmstadt Steine“. Gepostet hat sie das Foto eines türkisfarbenen Kiesels mit einem Hund drauf. 32 Leute finden das gut.

Kathrin Keil vom Weiterstädter Verein „Die Riedbahner“ bemalt in der Woche zehn bis 15 Steine mit wasserlöslichem Acryllack und setzt sie aus. Sie hat vor zwei Wochen die Gruppe „Tramper Steine Weiterstadt“ gegründet, die mit 72 Mitgliedern noch vergleichsweise klein ist – die Darmstädter Gruppe hatte nach drei Wochen über 530 Mitglieder, „Rheinsteine Ried“, gegründet im Juni, schon fast 2000. Die Teilnehmerzahlen wachsen stündlich.

Sammeln oder wieder auslegen? Das ist hier die Frage...  

Keil sah bei einer Bekannten Bilder aus der Pfungstädter Gruppe „Modauer Steine“, die die erste in der Region gewesen sein soll. „Das hat mich inspiriert, zumal es etwas in freier Natur ist, vom Handy ablenkt, wenig bis gar kein Geld kostet und unabhängig vom Alter gemacht werden kann“, sagt sie der Frankfurter Rundschau. Beim kürzlichen Sommerfest des Vereins hätten vor allem die Kinder begeistert Steine bemalt.

Der Sinn dahinter: „Den Menschen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, wenn sie sich über den Fund eines solchen Steines freuen“, wie es in vielen Gruppenbeschreibungen heißt.

Derzeit gibt es aber offenbar zumindest in Weiterstadt noch ein Missverhältnis zwischen den vielen ausgelegten Steinen und denen, die als gefunden gemeldet werden. „Ob sie verloren gehen, weiß ich nicht“, sagt Keil. Denn der Finder dürfe den Stein ja behalten, wenn er ihm gut gefalle. „Ich denke, dass muss sich alles noch einspielen und mehr Publicity erhalten.“ Die Gruppe bietet auf ihrer Seite einen Zettel an, den man ausdrucken und dem Stein beilegen kann, um die Aktion zu erklären. Und ist nun auch auf Instagram. Wie wichtig den Künstlern eine Rückmeldung über ihre Steine ist, zeigt ein Beitrag in der Gruppe „Wandersteine“: Nachdem sie gerade drei Steine in Osnabrück ausgesetzt hatte, schrieb eine Nutzerin: „Es tat mir irgendwie leid, die da zu lassen. Hoffe sie kommen in gute Hände.“

Wer einen Stein behält, sollte einen neuen, selbst bemalten auf die Reise schicken, lautet die Regel. Gut sei es, umweltfreundliche Farbe zu verwenden. Auf der Unterseite soll die jeweilige Gruppe genannt werden, damit der Finder weiß, wohin er das Foto des Steins schicken soll.

Und der Nachteil des Hobbys? „Man bekommt Auftragsarbeiten von Freunden und Bekannte“ und manchmal von Wildfremden, staunt eine Teilnehmerin.

Alle Stein-Gruppen: www.facebook.com/groups/2311208905626002/files/

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