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Andreas Wolf bei der Arbeit am Wanderwagen der Bienen.

Eschborn

Wanderbienen sind in Eschborn auf großer Tour

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Der „Schiefe Wald“ bietet leckere Obstblüten und Feldfrüchte.

Noch wuseln sie irgendwie wild herum. Als könnten sie sich kaum entscheiden, auf welche Leckerei sie sich zuerst stürzen sollen. Blüht ja alles so wunderbar hier im „Schiefen Wald“, wo die Obstbäume im freien Feld diagonal dem Frühlingshimmel entgegen wachsen.

Ein Paradies für Feinschmecker-Bienen, auch die blühende Allee entlang der Landstraße zwischen Steinbach und Eschborn. Einen Steinwurf nur entfernt von den bewusst schief gepflanzten Bäumen. Ein Kunstprojekt, na klar. Die lebende Installation auf dem „Streitplacken“ soll an die Schlacht der Kronberger Ritter erinnern, die hier im Jahr 1389 die Frankfurter Angreifer vom Acker gejagt haben.

Am Streitplacken trifft Kunst auf Kunst, treffen Bienen auf Obstbäume und Künstler, die auch Imker sind, erzählen Geschichten. Der Geschmack der Regionalparkroute spiegelt sich im Honig. So nennt es Andreas Wolf, der mit Kollege Florian Haas und neun Bienenvölkern nun schon im vierten Jahr auf der 190 Kilometer langen Tour durch die Region unterwegs ist. Drei Bienenwagen mit je drei Völkern ziehen die beiden Künstler-Imker an Fahrrädern von Ort zu Ort, um die 365 000 Bienen kommen so in den Genuss einer Rundreise und produzieren dabei einen bunten Honig.

Ein rotes Etikett steht für Honig von „Wald und Wiese“. Die Bienen arbeiten für diese Sorte zwischen der Schiffsmühle bei Ginsheim-Gustavsburg, den Krifteler Streuobstwiesen und der Gegend um den Flugplatz Egelsbach. Blau steht für Honig der Note „Stadt und Land“, die Mischung stammt vom offenen Land der Wetterau, auch vom Park Wilhelmsbad in Hanau und den Freiflächen der Städte. Stadthonig ist sauber, das lernen Kinder und Erwachsene von Andreas Wolf, denn Bienen filtern Schadstoffe aus dem Honig.

Im „Schiefen Wald“ östlich der Landesstraße 3006 macht der gelbe Bienenwagen bis etwa Mitte Mai Station, ehe er weitergezogen wird auf die Erlebnisobstwiesen in Kronberg und später zur Agrar-Kultur-Achse in Oberursel-Weißkirchen.

„Die Bienen werden gewandert“, sagt Imker Wolf dazu. Er und sein Freund Florian Haas von der Künstlergruppe „Finger“ haben die Idee von den Wanderbienen entwickelt und für den Regionalpark umgesetzt. Die mobilen Bienenwagen sind mit künstlerischen Bildergeschichten inszeniert, die sich von Station zu Station verändern. Wie lebt es sich so als Biene in dicht besiedelten Landschaften? Welche Lebensbedingungen brauchen Bienen eigentlich? Welche der immer noch ungefähr 500 Bienenarten in Deutschland sind gut für die Menschen? Die Bienenschule als großformatige Bildergeschichte gibt Antworten.

Natürlich geht es auch darum, dass das Leben der Bienen nicht immer nur ein fröhliches Honigschlecken ist, denn sie haben auch einige Feinde. „Herr Prop“, der Bienenlehrer, erläutert in einer dieser „Graphic Novels“ etwa, wie der Mensch schon immer den Bienen in den Wald gefolgt ist und ihnen den Honig gestohlen hat. Bis einer auf die Idee kam, den Baum abzusägen und die Bienenhöhle mitzunehmen, die Vorstufe zum Bienenstock im heimischen Garten. Wolf und Haas sind viel in Sachen Umweltbildung und sozialen Projekten unterwegs, stets spielen Bienen dabei eine wichtige Rolle.

Etwa 120.000 Bienen schwirren im Eschborner Feld durch die Gegend, berichtet Andreas Wolf, seit knapp zwei Wochen arbeiten die fleißigen Bienen dort für den Honig, der im nächsten Jahr als Jahrgang 2019 verkauft wird. „Ein gutes Frühjahr, die Tiere sind gut entwickelt“, freut sich der Imker im Künstler. Der Honig sei „ein Renner“ an den Verkaufsstellen der Regionalpark-Portale in Weilbach und im Wetterpark Offenbach, weiß Wolf. 

Das Projekt

Anhand von sieben Zahlen lässt sich das Wanderbienen-Projekt schön kurz zusammenfassen: Eine Region, zwei Künstler und Imker, drei reisende Bienenwagen, die drei unterschiedliche Honigmischungen produzieren, neun Bienenvölker, zwölf Stationen in vielfältigen Landschaften, knapp 190 Kilometer Regionalparkroute.

Bis in den September hinein sind die Wanderbienen auf großer Tour, an allen Stationen gibt es Veranstaltungen vor Ort mit den Künstlern und Imkern.

Der Info-Tag im „Schiefen Wald“ ist am Samstag, 11. Mai, von 14 bis 17 Uhr vorgesehen. 

www.wanderbienen.de

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