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Der Biologe Dirk A. Diehl auf Artensuche.

Darmstadt

Waldeidechse leidet unter Klimawandel

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Naturschutzverbände in Darmstadt und der Region betreiben seit zehn Jahren eine regionale Artendatenbank. Erstmals wurden Reptilien darin komplett erfasst.

Für Reptilien war der vergangene Hitzesommer katastrophal. Und das, wo sie vergangenes Jahr erstmals flächendeckend in Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg für die regionale Artendatenbank erfasst werden sollten. „Die Ergebnisse waren schlecht, die Reptilien zeigten sich nicht wie sonst“, sagt Biologe Dirk Diehl vom Naturkunde-Institut Langstadt. In etlichen Bereichen habe es keine Funde gegeben. Besonders hart traf es offenbar die Waldeidechse – sie galt laut Diehl bislang als eine der am häufigsten anzutreffenden Arten. Bei keiner anderen Art seien so erschreckend wenige Exemplare gezählt worden. „Die Waldeidechse dürfte unter dem Klimawandel leiden“, sagt Diehl.

Nicht nur das Verschwinden von Arten kann mit der Datenbank erkannt werden, auch das Auftauchen: Überraschend sei gewesen, dass die Barren-Ringelnatter in der Region Darmstadt gefunden wurde. Eigentlich gelte sie erst westlich des Rheins als verbreitet, so Diehl. „Offensichtlich breitet sie sich zu uns aus“, sagt er. Bei dem freiberuflichen Biologen laufen die Fäden der Artendatenbank zusammen. Das ist ein seit zehn Jahren bestehendes Gemeinschaftsprojekt der Umweltverbände in der Region. Auch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Darmstadt-Dieburg unterstützt das Projekt.

Diehl betreut die Zählungen und verarbeitet die Daten, die ehrenamtliche Helfer erfassen. Immer öfter muss der 52-Jährige jedoch selbst ins Gelände, um Zählungen vorzunehmen, da es immer weniger freiwillige Helfer gibt. Für die Reptilienzählung etwa seien am Institut 20 Helfer geschult worden, aber nur acht hätten auch Daten geliefert, sagt Diehl.

Hugo Schnur, Vorsitzender des über 2500 Mitglieder starken Nabu-Kreisverbands Darmstadt vermutet, das solche „Projekte in den nächsten zehn bis 15 Jahren gar nicht mehr zu füllen sind“. Gerade Senioren hätten tagsüber Zeit, um Beobachtungen zu machen. Doch diese Generation würde aussterben, es kämen kaum Junge nach, die sich auskennen.

Datenbank für Reptilien und andere Wirbeltiere

In der Datenbank finden sich nicht nur Reptilien, auch andere Wirbeltiere (ohne Fische) und Insekten wurden bereits erfasst. Den größten Bestand gibt es laut Diehl bislang an Libellen, Heuschrecken, Tagfaltern und Bienen. Der Sinn der Artendatenbank ist es, Naturschutzverbänden Daten zu liefern, die zum Beispiel gebraucht werden, wenn es um die Einschätzung von Eingriffen wie Bauprojekten oder Veränderungen in der Landschaft gehe, schildert Naturschützer Schnur. Denn die Angaben darüber, ob an einer Stelle eine bestimmte Art vorkommt, seien nicht immer zuverlässig, da das Wissen oft nicht vorhanden sei.

Zudem sind in den europarechtlichen Fauna-Flora-Habitatrichtlinien (FFH-Richtlinien), die bei Baumaßnahmen herangezogen werden, nur ausgewählte Arten aufgeführt. So ist etwa die Schlingnatter als gefährdet genannt, die Ringelnatter nicht. „Dabei sind beide Arten gleich schützenswert“, sagt Diehl. Dass die schützenswerten Arten so im Baurecht ausgedünnt würden, hält der Diplombiologe für eine „wenig erfreuliche Entwicklung“.

Die Datenbank könne auch für Umsiedlungsmaßnahmen herangezogen werden, da sie Hinweise auf geeignete Lebensräume biete. Einblick in die Datenbank bekommen Außenstehende gegen Gebühr.

Zum Informationsaustausch treffen sich die Kreisorganisationen von Nabu und HGON sowie die Ortsbeauftragten für Vogelschutz des Altkreises Dieburg am Freitag, 18. Januar, 20 Uhr in der Gaststätte „Zur Krone“ im Groß-Umstädter Ortsteil Semd. Über die regionale Artendatenbank berichtet dabei Diplom-Biologe Dirk Diehl und gibt erstmals einen Überblick über die Artenvorkommen. Infos: naturkunde-institut-langstadt.de

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