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Ein Borkenkäfer und Fraßgänge an der Rinde einer befallenen Fichte

Trockenheit 

Waldbesitzer in Hessen fordern Geld vom Staat

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Nur mit Zuschüssen könnten die Betriebe weiter gegen die Borkenkäferkatastrophe kämpfen.

Die hessischen Waldbesitzer schlagen Alarm. Der Schaden, den die Dürre und die Borkenkäfer angerichtet hätten, sei immens, berichtete der Hessische Waldbesitzerverband am Freitag in Wiesbaden.

„Die Wälder sind sehr geschwächt. Krankheiten kommen, Pilze kommen, Insekten kommen“, sagte Verbandspräsident Michael Freiherr von der Tann. Allein in den Privat- und Kommunalwäldern seien mehr als zwei Millionen Festmeter Holz durch Dürre und Borkenkäfer angefallen.

Die Qualität des Holzes sei oft schlecht und wegen des Überangebots lasse es sich nur zu einem niedrigen Preis oder gar nicht mehr verkaufen. Die wirtschaftliche Situation der Forstbetriebe sei dadurch gefährdet.

Manche Privatwaldbesitzer hätten ihr komplettes Vermögen aufgebraucht und seien nicht mehr in der Lage, die Schäden zu beseitigen und mit neuen Bäumen aufzuforsten, fügte Präsidiumsmitglied Ralf Kredel hinzu. Darüber hinaus sei es wegen der vielen Waldschäden schwierig, überhaupt Waldarbeiter zu finden, die das Holz herausbrächten und aufarbeiteten.

In Hessen besitzen Privatleute rund 25 Prozent des Waldes, die Kommunen etwa 36 Prozent. Hinzu kommen knapp 40 Prozent in der Hand des Landes, die vom Landesbetrieb Hessenforst bewirtschaftet werden. Diese Wälder sind in der Bilanz des Verbands nicht enthalten, doch im Staatswald sehe es nicht besser aus als in den Privat- und Kommunalwäldern, berichteten die Verbandsvertreter.

Sie wiesen darauf hin, dass das Thema nicht nur wirtschaftliche, sondern auch ökologische Aspekte habe. „Wir müssen bei uns in Hessen den CO2-Speicher wieder auffüllen und unsere Hausaufgaben machen“, betonte Präsidiumsmitglied Frank Wiegand.

Der Verband richtete daher Forderungen an das Land. Notwendig seien Zuschüsse von 25 bis 30 Millionen Euro in diesem Jahr. Dabei müssten die am schwersten betroffenen Forstbetriebe angemessen beteiligt werden, die bereits Schäder zwischen 10 und 15 Millionen Euro zu verkraften hätten. Die Waldbesitzer befürchten, dass das Land die Zuschüsse pro Betrieb deckeln wird, so dass keiner mehr als 200 000 Euro erhalten könnte. Zudem müssten Waldeigentümer für jede Tonne des Klimakillers Kohlendioxid (CO2) bezahlt werden, die ihr Wald der Atmosphäre entziehe.

Von Naturschützer-Vorschlägen, die Flächen des beschädigten Waldes sich selbst zu überlassen, halten die Waldbesitzer überhaupt nichts. Dann würden dort nur Gräser oder Büsche nachwachsen, aber keine gesünderen Bäume, sagte von der Tann.

Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) kündigte an, sie wolle die Waldbesitzer unterstützen. Sie erwarte aber auch, dass sich die Bundesregierung stärker engagiere.

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