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Links im Bild das Grab des Rechtsanwaltes Dr. jur. Arthur Krausgrill, der 1992 im Alter von fast 106 Jahren verstarb.
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Links im Bild das Grab des Rechtsanwaltes Dr. jur. Arthur Krausgrill, der 1992 im Alter von fast 106 Jahren verstarb.

Grüne Flucht Friedhöfe - Eine Serie

Ein Wald für alle

Auf dem Oberräder Waldfriedhof haben Soldaten, Gärtner, Künstler, Nonnen und Industrielle eine idyllische letzte Ruhe gefiunden. Von Anne-Sophie Lang

Von Anne-Sophie Lang

Eine schwarz-weiße Katze verschwindet im dichten Farn. Vögel zwitschern. Ein bisschen wirkt der Eingang wie das Tor zu einem Märchenwald. Eichen, Linden und Kiefern ragen empor. Kieswege wechseln sich mit von Klee und Gänseblümchen durchzogenen Waldwiesen ab. Ein winziger Frosch hüpft vorbei.

In einem wahren Labyrinth aus Büschen und Hecken liegen hier die alten Oberräder Gärtnerfamilien begraben. Immer wieder die gleichen Namen auf den alten Steinen zwischen den Rhododendren: Weiß, Jung, Dedecke, Hofmann, auch innerhalb eines Grabes. "Die haben viel untereinander geheiratet", erklärt Stefan Erdmann, Friedhofexperte vom Oberräder Heimatverein. Auf einigen Gräbern haben Maulwürfe Hügel aufgeworfen.

Nach dem knappen Kilometer Fußweg von der Straßenbahn, vorbei an Kleingärten und Feldern, ist es angenehm kühl auf dem riesigen Areal des Waldfriedhofs Oberrad. Die Strecke würde Ortsvorsteherin Elke Winckler (SPD) vor allem älteren Oberrädern gerne ersparen. Sie hofft, dass die Stadtverordnetenversammlung eine Kleinbuslinie genehmigt. "Das ist ein Anliegen von allen Oberrädern."

Vogelskizze in Holz

An der Friedhofskapelle vorbei führen Wege zu den neueren Gräbern. Ein hölzernes Grabmal ziert eine Malerpalette mit drei Pinseln. Auf der Rückseite hat sich mit eckigen Buchstaben der Künstler verewigt: Uhl.

Die Holzarbeiten des Frankfurter Bildhauers Hugo Uhl finden sich in Oberrad überall. Ein ins Grabmal geschnitzter Vogel etwa, auf einem Tannenast sitzend. Nicht filigran geschnitzt, vielmehr skizziert, und doch scheint es, als würde er gleich davonfliegen. Das dunkle Holz schimmert seidig in der Abendsonne. "Sehr schön", meint Erdmann, "das ist mal was anderes."

Das Holz fügt sich harmonisch in den Wald ein - im Gegensatz zu den neueren Grabsteinen aus poliertem Marmor oder Granit. Glatte, scheinende Flächen zwischen Blättern und Wurzeln. Bis in die 90er Jahre mussten Grabsteine auf Frankfurter Friedhöfen meist naturbelassen sein. Sandstein und matter Quarz zeugen von dieser Regel. Die polierten Steine - Herzen, die in der Sonne glänzen, aufgeschlagene Bücher - fallen auf im Wald. "Aber die Leute finden die total schön", meint Erdmann und zuckt mit den Schultern. Heute gilt für den Waldfriedhof nur noch eine Sonderregel: Gräber dürfen nicht steinern eingefasst werden. Von der Masse heben sich viele letzte Ruhestätten aber auch so ab.

Hunderte gleiche Stelen

Etwa das Grabmal der Offenbacher Industriellenfamilie van Kaick, auf dem 14 geschnitzte Pferde galoppieren. Oder der kniende Engel am Grab derer von Freyberg. Ein schlichter Engel. Rote und weiße Begonien, mal eine hellblaue Hortensie: aufwendiger Grabschmuck findet sich in Oberrad selten. Ein großes Kreuz aus Sandstein erinnert an die Pfarrerfamilie Jürges, die Pfingsten 1983 umkam, als bei einer Flugvorführung ein Starfighter abstürzte: "Sie lebten für Vertrauen und Frieden. Sie wurden getötet beim Absturz eines Kampfflugzeuges."

Auf einem separaten Feld reihen sich hunderte gleichförmige Stelen aneinander. "Koninkrijk der Nederlanden" steht auf weißem Stein unter dem holländischen Löwen. 756 niederländische Zwangsarbeiter aus dem Zweiten Weltkrieg fanden hier ihre letzte Ruhe. Das Ehrenfeld ist eines von sieben seiner Art in Deutschland, es gedenkt den niederländischen Opfern im süddeutschen Raum.

Ein paar Schritte weiter erinnern schlichtere Sandsteinplatten an deutsche Kriegsopfer. Einige sind so verwittert, dass die Namen kaum noch zu lesen sind. Noch schlimmer steht es um die Gräber des Frankfurter Schwesternverbands. Moos wuchert über die Grabplatten der evangelischen Schwestern.

Nur eine ist neu: Eine Nonne verstarb 2008. Bald wird auch ihr Grab eins mit dem Wald werden. Neben einem der neuen, glänzenden Grabsteine raschelt etwas im Gebüsch: Eine Maus.

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