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CDU-Kandidat Christian Vogt möchte neue Gewerbegebiete an der Autobahn.

Politik

Wahlkampf mit zehn Meter Abstand in Hofheim

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Christian Vogt (CDU) und Bernhard Köppler (SPD) gehen optimistisch in die Bürgermeister-Stichwahl.

Wir fangen wieder bei Null an.“ Davon ist die Frau überzeugt, die nicht mehr Bürgermeisterin sein will. Gisela Stang, das „Hofheimer Mädchen“, wie sie hier alle sagen, ist natürlich dabei beim letzten Aufgalopp der Kandidaten in der Innenstadt zur besten Einkaufszeit am späten Samstagvormittag. Um mit ihrem Gewicht von drei gewonnenen Bürgermeisterwahlen den SPD-Parteifreund Bernhard Köppler zu unterstützen. Kaum zehn Meter voneinander entfernt haben die zwei Kandidaten ihre improvisierten Wahlstände aufgebaut, beides ehemalige Handballer, einem intensiven Kontaktsport.

Christian Vogt, der Christdemokrat, und Bernhard Köppler, der Sozialdemokrat, der die „Person vor die Partei stellen“ will und das SPD-Kürzel auf seiner Wahlwerbung weglässt, begegnen sich mit Respekt. Vermeintliche Schwächen des Gegners werden im öffentlichen Diskurs kaum thematisiert, man versucht, die eigenen Stärken und Ideen für die Zukunft herauszuheben.

Eine Woche vor der Stichwahl, so scheint es, kommen die Menschen vor allem vorbei, um sich von ihrer festgelegten Entscheidung zu überzeugen und „ihrem“ Bürgermeister in spe Mut zu machen. „Ich wollte nur viel Glück wünschen, ich wähle Sie“, sagt eine Frau mit einem Lächeln zu Köppler und steigt nach kurzem Handschlag ohne Diskussion wieder auf ihr Fahrrad. „Sie sind mein Mann am Sonntag“, sagt eine andere Frau ein paar Meter weiter zu Vogt. Aus dem Ortsteil Diedenbergen ist sie gekommen, die andere aus Marxheim. Unentschieden vor der letzten Runde.

„Du machst das“, sagen die jeweils engsten Berater, „kämpfen bis zur letzten Minute, wie beim Handball.“ Vogt geht mit Oberwasser aus dem ersten Wahlgang (39,8 zu 19,8 Prozent) ins Finale, neben ihm unterm gelben Sonnenschirm ein paar FDP-Leute als Unterstützer. Bei Vogt fühlen sie sich in wirtschaftspolitischen Fragen besser repräsentiert.

SPD-Kandidat Bernhard Köppler setzt auf die verkehrsberuhigte Stadt.

Ausweisung neuer Gewerbegebiete an der Autobahn, Digitalisierung der Verwaltung, Ansiedlung neuer Unternehmen, mit diesen Schlagworten ist Christian Vogt seit dem frühen Morgen in allen Ortsteilen für die Last-Minute-Werbung unterwegs. Sogar in Breckenheim, weil dort viele Hofheimer beim Rewe einkaufen. Immer mit dem klaren Credo, ein Mann der Wirtschaftsförderung zu sein, die in seinen Augen unbedingt Chefsache sein muss.

Bernhard Köppler hat schon viele Rosen verteilt, bis Vogt eintrifft. Und hat versucht, in Gesprächen mit Bürgern die Unterschiede in seinem Verständnis von Politik für die Bürger herauszuarbeiten. An der Zukunft des Kellereiplatzes etwa scheiden sich die Geister der Ex-Handballstrategen. Plädiert Köppler für ein Wohnhaus für ältere Menschen mit ein paar Dutzend Apartments, liebäugelt Vogt mit einem Hotel in dieser zentralen Lage.

„Und was ist mit Marxheim II?“, will eine Frau wissen. Auch da haben die Herren unterschiedliche Vorstellungen über das Ausmaß der Bebauung. Dehnbare Begriffe wie „Verdichtung“ und „gesunder Mix“ werden eingestreut, Köppler spricht gerne über „moderne Mobilität“ und die „verkehrsberuhigte Stadt“, die nach Vorbildern wie Amsterdam zum „Lifestyle“ werden könnte.

„Ob mer des muss?“ Die Generalfrage zu Marxheim II wird am Wahlstand nicht mehr gestellt. „Ist ja sehr gutes Ackerland“, gibt Herr Köhler aus Marxheim zu bedenken. Und: „Mir wäre ein parteiloser Bürgermeister am liebsten.“ Eine Rose von Köpplers Wahlteam nimmt eine Ehefrau aber schon an. „Fairtrade natürlich“ fügt die scheidende Rathauschefin Stang an. Faires Spiel und, wie gesagt, alles auf Null gestellt. Die Handballer wissen, dass Spiele oft erst in letzter Sekunde entschieden werden.

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