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Der Hauptverdächtige im Mordfall Lübcke wird für Vernehmungen ins Polizeipräsidium Nordhessen gebracht.

Lübcke-Mord

Waffennarr und Neonazi

Beim Lübcke-Mord rückt Marcus H. in den Fokus der Öffentlichkeit.

Nach dem erneuten Geständnis des mutmaßlichen Lübcke-Mörders Stephan E. rückt Ernsts Komplize Markus H. mehr in den Fokus. Doch wer ist der Mann, den E. am Mittwoch beschuldigt hat, Walter Lübcke versehentlich getötet zu haben?

Markus H. (43) sitzt in der JVA Frankfurt in Untersuchungshaft. Er ist wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Eine Haftbeschwerde hatte der Bundesgerichtshof im August abgewiesen. Als Gründe wurden die mit E. absolvierten Schießübungen und dessen psychische Beeinflussung angeführt.

Seine frühere Lebensgefährtin hat Markus H. als Macher bezeichnet, das geht auch aus einem Beschluss des Bundesgerichtshofes hervor. Demnach soll E. eher der „Denker“ gewesen sein. H. gilt als Waffennarr, durfte legal Waffen besitzen. Ende November soll laut Medienberichten die Wohnung von H. im Kasseler Stadtteil Wesertor erneut durchsucht und Beweismaterial sichergestellt worden sein. Bei der Durchsuchung im Juni soll ein Buch gefunden worden sein, in dem gegen die Flüchtlingspolitik polemisiert wird. Der Name Lübcke soll markiert gewesen sein.

H. war jahrelang in der rechtsextremen Gruppierung „Freier Widerstand Kassel“ aktiv. Bereits 2009 nahmen E. und H. mit anderen Teilnehmern aus Kassel an Neonazi-Aufmärschen unter anderem in Dortmund teil, bei dem eine DGB-Demo angegriffen wurde. E. bekam damals eine Haftstrafe, H. blieb auf freiem Fuß. 2013 waren beide beim selben Arbeitgeber beschäftigt und sollen so wieder in Kontakt gekommen sein. H. soll auch bei Kagida-Demos in Kassel gewesen sein. Zuletzt wurde bekannt, dass er und E. 2018 gemeinsam an einer AfD-Demo in Chemnitz teilgenommen haben.

Das NDR-Magazin „Panorama“ berichtet, dass die besondere Verschlüsselung des Mobiltelefons von H. dem Bundeskriminalamt zunächst Schwierigkeiten bereitet habe. Mittlerweile habe man das Handy zwar auslesen können, aber man habe keine verfahrensrelevanten Erkenntnisse gewinnen können.

Der Lebensstil von Markus H. soll auf Verheimlichung angelegt gewesen sein. Mehrfach soll er nicht unter Klarnamen aufgetreten sein. Mit E. soll er über den verschlüsselten Messenger-Dienst Threema kommuniziert haben. Auch H. war es, der das Video der Bürgerversammlung in Lohfelden ins Internet gestellt hat. Unter dem Pseudonym „Stadtreiniger“ soll er in verschiedenen Foren kommentiert haben.

Seiner früheren Lebensgefährtin, mit der er ein Kind hat, soll er gesagt haben, seine Kinder dürften nicht seinen Namen tragen, weil er sich mit einem Sprengstoffgürtel in die Luft sprengen und möglichst viele „Kanaken“ mit in den Tod nehmen würde, wenn er schwer krank würde. H. wurde zudem im Juni 2006 zum NSU-Mordfall Halit Yozgat befragt, da er auffallend häufig die Fahndungsseite der Polizei im Internet aufrief.

Von Kathrin Meyer

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