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Rechtsextremismus

Waffendeal mit Lübcke-Mörder

  • vonJoachim F. Tornau
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Ein 48-Jähriger, der dem Neonazi Stephan Ernst einen Revolver abkaufte, muss 4500 Euro Geldstrafe bezahlen.

Für Rechtsanwalt Knuth Pfeiffer schien der eigentliche Angeklagte nicht neben ihm auf der Anklagebank zu sitzen – sondern in Hamburg, beim Norddeutschen Rundfunk. Ausführlich und persönlich griff er den auf Rechtsextremismus-Themen spezialisierten NDR-Reporter Julian Feldmann an, warf ihm „unverschämte Unterstellungen“, „üble Diffamierung“, gar „Impertinenz“ vor. Dabei hatte der Journalist nichts anderes getan, als Pfeiffers Mandanten Timo A. mit Vorwürfen zu konfrontieren, die Stephan Ernst, der Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, gegen ihn erhoben hatte.

Ernst hatte seinen ehemaligen Arbeitskollegen als rechtsextremen Gesinnungsgenossen dargestellt, der sich wie er für einen bevorstehenden „Bürgerkrieg“ gegen Geflüchtete habe bewaffnen wollen – und dem er deshalb einen Revolver nebst Munition verkauft habe. Nach allem, was man mittlerweile weiß, war das meiste davon bloß Wunschdenken des Neonazis. Den Waffendeal aber, den gab es wirklich.

Am Dienstag wurde Timo A. vom Amtsgericht in Eschwege wegen unerlaubten Besitzes eines Smith & Wesson-Revolvers mit 235 Schuss Munition zu einer Geldstrafe von 4500 Euro verurteilt (90 Tagessätze à 50 Euro). Im ursprünglich ergangenen Strafbefehl, gegen den der 48-Jährige Widerspruch eingelegt hatte, waren es noch 120 Tagessätze gewesen. Durch die Absenkung des Strafmaßes bleibt dem Angeklagten, der wegen des illegalen Waffenkaufs auch seinen Job verloren hat, ein Eintrag im polizeilichen Führungszeugnis erspart.

Dass Timo A. keinerlei rechtsextreme Motivation nachgewiesen werden könne, betonte am Ende auch das Gericht noch einmal. Aber was war dann der Grund, dass er mindestens 500 Euro ausgab, um sich verbotenerweise zu bewaffnen? „Ernst hat gemerkt, dass ich total down bin, dass ich ein leichtes Opfer bin, mit dem er Geschäfte machen kann“, sagte Timo A. etwas vage. Genaueres erfuhr man nicht, weil fast durchweg hinter verschlossenen Türen verhandelt wurde: Erfolgreich hatte Verteidiger Pfeiffer, auch unter Verweis auf die „Impertinenz“ des anwesenden NDR-Journalisten, den weitgehenden Ausschluss der Öffentlichkeit beantragt.

Der Anwalt deutete lediglich an, dass sein Mandant unter Depressionen leide und sich damals mit Suizidgedanken getragen habe. Ähnliches hatte Timo A. auch selbst erklärt, als er im September als Zeuge im Mordprozess gegen Stephan Ernst vor dem Oberlandesgericht Frankfurt aussagte. In aller Öffentlichkeit übrigens.

Neben Timo A. soll Ernst noch einem zweiten ehemaligen Arbeitskollegen Waffen verkauft haben. Bei Jens L. aus Fuldabrück waren neben etlichen Pistolen, Revolvern und Munition auch NS-Devotionalien gefunden worden. Die Kasseler Staatsanwaltschaft hat den 50-Jährigen bereits im vergangenen Jahr wegen mehrerer Verstöße gegen das Waffengesetz angeklagt. Einen Verhandlungstermin gibt es aber noch nicht. Außerdem wird gegen Jens L. nach wie vor wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat ermittelt. Der bekennende AfD-Wähler will Waffen und Munition ebenso wie Hitler-Bilder und SA-Dolche aber lediglich gesammelt und „nie was Böses“ damit vorgehabt haben, wie er als Zeuge im Lübcke-Mordprozess beteuerte.

Erst kürzlich angeklagt wurde der Mann, bei dem sich Ernst seinerseits mit Waffen eingedeckt haben soll. Die Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft legt Elmar J., einem 65-jährigen Trödelhändler aus dem ostwestfälischen Natzungen, neben Verstößen gegen das Waffengesetz auch fahrlässige Tötung zur Last: Eine der zahlreichen Waffen, die er Stephan Ernst verkauft haben soll, soll der Rossi-Revolver gewesen sein, mit dem am 1. Juni 2019 Walter Lübcke erschossen wurde.

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