+
Der Bahndamm an der Robert-Koch-Straße.

Verkehr

Wände entlang der Zugstrecke in Offenbach

  • schließen

Das Quartiersmanagement stellt den Anwohnern des Bahndamms in Offenbach Vorschläge zum Lärmschutz vor.

Es rattert und quietscht ohrenbetäubend, als der ICE auf dem Bahndamm oberhalb der Robert-Koch-Straße vorbeifährt. Zwar dauert die Lärmbelastung nur wenige Sekunden, doch für die Anwohner ist das völlig ausreichend. „Viel schlimmer sind die Güterzüge, die sind ein Vielfaches lauter“, sagt ein älterer Anwohner, eine Frau nickt zustimmend.

Doch die Lärmbelastung soll gemildert werden: Im vergangenen Jahr kündigte die Deutsche Bahn an, sie werde vornehmlich auf Lärmschutzwände entlang der Bahnstrecke quer durch die Stadt setzen. Die Begeisterung bei Anwohnern und Stadtverwaltung hielt sich angesichts der Aussicht auf drei Meter hohe Wände zu beiden Seiten der Bahnstrecke in Grenzen. Bürger und Stadtverwaltung formulierten eigene Vorschläge, die von der Stadtverordnetenversammlung genehmigt und der Bahn übergeben wurden.

Mitte der Woche hat das Quartiersmanagement diese Pläne den Anwohnern des Bahndamms vorgestellt. Statt undurchsichtiger, drei Meter hohen Wände schlägt die Stadt transparente Schallschutzwände mit einer Gesamthöhe von zwei Metern vor. „Ich finde es sehr gut, dass die Wände nur zwei Meter hoch sein sollen“, sagt eine Anwohnerin.

Sie bekommt aber sofort Kontra von einer anderen Anwohnerin, als es heißt, dass Wohnungen, die über der Sichtachse von zwei Metern liegen, nur passiven Schallschutz durch neue Fenster erhalten sollen. „Ich wohne im vierten Stock, für mich heißt das, dass ich abends also weiterhin nicht die Fenster öffnen kann“, sagt sie.

Ähnlich äußern sich weitere Bürger. Quartiersmanager Marcus Schenk gibt zu bedenken, dass es in dieser Frage keine Ideallösung geben werde. „Wir müssen ohnehin hoffen, dass die Bahn guten Willen zeigt und die Vorschläge der Stadt annimmt“, sagt Schenk, denn verbindlich sind diese nicht. Auf dem der Bahn gehörenden Bahndamm darf diese nach eigenen Grundsätzen bauen, ein Mitspracherecht der Stadt gibt es nicht. „Ich denke aber schon, dass die Bahn sich den Vorschlägen nicht verschließt“, sagt Schenk.

Lärm sei ohnehin nur eines von mehreren Ärgernissen entlang der Bahnstrecke, gibt ein älterer Anwohner zu bedenken. „Die Erschütterungen gerade durch Güterzüge sind viel schlimmer“, sagt er. „Wenn nachts die Güterzüge durchfahren, ist das wie bei einem Erdbeben: Da wackelt alles in der Wohnung“, stimmt ihm eine Bürgerin zu.

Auch der Zustand des Geländes am Bahndamm an der Robert-Koch-Straße ärgert die Anwohner: Verdreckt und unansehnlich sei es, so die Kritik. Michael Englert vom Quartiersmanagement weist darauf hin, dass die Fläche nachträglich in das Umbauprogramm Soziale Stadt aufgenommen sei, um es zu verschönern. „Allerdings kann erst dann etwas geändert werden, wenn die Lärmschutzarbeiten beendet sind“, sagt er. Laut Bahn könnten diese aber erst frühestens Ende 2021 beginnen.

Hoffnungen, dass die einst geöffneten und seit Jahrzehnten zu Garagen und Werkstätten zugemauerten Öffnungen am Bahndamm ansehnlicher gestaltet werden, erteilt Schenk gleich eine Absage. „Die Zukunft dieser Räume ist ohnehin ungewiss“, sagt ein Anwohner. Er habe nämlich erst kürzlich von zwei Mietern erfahren, dass die Bahn ihnen gekündigt hätte - in einem Fall wegen einer möglichen Einsturzgefahr, habe ihm der Mieter gesagt. „Bevor da irgendetwas rein kann, muss doch das ganze Bauwerk saniert werden“, ist er sich sicher.

Auch die von den Grünen gewünschte Begrünung des Bahndamms sehen Anwohner kritisch. „Eine Begrünung müsste gepflegt werden, sonst wuchert es einfach nur“, sagt ein Mann. Eine Frau findet, dass nur etwas „Grün um den Dreck zu übertünchen“, nicht helfe. „Es braucht ein Gesamtkonzept für den Bahndamm“, sagt sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare