Segmüller hat in Frankfurt ein kleine Filiale. In Bad Vilbel will das Unternehmen eine ganz große bauen. 
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Segmüller hat in Frankfurt ein kleine Filiale. In Bad Vilbel will das Unternehmen eine ganz große bauen. 

Bad Vilbel

Vorstoß für Segmüller-Filiale in Bad Vilbel

Die Stadt Bad Vilbel will dem Möbelgroßmarkt mit der fünften Änderung des Bebauungsplans den Weg ebnen. Ob das Verfahren zum Erfolg führt, sehen die Fraktionen eher skeptisch.

Die Stadt unternimmt einen neuen Anlauf, um den Möbelgroßmarkt Segmüller doch noch nach Bad Vilbel zu holen. Das ist Ziel einer fünften Änderung des Bebauungsplans „Im Schleid“. Der Gemarkungsname steht bisher für die umfangreiche Wohnbebauung. Auf dem angrenzenden, mehr als zehn Hektar großen Grundstück würde die Stadt gerne das große Möbelgeschäft sehen.

„Und auch Segmüller ist weiterhin fest an diesem Standort interessiert“, teilte Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU) in der jüngsten Sitzung des Planungs-, Bau- und Umweltausschusses mit. Nachdem sich das Unternehmen – infolge der Probleme mit dem sogenannten zentrenrelevanten Sortiment – nach anderen Standorten nördlich von Frankfurt umgesehen habe, habe es sich letztlich doch dafür entschieden, an Bad Vilbel festzuhalten.

Bereits seit zehn Jahren will das Familienunternehmen aus dem bayerischen Friedberg bei Augsburg am nördlichen Rand der Bad Vilbeler Kernstadt ein Einrichtungshaus mit rund 45 000 Quadratmetern Verkaufsfläche errichten. Das Haus wäre dann so groß wie das im rund 40 Kilometer entfernten Weiterstadt.

Knackpunkt waren bisher die geplanten 3900 Quadratmeter Verkaufsfläche für das „innenstadtrelevante Randsortiment“ mit Haushaltswaren wie Geschirr oder Kochtöpfen. Dem steht ein Einzelhandelskonzept aus dem Jahr 2010 entgegen, das nur 800 Quadratmeter für ein solches Sortiment erlaubt. Die Stadt Bad Vilbel zog wegen dieser Beschränkung gegen das federführende Regierungspräsidium Darmstadt vor das Verwaltungsgericht. Die Klage scheiterte allerdings 2015 in zweiter Instanz. Das Gericht bestätigte die Auffassung der Regionalversammlung.

Diese möchte, um in den Innenstädten angesiedelte Geschäfte nicht zu gefährden, an den 800 Quadratmetern festhalten, wie im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit der geplanten Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes für 2023 zu hören war.

Dennoch will die Stadt Bad Vilbel noch einmal in das Verfahren gehen. Da sich die planerischen Randbedingungen geändert hätten, wolle man ein neues Verfahren eröffnen. Planerisch wird die angedachte Fläche als Sondergebiet Möbelmarkt festgelegt, informierte die von der Stadt beauftragte Planerin Stefanie Horn. Insgesamt sei das Gelände 13,4 Hektar groß, vorgesehen seien auf 10,6 Hektar das Möbelhaus sowie auf der restlichen Fläche öffentliches Grün.

Im Bebauungsplan, für dessen Einleitung jetzt CDU, FDP und FW votierten, hat die Stadt das zentrenrelevante Sortiment auf 800 Quadratmeter begrenzt. Hinzu kommen aber 1600 Quadratmeter Teppiche, 800 Quadratmeter Leuchten und Lampen sowie 400 Quadratmeter „sonstige nicht zentrenrelevante Sortimente“, wie es in der Vorlage an die Stadtverordneten heißt. Die Fläche des Möbelsortiments wird mit 41 400 Quadratmetern angegeben. Mit dieser neuen Aufteilung käme Segmüller auf insgesamt 3600 Quadratmeter Verkaufsfläche, die keine direkte Möbelverkaufsfläche wären.

Mit der Bebauungsplanänderung für „Im Schleid“ will die Stadt beim Regionalverband zugleich eine Änderung des Regionalen Flächennutzungsplanes beantragen. „Wir wollen das Verfahren von 2010 wieder aufnehmen, das ruhend gestellt war.“ Zudem wolle die Stadt ein Zielabweichungsverfahren beim Regionalplan in die Gänge bringen, wie Horn und Wysocki informierten. Es müssten also drei Pläne geändert werden, ein lokaler und zwei überregionale. Dazu müssten alle Träger öffentlicher Belange Stellung nehmen – auch die umliegenden Gemeinden. Sollten eine oder mehrere Kommunen bei ihrem Widerstand gegen das große Möbelhaus bleiben und der Plan noch beklagt werden, dürfte er scheitern.

Im Ausschuss gaben sich die Fraktionen entsprechend zurückhaltend. Tobias Utter (CDU) meinte, es könne nicht garantiert werden, dass das Verfahren zum Erfolg führe. SPD und Grüne stehen dem Möbelgroßmarkt ohnehin eher skeptisch gegenüber. Bernd Hielscher (SPD) teilte mit, man enthalte sich zunächst, „weil wir noch einen erheblichen Beratungsbedarf haben“. Und für die Grünen lehnte Clemens Breest, die Planänderung „erstmal ab“.

Bei erneutem Protest zum zentralrelevanten Sortiment hat die Stadt indes schon ein Gegenargument parat: „Ikea in Nieder-Eschbach hat 6000 Quadratmeter davon.“

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