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Vorfreude auf den Nein-Tag

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Von: Pitt von Bebenburg

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Gut gebrüllt, Pitt.
Gut gebrüllt, Pitt. © FR

Der Wahltermin in Hessen passt nicht allen gut. Die Herbstferien fallen flach. Die Kolumne aus dem Landtag.

Jetzt ist es raus: Am 28. Oktober wird in Hessen gewählt. Dann haben viele Prominente Geburtstag, Schauspielerin Julia Roberts etwa oder Microsoft-Gründer Bill Gates, aber das sind keine Hessen.

Anders als Annette Gümbel, die ebenfalls am 28. Oktober geboren ist. Ob es für sie viel zu feiern gibt, dürfte sich erst nach 18 Uhr zeigen, wenn die Wahllokale schließen. Denn ihr Mann, SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel, will Ministerpräsident werden. Er nahm das Zusammenfallen der beiden Termine positiv auf: „Es ist mein persönlicher Glückstag.“

Für andere ist der letzte Oktober-Sonntag kein glücklicher Termin, zum Beispiel für Linken-Fraktionschefin Janine Wissler. Sie wollte am Frankfurt-Marathon teilnehmen. Nun muss die sportliche 36-Jährige verzichten – oder so hart trainieren, dass sie nach dem langen Lauf rechtzeitig am Wahllokal und in den Parteigremien auftauchen kann.

Aus den Herbstferien, die zwei Wochen vor der Wahl enden, dürfte für die Landespolitiker nichts werden. Der ehemalige Justizminister Jörg-Uwe Hahn von der FDP, der es auch nach 31 Jahren im Landtag noch einmal wissen will, fährt gerne nach Mallorca. Ob er nicht auch da um Stimmen werben könne, scherzte er im Gespräch mit Fraktionschef René Rock und warb augenzwinkernd für Urlaubs-Wahlkampf: Vielleicht seien zu der Zeit mehr Hessen auf Malle als zu Hause.

Ein bisschen Feiertag herrscht am 28. Oktober im Hause von CDU-Pressesprecher Christoph Weirich. Er ist mit einer Griechin verheiratet, und Griechenland feiert an diesem Datum seinen Nationalfeiertag. Er heißt Oxi-Tag, zu Deutsch: Nein-Tag, im Gedenken an die Weigerung Griechenlands, sich Italien im Jahr 1940 während des Zweiten Weltkriegs zu unterwerfen. Aber wer sagt in Hessen Nein? Und zu wem?

Die FDP zum Beispiel fragt sich, ob sie im Fall des Falles eher Ja sagen würde zu einem CDU-Ministerpräsidenten Volker Bouffier oder zu einem SPD-Ministerpräsidenten Schäfer-Gümbel. Ist ja denkbar, dass Dreierbündnisse in beiden Varianten möglich sind. Man halte sich das offen, sagte Rock beim Neujahrsempfang der FDP im Wiesbadener Kurhaus, wo rund 1200 Menschen gekommen waren, um Selfies mit Gastredner Wolfgang Kubicki zu machen (lange Schlange!), kostenloses Bier oder bezahlten Wein zu trinken. Entscheidend sei, wer mehr politische Wünsche der FDP berücksichtige, sagte Rock.

Aber persönliches Vertrauen ist auch nicht ganz unwichtig. Da ist Bouffier dem neuen FDP-Fraktionschef ein wichtiges Stück entgegengekommen. Er lud Rock zu einem ausgiebigen Essen ins Gästehaus der Landesregierung in Wiesbaden ein – und ließ ihn sogar zu Wort kommen, wie der FDP-Mann zufrieden berichtete.

Man könnte das für selbstverständlich halten, aber vor einigen Monaten hatte sich Rock beklagt, Bouffier rede lieber selbst als anderen zuzuhören. Er gehe daher lieber mit Herausforderer Schäfer-Gümbel Kaffee trinken als mit dem Amtsinhaber. Das wollte der Ministerpräsident gerne ausräumen.

FDP-Gastredner Wolfgang Kubicki, der in Schleswig-Holstein eine Jamaika-Koalition mit CDU und Grünen gezimmert hat, empfahl den hessischen Freunden keine bestimmte Koalition, sondern„Eigenständigkeit“. Eine Spitze gegen Bouffier, mit dem er bei den Jamaika-Sondierungen in Berlin zusammengesessen hatte, konnte sich Kubicki nicht verkneifen. Bouffier sei ja „ein nettes Kerlchen“, urteilte Kubicki, „aber nicht durchsetzungsstark gegenüber der Kanzlerin“.

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