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Die Vereinigung von Vonovia und Deutsche Wohnen trifft auch den hessischen Wohnungsmarkt.
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Die Vereinigung von Vonovia und Deutsche Wohnen trifft auch den hessischen Wohnungsmarkt.

Hessen

Vonovia und Deutsche Wohnen: Folgenreiche Fusion für Hessen

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Die Vereinigung von Vonovia und Deutsche Wohnen trifft auch den hessischen Wohnungsmarkt. Mieterschutzvereine fürchten einen verdeckten Druck auf die Mieten.

Die deutsche Immobilienbranche könnte vor der größten Fusion seit langem stehen. Mit der angekündigten Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen dürfte aus der Vonovia-Gruppe das größte Immobilienunternehmen Europas werden. Welche Folgen sind für den hessischen Wohnungsmarkt zu erwarten?

Laut beiden Unternehmen hat eine Fusion keine Auswirkungen auf die Mietverträge in Frankfurt. Nach Angaben der Vonovia profitieren die Mieter:innen durch den Zusammenschluss sogar von verbesserten Sanierungen und dem Neubau bezahlbarer Wohnungen, hieß es auf Anfrage. Die Vonovia besitzt rund 11 500 Wohnungen im Stadtgebiet, die Deutsche Wohnen nach eigenen Angaben etwa 4900.

Dass diese Ankündigung mit Vorsicht zu genießen sei, gibt Rolf Janßen zu bedenken. Der Geschäftsführer des Frankfurter Mieterschutzvereins kritisiert, mit einer Fusion könnten für die Mieter:innen undurchschaubare Strukturen entstehen und ihre Belange weiter in den Hintergrund geraten. „Schließlich wird sich das fusionierte Unternehmen auch weiterhin an der Rendite orientieren.“ Mieter:innen müssten jetzt die Betriebskostenabrechnung im Auge behalten, denn darin mache sich eine Erhöhung nicht so schnell bemerkbar. In 90 Prozent der Anfragen von Vonovia-Mieter:innen habe der Verein Erläuterungsbedarf gesehen.

„Wenn Mieterinnen und Mieter mit 100 Seiten Belegen zur Treppenhausreinigung förmlich zugeschüttet werden, bleiben Kostenerhöhungen unentdeckt“, sagt der Mietexperte.

Auch Conny Petzold vom Frankfurter Verein Mieter helfen Mietern befürchtet einen Kostenanstieg. „Durch die Refinanzierung des Kaufpreises von 18 Milliarden Euro wächst der Druck auf die Mieten.“ Die proaktiven Zugeständnisse der Immobilienfirmen änderten daran nichts. In Berlin hatten Vonovia und Deutsche Wohnen angekündigt, die Mieten in den nächsten drei Jahren jährlich um maximal ein Prozent zu erhöhen.

„Die Mietsteigerung betrifft den Gesamtbestand, also den durchschnittlichen Preis der Wohnungen. Das bedeutet, dass meine Wohnung im Einzelfall trotzdem um mehr als ein Prozent teurer werden kann“, sagt Petzold.

Zudem entspreche das aktuelle Entgegenkommen der Konzerne den Regelungen, die die Vonovia bereits im März mit der Stadt Frankfurt vereinbart hatte. Der Beschluss habe weiterhin Gültigkeit, wie die Vonovia mitteilt. Petzold spricht von öffentlichkeitswirksamer Darstellung, Mark Gellert aus dem Planungsdezernat von besonderen Zusagen, die es bisher mit keiner anderen Stadt gegeben habe. „Die Vereinbarungen gehen über die gesetzlichen Regelungen hinaus. Das müssen wir hervorheben“, sagt Gellert.

Die Stadt Wiesbaden hingegen möchte die Fusion nutzen, um mit der Vonovia über den Kauf von 2500 Wohnungen in den Stadtteilen Biebrich, Stadtmitte, Kohlheck, Rheingauviertel und Delkenheim zu verhandeln. „Wir werden diesbezüglich Kontakt zur Unternehmensführung aufnehmen“, kündigte Wohnungsdezernent Christoph Manjura (SPD) am Mittwoch an, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der städtischen Wohnungsgesellschaften GWW und Gewege ist. „Was für die Mieterinnen und Mieter in Berlin gilt, muss auch in Wiesbaden möglich sein“, fordert Manjura.

Die beiden Unternehmen möchten dem Berliner Senat rund 20 000 Wohnungen zum Kauf anbieten. Bereits 2009 hatte Wiesbaden mit der GWW 2800 Wohnungen in den Stadtteilen Amöneburg, Kastel und Kostheim der Wohnbau Mainz abgekauft, als diese in finanziellen Schwierigkeiten war.

Die SPD-Fraktion unterstützt die Kaufpläne. „Das wäre eine gute Möglichkeit, als öffentliche Hand Zugriff auf Wohnungsbestände von erheblicher Bedeutung zu bekommen und damit auch auf die Gestaltungsmöglichkeiten bei der Miethöhe“, sagt die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Nadine Ruf. Da die städtischen Wohnungsbaugesellschaften nicht den Renditeerwartungen börsennotierter Wohnungskonzerne unterlägen, könne die Stadt das Angebot sozialverträglicher gestalten.

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