Eberhard Dersch, der Vorsitzende des „Polizei-Motorsport-Club Marburg 1990 e.V.“, zeigt im „1. Deutschen Polizeioldtimer Museum“ in Marburg einen BMW aus dem Jahr 1962, der dem Polizeipräsidium München früher als Streifenwagen diente.
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Eberhard Dersch, der Vorsitzende des „Polizei-Motorsport-Club Marburg 1990 e.V.“, zeigt im „1. Deutschen Polizeioldtimer Museum“ in Marburg einen BMW aus dem Jahr 1962, der dem Polizeipräsidium München früher als Streifenwagen diente.

Museum

Von Tannengrün bis Silber-Blau

Mehr als 100 Fahrzeuge stehen in der Einrichtung bei Marburg, die Einblicke in die Technik-, Polizei- und Zeitgeschichte ermöglicht. Und etwas Kinogeschichte gehört auch dazu.

Der Oldtimer in Tannengrün und mit Blaulicht auf dem Dach braucht drei Anläufe, doch dann springt der historische Streifenwagen an. Eberhard Dersch, Polizeihauptkommissar a. D., fährt den 60er-Jahre-Mercedes langsam aus einer der Hallen des „1. Deutschen Polizeioldtimer Museums“ in Marburg. Nach einer kleinen Runde geht es wieder hinein zu den anderen grün-weißen Oldies, die es so nur hier zu sehen gibt.

Mit Begeisterung führt Dersch durch die Parade der Polizeiautos und erzählt die Geschichte hinter einzelnen Modellen. Etwa die über den Opel Rekord P1 von 1958, ohne den es das ehrenamtlich betriebene Museum nicht geben würde. Denn Polizisten hatten den dahinter stehenden Verein - den „Polizei-Motorsport-Club Marburg“ - 1990 gegründet, um akrobatische Auftritte mit Motorrädern vorzuführen. Doch ein Jahr später habe man den Opel, selber Jahrgang wie Vereinsvorsitzender Dersch, entdeckt. „Wir hatten dann die Idee: Den bauen wir als Polizeiauto aus, wie es früher einmal war. Das kam so gut an, dass nach und nach mehr Autos hinzukamen.“

Das Museum wurde schließlich im Jahr 2000 gegründet. Es gehe auch darum, etwas für das Ansehen der Polizei zu tun, sagt Dersch, der bis zu seiner Pensionierung vor etwas über einem Jahr beim Polizeipräsidium Mittelhessen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit tätig war. Durch die Fahrzeuge sollen die Besucher zudem einen Einblick in die „vielseitige, interessante und nicht selten schwierige Arbeit der Polizei“ bekommen. Und es gehe auch ein wenig um Nachwuchswerbung.

Mittlerweile stehen in den Hallen mehr als 100 Fahrzeuge. Es sind Zeugen der Technik-, Polizei- und Zeitgeschichte. Manche von ihnen waren bei großen, republikbewegenden Einsätzen dabei, etwa bei den Startbahn West-Protesten am Frankfurter Flughafen. Im Fuhrpark finden sich Streifenwagen ebenso wie Mannschaftsbusse, eine mobile Einsatzzentrale mit alten Fernschreibern, Motorräder, sogar ein Amphibienfahrzeug sowie Wasserwerfer. Die ältesten Fahrzeuge stammen von Anfang der 1950er Jahre, die jüngsten aus den Nullerjahren und kommen bereits in silber-blauer Lackierung daher.

Mehrere alte Streifenwagen stehen im „1. Deutschen Polizeioldtimer Museum“, das der von Polizisten gegründete „Polizei-Motorsport-Club Marburg 1990 e.V.“ ehrenamtlich in Marburg betreibt.

Nicht alle sind originale, einst von Beamten genutzte Fahrzeuge. Der Verein hat auch „normale“ Oldtimer detailgetreu zu Polizeiwagen umgebaut. Dafür nutze man historische Fotos, Filme - oder Erzählungen von Beamten, erklärt Klaus Karwatzki, einer der Kfz-Meister im Ruhestand, die an den Autos mit Hand anlegen. „Diese kennen die Wagen teilweise noch aus der Zeit, als sie sie selbst gefahren sind.“ Die Restaurierung der Fahrzeuge sei langwierig und dauere mitunter Jahre - auch, weil es eine rein ehrenamtliche Arbeit sei, für die man sich nebenher engagiere.

Der Opel Rekord, mit dem alles begann, ist solch ein zum Polizeiauto umfunktioniertes Fahrzeug. Aber: Das Modell habe die Polizei früher häufig gefahren, informiert ein Schild vor dem Museumsstück. „So war er als Streifenwagen der Autobahnpolizei und in größeren Städten wie Frankfurt am Main oder Nürnberg eingesetzt.“

Zu den Original-Prachtstücken gehört neben dem Mercedes aus dem Jahr 1963, den die hessische Polizei genutzt hatte, ein BMW von 1962. Dieser diente dem Polizeipräsidium München einst als Streifenwagen. Für die Restaurierung des Wagens erhielt der Verein einen Preis, wie Vorsitzender Dersch freudestrahlend erzählt.

Die Oldtimer des Museums sind nicht nur Ausstellungsstücke, sondern einige von ihnen auch gefragte Statisten bei Kinofilmen. Unter anderem rollten sie beim „Baader-Meinhof Komplex“ durchs Bild oder waren bei „Werner - Eiskalt!“ zu sehen, wie der Verein auflistet.

Besucher können sich die Oldtimer in pandemiefreien Zeiten von April bis Oktober einmal im Monat ansehen. Der Verein stellt seine Fahrzeuge immer wieder auch bei Veranstaltungen aus oder lädt die Öffentlichkeit zu Festen ein. „Da kommen viele Eltern mit Kindern und die sagen: So etwas ist einmalig“, sagt Dersch. Das mache einen schon stolz und bestätige einen in seiner ehrenamtlichen Arbeit. Wegen der Corona-Krise ist das Museum derzeit geschlossen, auch Veranstaltungen fallen aus. Das mache schon Sorgen, denn man sei auf Spenden angewiesen. Doch der Verein will die Auszeit auch nutzen, plant eine neue Halle auszubauen - und natürlich wird an neuen Oldtimern gewerkelt. (dpa)

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