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Über Fortnite kennengelernt: Mann sucht Minderjährige in der Schule auf

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Ein 28-Jähriger sucht über das Spiel Fortnite Kontakt zu einer Zwölfjährigen aus dem Wetteraukreis in Hessen. (Symbolbild) © Red

Über das Spiel Fortnite kontaktiert ein Mann eine Zwölfjährige aus dem Wetteraukreis – und stellt ihr nach. Das Geschehen erinnert an den Fall Ayleen.

Wetteraukreis – Die Tötung der 14-jährigen Ayleen sorgte im August für Entsetzen in ganz Deutschland. Das Mädchen, dessen Leiche im Teufelsee bei Weckesheim gefunden worden war, hatte seinen mutmaßlichen Mörder über das Computerspiel „Fortnite“ kennengelernt. Ein vorbestrafter 29-Jähriger aus der Nähe von Wetzlar, der die Tat gestanden hat, hatte im Chat offenbar gezielt ein Vertrauensverhältnis zu der 14-Jährigen aufgebaut.

Der Fall, von dem der Vater einer Zwölfjährigen aus dem östlichen Wetteraukreis dieser Zeitung jetzt berichtet, zeigt gewisse Parallelen. Durch das umsichtige und konsequente Handeln von Eltern, Schule und Polizei konnte eine mögliche Straftat verhindert werden. Seit einem Jahr spiele seine Tochter „Fortnite“, schildert der Vater. Erst war das Mädchen noch zu jung für das ab zwölf Jahren freigegebene Spiel. „Das hat mir gar nicht gepasst“, sagt der Vater. Aber seine Tochter habe die Spielkonsole von der Mutter geschenkt bekommen. Und bevor sie heimlich spiele, habe er es geduldet.

Mann kontaktiert Minderjährige über Fortnite: „Schade, dass du nicht 24 bist“

Ein wichtiges Element von „Fortnite“ ist der Austausch mit anderen Spielern. „Die Erwachsenen werden mit den Kindern in eine Gruppe gesteckt“, kritisiert der Vater. In einer solchen Gruppe habe seine Tochter auch einen 28-jährigen Mann aus dem östlichen Wetteraukreis kennengelernt. Ein Onkel mütterlicherseits habe diesen in die Gruppe des Mädchens eingeladen, erläutert der Vater. „Ich habe mir dann auch mal das Headset geschnappt und mit ihm gesprochen“, erklärt er. „Da machte er einen normalen Eindruck.“ Äußerungen des 28-Jährigen, die der Vater erst jetzt erfahren hat, lassen jedoch vermuten, dass dessen Interesse nicht nur dem gemeinsamen Spielen galt.

„Er hat gesagt: Schade, dass du nicht 24 bist“, gibt er unangemessene Äußerungen des Mannes im Chat gegenüber dem zwölf Jahre alten Mädchen wieder. Am 7. Oktober betrat der 28-Jährige vormittags die Gesamtschule Konradsdorf, wie die Pressestelle der Wetterauer Polizei auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte. Im Sekretariat stellte er sich als Cousin der Zwölfjährigen vor und bat darum, sie ausrufen zu lassen. Dass er mit diesem Versuch, sie im realen Leben zu treffen, nicht erfolgreich war, liegt nicht nur daran, dass die Schülerin an diesem Tag mit ihrer Klasse auf einem Ausflug war.

Das Computerspiel „Fortnite“ kam 2017 auf den Markt. Innerhalb von wenigen Monaten gelangte das von Epic Games entwickelte Spiel zu enormer Popularität. Mit mehr als 200 Millionen Spielern bereits im November 2018 ist „Fortnite“ das Spiel mit den meisten Online-Spielern.

Bei Jugendlichen unter 18 Jahren sei es das beliebteste Spiel, schreibt Wikipedia. Wegen der Möglichkeit von Käufen im Spiel und leichter Gewaltdarstellung ist das Spiel von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), die auch den Jugendschutzbeauftragten für das Spiel stellt, ab zwölf Jahren freigegeben. Wegen des Belohnungs- und Levelsystems von „Fortnite“ wird auch die Suchtgefahr diskutiert. Wohl wenig bedacht worden seien bei der Freigabe die Gefahren, die durch Chatkontakte entstehen können.

Natalie Munoz von der Pressestelle von Epic Games USA betont, dass Spieler unter 18 Jahren die Chatfunktion aktiv freischalten müssten. Auch könnten fremde Spieler nur über eine Einladung in deren Gruppe aufgenommen werden. Eltern könnten die Freigabe des Spiels beschränken. sax

Über Fortnite kennengelernt: 28-Jähriger stellt 12-jährigem Mädchen nach

„So etwas machen wir prinzipiell nicht“, betont Schulleiterin Birgit Bingel. In der Gesamtschule sei man sehr aufmerksam, wenn Fremde das Gebäude betreten. Nachdem der 28-Jährige das Gebäude verlassen habe, sei er noch vom Hausmeister beobachtet worden. Dadurch konnte er der Polizei, die gegen 11 Uhr an der Schule eintraf, Hinweise geben, wo der verdächtige Mann zu finden sei. Der 28-Jährige sei wegen anderer Vorfälle bei der Polizei bekannt, erklärt Pressesprecherin Corinna Weisbrod. Darunter seien aber keine einschlägigen Delikte.

Wegen des Kontaktversuchs hätten die Beamten eine „Gefährderansprache“ gehalten. Jedoch habe man dem Mann keine Straftat vorwerfen und ihn deshalb auch nicht festnehmen können. Der Vater lobt die schnelle Reaktion von Schule und Polizei. „Sie haben meiner Tochter gesagt, dass sie aufpassen müsse. Durch das Internet hätten solche Leute sehr leichten Zugriff“, gibt er die Warnung wieder. Die Schule habe dem Mann Hausverbot erteilt. Damit wäre ein weiterer Kontaktversuch auf dem Schulgelände Hausfriedensbruch.

„Ich will meine Tochter beschützen und weiß nicht einmal, vor wem“, beklagt der Vater, dass er keine Informationen über den 28-Jährigen bekomme. Der Vorfall habe das Internetverhalten seiner Tochter verändert. „Sie spielt weiter ‚Fortnite‘, aber nur, wenn ich dabei bin“, sagt der Vater. Sie kommuniziere nicht mehr mit dem Headset. Und sie schreibe keine Nachrichten mehr. „Wir haben ihre Kontakte aufgeräumt.“ Durch das Internet seien die Kinder zu unsensibel. „Die wissen gar nicht mehr, was Freunde sind.“

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