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Ein hohes Arbeitspensum – und trotzdem kann Bürgermeister Jan Werner (CDU) noch lachen.

Langen

„Von Corona lasse ich mich nicht entmutigen“

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Langens neuer Bürgermeister Jan Werner (CDU) spricht über seinen schwierigen Start ins Amt in Pandemiezeiten.

Langens Bürgermeister Jan Werner ist nun 100 Tage im Amt. Im FR-Interview spricht er über seinen schwierigen Start als Stadtoberhaupt mitten in der Corona-Zeit.

Wird denn heute ein Sekt aufgemacht?

Nein, weil man im Rathaus grundsätzlich keinen Alkohol trinken darf.

Wie empfanden Sie die Zeit seit Ihrem Amtsantritt am 1. Juli?

Es war bisher eine sehr spannende und ereignisreiche Zeit. Jeden Tag gibt es neue Herausforderungen. Corona und seine Folgen konnte leider niemand so voraussehen. Wenn ja, sollte er dringend Lotto spielen.

Sie kamen unter Corona-Bedingungen ins Bürgermeisteramt. Wie sehr hat Sie Covid-19 begleitet oder beeinträchtigt?

Nicht nur mich, sondern alle Bürger und Bürgerinnen hat Corona sehr beeinträchtigt. Vor allem auf den städtischen Haushalt hat Corona große Auswirkungen, da wir nun vor der Frage stehen, entweder die Gebühren und die Grundsteuer dauerhaft zu erhöhen oder Einrichtungen zu schließen. Einen sozialen Kahlschlag will ich auf alle Fälle vermeiden.

Fühlen Sie sich eher als Corona-Verwalter denn als Stadtoberhaupt?

Nein. Ich bin ein Bürgermeister für alle. Von Corona lasse ich mich nicht entmutigen. Jetzt erst recht.

Zur Person

Jan Werner, 43, ist seit 1945 der erste CDU-Bürgermeister, der Langen regiert. Alle Vorgänger waren SPD-Mitglied. Er trat am 1. Juli sein Amt an.

Der Wirtschaftsprofessor war vorher an der CBS International Business School in Köln beschäftigt.

Mit seinem Amtsantritt hat er eine schwere Last übernommen: Aktuell fehlen in Langen rund 500 Betreuungsplätze für Kinder. ann

Die Auswirkungen von Corona auf die kommunalen Finanzen sind gravierend. Stehen Pläne oder Projekte auf der Kippe?

Nein. Ich habe aber einen Nachtrags-Haushalt, in dem in diesem Jahr sechs Millionen Euro fehlen. Und der Entwurf für 2021 weist derzeit ein Minus von über vier Millionen Euro aus. Da ist noch kein Euro drin für die so dringend benötigten Kita-Neubauten.

Können Sie angesichts der Probleme noch ruhig schlafen?

Ja, ich habe meine liebe Frau neben mir liegen.

War der Job bei Ihrem alten Arbeitgeber nicht einfacher ?

Nein. Ich habe mir ja dieses Amt gewünscht, sonst wäre ich nicht dreimal zur Wahl angetreten. Ich wusste, was mich erwartet. Ich freue mich, jeden Tag zusammen mit meiner motivierten Verwaltung gestalten zu dürfen.

Inwiefern hat Corona bisher Ihren Tagesablauf bestimmt?

Es gilt, die Verwaltung in der Pandemie am Laufen zu halten. Jede Woche trifft sich der Corona-Krisenstab, um schnellstmöglich auf aktuelle Entwicklungen reagieren zu können und Entscheidungen zu treffen. So haben wir den Kita-Regelbetrieb wiederaufnehmen können und das Schwimmen in Zeiten von Corona ermöglicht. Natürlich erschwert es die ganz normale Arbeit, das Kennenlernen und Treffen mit Bürgern, Vertretern aus der Wirtschaft sowie Vereinen und Institutionen.

Wie viele Arbeitsstunden hat Ihr Tag?

Morgens nehme ich mir immer Zeit für die Familie und versuche somit um 9 Uhr im Rathaus zu sein. Ich absolviere im Moment eine 65- bis 70-Stunden-Woche. Auch wenn ich früher im Ausland tätig war, hatte ich 14-Stunden-Tage – aber eben nur tageweise. Die Arbeit im Rathaus macht wirklich Spaß, alle zwei Stunden beschäftigt mich ein anderes Thema. Trotzdem werde ich etwas mehr auf meine Familie und meine Gesundheit schauen müssen.

Sie konnten trotz kurzer Amtszeit schon einiges anstoßen. Was macht Sie dabei besonders stolz?

Besonders stolz macht mich, dass ich den Stadtverordneten zwei neue Projekte zur Kinderbetreuung vorlegen kann: die Musik-Kita im Kulturhaus Altes Amtsgericht und die Sport-Kita beim TV Langen im Sportpark Oberlinden. Die Projekte werde ich demnächst in die Haushaltsberatungen einbringen. Dazu müssen wir dann die Finanzierungen klarmachen.

Inwiefern hilft Ihnen dabei das Parteibuch?

Gar nicht. Es würde mir nur helfen, wenn eine Partei, die mir nahesteht, die absolute Mehrheit hätte. In Langen gibt es aber schon lange wechselnde Mehrheiten, hier wird nicht nach Parteilinie, sondern sachorientiert entschieden.

Welches Projekt ist Ihnen persönlich wichtig?

Einerseits der Ausbau der Kitas, andererseits die nachhaltige Entwicklung Langens. Nachhaltig entwickeln heißt, dass man alle Verkehrsträger gleichermaßen fördert. Wir haben 250 000 Euro bereitgestellt, damit der Kreis in unserem Auftrag die Detailplanung für die Verlängerung der RTW-Strecke nach Langen beauftragen kann. Aus dem Ministerium habe ich die Zusage, dass der Ausbau der B 486 im Bundesverkehrswegeplan 2030 in höchster Dringlichkeitsstufe geführt wird. Bei der Raddirektverbindung Frankfurt-Darmstadt wird hier in Langen auf der Westseite der Bahn eine weitere Trasse geplant.

Interview: Annette Schlegl

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