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Vom Traditionshotel zum Wohnen auf Zeit

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Frankfurter Maklerin renoviert „Darmstädter Hof“

BAD HOMBURG - Die Maler sind zugange im ehemaligen „Darmstädter Hof“. Seit Sommer steht die Herberge mit den altmodischen Butzenglasfenstern leer. Doch allmählich mausert sich der Schulberg: Das Sadtler-Haus wurde zu einem Schmuckstück, an der früheren Engel-Apotheke wird seit Längerem gearbeitet, und sogar die Dauer-Ruine Louisenstraße 5 - ältestes Haus Homburgs - wird laut Stadt bald saniert.

Der „Darmstädter Hof“, Homburgs älteste Gaststätte, soll ebenfalls ein neues Gesicht bekommen. Derzeit werden das Vorderhaus sowie zwei im Hinterhof gelegene Gebäudeteile innen renoviert. Die Familie Bender, die das Hotel betrieben hatte, hat das Ensemble an die Frankfurter Immobilienmaklerin Lydia Ishikawa veräußert. Diese lässt gemeinsam mit ihrem Sohn Daniel die Räume zu Appartements ausbauen.

Insgesamt entstehen 16 Wohnungen, die sie an Kurzzeitgäste vermieten. „Dafür gibt es eine große Nachfrage“, erläutert Lydia Ishikawa. Viele Suchende fänden nichts Bezahlbares in der Region. Andere suchten gezielt eine temporäre Bleibe - Accadis-Studierende etwa oder Firmenbeschäftigte, die nur eine gewisse Zeit bleiben, im Durchschnitt ein Jahr. Einige Wohnungen sind bereits vermietet, in anderen pinseln noch die Maler. Im Dachgeschoss, wo vorher auch die Benders wohnten, hat sich gerade eine junge Frau zwischen freigelegten alten Dachbalken und Möbeln im Ikea-Stil eingerichtet.

Die Appartements werden möbliert vermietet. Was erstmal nach Omas altem Sofa klingt, ist eine neue Geschäftsidee von Daniel Ishikawa, mit der sich der gelernte Investment-Banker selbstständig gemacht hat. Er kauft Möbel neu, vermietet sie monateweise und bereitet sie wieder auf. Das komme bei „Millenials“ gut an; ebenso bei Leuten, die flexibel wohnen wollen.

Mutter und Sohn haben sich dagegen entschieden, große Luxuswohnungen zu schaffen. Auch das Schwimmbad, das in einem der hinteren Anbauten liegt, wollten sie in Wohnraum umwandeln. „Aber die Stadt wollte, dass die Einheit gewerblich genutzt wird“, so die Maklerin. Nun wird sie dort Büroraum vermieten - an eine Schwimmschule aus der Region.

VERMUTLICH ÄLTESTER GASTHOF DER KURSTADT

Das Gebäude hat eine lange (Gasthaus-)Geschichte. Es hieß früher „Zum goldenen Engel“ - der Name könnte mit der nahen „Engel-Apotheke“ zusammenhängen, der 1684 privilegierten und damit ältesten Apotheke im Umkreis. Für das Gasthaus wurde 1687 der Grundstein gelegt. Damit war es vermutlich der älteste Gasthof der Kurstadt.

Der „Goldene Engel“ war damals der dem Marktplatz am nächsten gelegene Gasthof. Auch Besucher des Hofes stiegen dort ab. 1761 kaufte ihn ein fürstlicher Mundkoch. 1857 etablierte ein Wirt namens Ochs ein „israelitisches Gasthaus“ - von da an hieß es „Darmstädter Hof“. 1949 war Wilhelm Bender der Betreiber; außer seinem Restaurant hatte er nun dort seine Metzgerei. Die Innenräume waren laut Taunusbote zunächst nur für den Karnevalbetrieb hergerichtet worden. „Die Hausfront wird so hergerichtet, dass sie im Stadtbild allen Anforderungen nach dem Aussehen eines neuzeitlichen Hauses gerecht wird“, heißt es in der Ausgabe von 1950 der damaligen Lokalzeitung.

Das Haus wurde mehrmals umgebaut und stetig erweitert; aus den einstigen Stallungen im Hof entstanden Anbauten; auch ein griechischer Pächter war mal drin. 1969 wurde erneut renoviert und die Familie Bender übernahm die Bewirtschaftung. Erwin Bender, seine Frau und Sohn Robert Bender wohnten bis vor Kurzem im Haus. ahi

15 Jahre in Japan gelebt

Lydia Ishikawa kam eher aus Langeweile zum Maklerberuf. Über ihren Job bei einer japanischen Fluglinie lernte sie ihren Mann kennen und wanderte nach Japan aus. Dort kamen Daniel und seine Schwester Karen, die das Maklerunternehmen einmal übernehmen wird, zur Welt. 1991, nach 15 Jahren, kamen die Ishikawas nach Deutschland zurück. „Wenn man aus Tokio kommt, kommt einem Frankfurt langweilig vor“, sagt die Mutter.

Zunächst übersetzte sie für japanische Firmen und machte sich dann selbstständig mit dem, was sie schon in Japan tat: Wohnungen kaufen, sanieren und weiterverkaufen. „Ich sehe ein Haus und weiß, was man daraus machen kann“, erklärt sie. In den „Darmstädter Hof“ habe sie sich „gleich verliebt“. So dass sie plane, mit ihrem Zehn-Frauen-Büro vom Frankfurter Westend nach Bad Homburg umzuziehen. „Die Lage ist herrlich. Geht man hinten raus, ist man sogleich auf dem Weihnachtsmarkt!“, schwärmt sie.

In der ehemaligen Gaststube will sie ihr Büro einrichten - der Raum mit den weißen Kacheln an den Wänden verströmt noch ein wenig den Flair der 1970er Jahre. Die Außenfassade will die Maklerin so wiederherstellen lassen, wie sie ganz früher war. So sollen womöglich auch die Butzenglasfenster verschwinden. Im neuen Jahr wird auch das Ladengeschäft, in dem es jetzt Wohnaccessoires gibt, neu vermietet.

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