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Besucher bei der „Nacht der Musterhäuser“ konnten am Freitag bis 22 Uhr rund 70 Immobilien besichtigen.

Wohnen

In fremden Heimen in Bad Vilbel

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Die „Nacht der Musterhäuser“ lockt Hunderte Besucher nach Bad Vilbel. 

Zur nächtlichen Stunde ohne Klingeln fremde Haustüren aufstoßen, um sich im Wohnzimmer, Küche oder im Stockwerk darüber umzusehen, das war zumindest am Freitag in der Siedlung gegen über dem Heilsberg an der B521 ausdrücklich erwünscht. Fackeln beleuchteten zusätzlich zu den Laternen einladend die Wege, auf denen manch einer mit dem Lageplan in der Hand seinem Ziel entgegen ging.

Es war die „Nacht der Musterhäuser“. Die um vier Stunden verlängerte Öffnungszeit nutzten 600 bis 700 Besucher, so Geschäftsführer Andreas Speer. „Von einem sehr schönen Format“ die Musterimmobilien zur präsentieren, spricht Speer. Bei Dunkelheit, winterlicher Stimmung mit Schnee und mit beleuchtenen Fenster, die Blick in die wohnlich eingerichteten Zimmer.

Für ein junges Paar aus Gießen war es jedoch weniger der emotionale Moment. Der Abend bot die Möglichkeit, nach den „vielen anderen Dingen im Alltag sich in Ruhe umzuschauen“. Das Grundstück sei bereits vorhanden. Die Kosten für das Eigenheim sollen im Rahmen bleiben, denn auch in Gießen sei der Baugrund teuer. „Universitätsstadt“, erklärt der Mann. Einen bestimmten Haustyp favorisieren die beiden noch nicht. „Wir wollen erst einmal Ideen sammeln“, heißt es.

Das Haus von der Stange ist im Vergleich zum individuell gebauten Haus nicht billiger, aber günstiger, sagt Speer. Einsteigerhäuser von Anbietern auf dem Gelände gibt es schlüsselfertig ab 300 000 Euro, ohne Keller und bauvorbereitenden Bodenarbeiten. Wer Stammkunde bei Baumärkten werden will, kann sich einen Rohbau schon für 90 000 Euro hinstellen lassen und selbst ausbauen. „Installationen für Wasser und Strom oder Gas müssen jedoch von einem Handwerkermeister ausgeführt werden“, sagt Geschäftsführer Speer.

Viel Geld sparen mit dem Fertighaus, das sei heute schon wegen der hohen Auflagen zur Energieeffizienz nicht möglich, sagt Hellwig Herber. Der Mann arbeitet für Bien Zenker in Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis). „Wir stellen rund 1000 Häuser im Jahr her“, sagt er. Die Gebäude bestehen aus Massivholzwände. „Das sind keine Pappdeckelhäuser mehr“, sagt Herber. „An allen Wänden können mittlerweile schwere Lasten gehängt werden, ohne dass die Dübel herausreißen. Das war früher nur bei einzelnen Wänden gegeben.“

Die Kundenansprüche haben sich nicht nur hinsichtlich der Tragkraft von Wänden geändert. Energiesparendes Heizen, Lüften mit pollenfreier Luft und Kühlen, letzteres ohne Klimaanlage, zählen heute zu den Forderungen wie ein beheizter Boden im Badezimmer oder Elternschlafzimmer mit Umkleide und Dusche, heißt es. Die Bauherren in spe denken an das Alter. „Unser Häuser sind barrierefrei, die Türbreite ist rollator- und rollstuhlgerecht ausgelegt“, sagt Herber.

Das Fertighaus hat in den vergangenen Jahren in Hessen an Beliebtheit zulegt, sagt Speer. Der Marktanteil liege bei 28 Prozent. „Technisch ist diese Form des Hausbaus sehr weit gekommen.“ Das Haus von der Stange lasse zudem je nach Hersteller Änderungen etwa im Grundriss zu. Der Entwurf aus dem Computer mache dies möglich. Dafür erspare sich der heutige Kunde das Swimmingpool, so Speer

Auf einen individuellen Zuschnitt war auch das ältere Ehepaar aus Bad Homburg aus. „Wir haben vor zehn Jahren in der Musterhaussiedlung unser Haus gesehen und gekauft, damals ganz modern mit Wärmepumpe“, sagt die Frau. Die Änderung der Dachform entsprechend dem Bebauungsplan für das Quartier sei kein Problem gewesen. Am Freitagabend sind sie auch gekommen, um sich ihr Musterhaus wieder anzusehen.

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