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Schauspielerin Anette Daugardt als Königin Elizabeth I.

Kultur

Burgfestspiele in Bad Vilbel: Fertigmachen für Shakespeare

In der aktuellen Inszenierung der Burgfestspiele in Bad Vilbel gibt das Ensemble das England des 16. Jahrhunderts zum Besten. Ein Blick hinter die Kulissen verrät, wie die Verwandlung gelingt, ehe sich der Vorhang öffnet.

Eine Königin muss wie eine Königin aussehen, ein opulent mit Brokatstoff besetztes, bodenlanges Kleid tragen und auf dem Kopf eine rotblonde Haarpracht tragen, wie sie einst wohl Elisabeth I. hatte. Das Bühnenbild dagegen besteht aus Anspielungen, Abstraktionen und Zitaten historischer Elemente.

FR-Leser erfahren am 23. Juli in einer Führung vor der Aufführung von „Shakespeare in Love“, welche Ideen Bühnenbildnerin Pascale Arndtz, Kostümbildnerin Marion Hauer und Maskenbilder Petra Schwung (Leitung Maske) in die Inszenierung steckten, die derzeit bei den Burgfestspielen in Bad Vilbel zu sehen ist. Außerdem erfahren die FR-Leser, wie das Theaterspiel auf die typischen Eigenschaften eines Freilichttheaters zugeschnitten wurde.

Das Stück von Marc Norman und Tom Stoppard macht das Theater des 16. Jahrhunderts selbst zum Thema. Die Schauspieler müssen mal als „reale“ Figuren agieren, mal Schauspieler mimen. Die Herausforderung besteht in der Frage, wie sich diese beiden Spielebenen bühnentechnisch verwirklichen lassen – auf einer Bühne mit im Vergleich zu einem Theaterhaus sehr begrenzten technischen Möglichkeiten?

Die Sache mit dem Vorhang

Mit etwas Glück sind Sie einer der 2 x 20 Gewinner, die mit der Dramaturgin Ruth Schröfel vor der Vorstellung der Eigeninszenierung „Shakespeare in Love“ am 23. Juli, 19 Uhr, einen Blick hinter die Kulissen der Burgfestspiele in Bad Vilbel erhalten. Wenn Sie dabei sein möchten, registrieren Sie sich bis 12.Juli, 10 Uhr, unter https://fr.de/gewinnspiel unter dem Losungswort, das Sie in der FR-Printausgabe vom 8. Juli finden. Nur die Gewinner werden benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.  

„Mit einem Vorhang auf und zu, wie zunächst vorgestellt, ging das gar nicht“, erzählt Pascale Arndtz über die Kulisse. Also brüteten sie und Regisseurin Milena Paulovics am Bühnenmodell über eine Lösung. „Die Idee kam uns beiden zeitgleich“, sagt Arndtz. Sie soll jedoch an dieser Stelle nicht verraten werden. Arndtz liebt es, mit ihren Kulissen „assoziative Räume“ zu schaffen, um das Publikum mit Angeboten an die Fantasie aus der tradierten Sehweise herauszulocken. Sie versteht sich jedoch weder als „Theaterzertrümmerin“, die einen Haufen Sperrmüll zur Kulisse erklärt, noch als Naturalistin, denn der Wirklichkeitsanspruch rege die Fantasie nicht an. Das mannshohe hölzerne Getriebe als gegenständliches Abbild der Theatermaschinerie ist so ein Angebot, das Arndtz dem Publikum macht. „Als Bühnenbildner hat man auch den Erziehungsauftrag, die Leute stets ein Stück weit mitzunehmen“, sagt sie.

Für Kostüm und Maske gab die Regie die Vorgabe: traditionelle Darstellung. „Wenn es so klassisch wird wie in ‚Shakespeare in Love‘ steht das Gesamtpaket schnell fest“, sagt Kostümbildnerin Marion Hauer. Aber flott gemacht war die Ausstattung damit noch lange nicht. Manches Teil wird aus dem Fundus genommen, aber etwa für das güldene Kleid der Elisabeth I., das mit kostspieligen Spitzen besetzt ist, musste die Theaterschneiderei ran. Eine Pracht hat auch „Chefmaske“ Petra Schwung mit der Perücke geschaffen, die die Darstellerin der Elisabeth tragen wird. „Das ist eine Echthaarperücke, die ich mir vom Theater Dortmund geliehen habe“, sagt sie. In den Haarersatz hat sie Locken gedreht, Perlen eingearbeitet und alles zu einer kunstvollen Frisur gesteckt. „Nach den Burgfestspielen werden Locken und Perlen herausgenommen, die Perücke wird gewaschen und wieder nach Dortmund verschickt.“

Arndtz, Hauer und Schwung müssen bei ihrer Arbeit nicht nur das Künstlerische im Blick haben, sondern auch die Freude und Fährnisse eines Freilichttheaters. Frisuren könnten nur bedingt mit Haarspray wetterfest gemacht werden, sonst sähen sie aus wie aus Beton, sagt Schwung. Auch muss das Bühnenbild bei Tages- und Kunstlicht zugleich seine Wirkung zeigen. Anekdoten weiß Schwung etwa über manch kleines Malheur zu erzählen, etwa wenn der Schweiß den falschen Bart des Darstellers wackeln oder herunterfallen lässt. Mehr Kleber helfe in dem Fall nicht, eher das kunstvolle Überspielen. Denn: „Wenn der Schnäuzer fällt, dann fällt er.“

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