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Das Klinikum Hanau

Frühchen im Klinikum Hanau

Vier Frühchen mit Keim infiziert

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Im Klinikum Hanau erkranken vier Frühchen an einem Darmkeim. Drei der Säuglinge gelten laut Klinikum mittlerweile als geheilt. Die Suche nach der Ursache läuft.

Im städtischen Klinikum Hanau sind vier Frühgeborene an einem Darmkeim erkrankt. Drei von ihnen gälten derzeit als „ausgeheilt“, eines zeige noch Symptome, teilte das Krankenhaus am Donnerstag mit. Der Verdacht auf der neonatologischen Intensivstation habe sich am Dienstagabend bestätigt. Erste Hinweise habe es am 3. Januar gegeben, ergänzt eine Sprecherin auf FR-Anfrage. Daraufhin seien umgehend alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet worden. Experten suchten „mit Hochdruck“ nach den Ursachen.

Laut Klinikum ist bei den Kindern, die „nicht alle gemeinsam in einem Zimmer“ lagen, das gleiche Bakterium nachgewiesen worden: Enterobacter cloacae. Es kommt in der Darmflora von Erwachsenen vor. Das Bakterium zeige glücklicherweise „keine besonderen Resistenzen“ gegen Antibiotika, mit denen die Kinder behandelt werden können. Angehörige seien nicht gefährdet, müssten sich nicht besonders schützen.

Alle Betroffenen sind isoliert worden und werden weiter behandelt, auch weil die zurzeit als gesund Geltenden erneut erkranken könnten. „Naturgemäß können bei Frühgeborenen in diesem Stadium keine Prognosen abgegeben werden“, so das Klinikum, aber „mit jedem Tag reift ihr Immunsystem weiter, damit sinkt das Risiko erneut zu erkranken.“ Das nicht geheilte Frühchen zeige wie die anderen zuvor „typische Symptome einer Infektion“, etwa Fieber und Kurzatmigkeit. Es musste beamtet werden.

Proben werden untersucht

Bei Frühgeborenen, die nicht ausgereift sind und kein starkes Immunsystem haben, können solche Bakterien lebensgefährlich werden. Ähnliche Fälle kommen in Krankenhäusern immer wieder mal vor. So wurde im Frühjahr 2016 in Wiesbaden bei neun Frühchen eine Besiedelung mit MRSA-Keimen festgestellt, woraufhin die Station wochenlang geschlossen blieb.

Nach eigenen Angaben reagierte das Hanauer Krankenhaus nach den ersten Verdachtsmomenten mit den erforderlichen Hygienemaßnahmen, Untersuchungen und Behandlungen. Dabei hätten sich die Fachleute des Hauses mit dem Gesundheitsamt und externen Spezialisten abgestimmt. Zum Krisenstab gehört Frank-Albert Pitten vom Institut für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle in Gießen. Die Untersuchung der Proben, die noch einige Tage braucht, übernimmt das Hessische Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen (HLPUG) in Dillenburg.

Versäumnisse des Klinikums seien derzeit nicht bekannt, die Eltern würden keine Vorwürfe erheben, sagt die Sprecherin.

Zwei nicht betroffene Kinder wurden den Angaben zufolge von der Intensivabteilung auf eine andere Station verlegt, eines wird wohl in den nächsten Tagen entlassen. Seit dem 3. Januar würden keine weiteren Kinder auf der Intensivstation aufgenommen, damit sich der Darmkeim nicht weiter ausbreitet. Am Donnerstagabend waren dort insgesamt sechs Kinder untergebracht, allesamt isoliert in Einzelzimmern. Das Klinikum sehe sich „erstmals in der jahrzehntelangen Geschichte der Neonatologie mit einer solchen Situation konfrontiert“, sagt Geschäftsführer Volkmar Bölke. Die behandelnden Ärzte und Pfleger würden sie vorbildlich bewältigen.

Frank Kipp, Professor für Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Jena, sagt: „Grundsätzlich gibt es vielfältige mögliche Ursachen für die Übertragung von Keimen. Sie können zum Beispiel durch Besucher in ein Krankenhaus gelangen, etwas mit der Hygiene dort oder mit Medizinprodukten zu tun haben.“ Entscheidend sei, „dass man proaktiv damit umgeht und sofort alles Notwendige tut, um eine Weiterverbreitung zu verhindern“, so Kipp. Molekularbiologische Methoden könnten dabei helfen, mögliche Übertragungswege aufzudecken.

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