+
Kalif Mirza Masroor Ahmad (Mitte) bei der Eröffnungsfeier.

Imam-Ausbildung

Viele Vorbeter kommen aus dem Ausland

  • schließen

Wie Imame in Deutschland ausgebildet werden.

Etwa 2300 Moscheegemeinden und alevitische Cem-Häuser gibt es in Deutschland. Fast 2200 von ihnen haben einen Imam, also einen Vorbeter oder, im Fall der Aleviten, einen sogenannten Dede. Das Problem: Eine einheitliche Ausbildung für die Gemeinde-Autoritäten und qualifizierte, wissenschaftliche Standards dafür gibt es bisher nicht. So kommen die meisten Vorbeter aus dem Ausland – sie sprechen kein Deutsch und kennen den Lebensalltag ihrer Gemeindemitglieder nicht. Deshalb tun sie sich schwer, bei Ehestreitigkeiten zu beraten, Frauen angemessen zu unterstützen und vor allem hier geborene junge Muslime zu erreichen.

Trotzdem sind die Imame besser als ihr Ruf, wie im April die Studie „Muslimisches Gemeindeleben in Deutschland“ der Deutschen Islam-Konferenz zutage förderte: Sie haben eine höhere Bildung als der Durchschnitt der Muslime hierzulande und sie stehen ganz überwiegend für einen dialogbereiten Islam. Sie wissen um ihre Defizite und sind deshalb sehr interessiert an Fort- und Weiterbildungen in Seelsorge, Beratung und sozialen Fragen.

Auf lange Sicht dürften die neuen Hochschulzentren für islamische Theologie einiges dazu beitragen, dass künftig mehr deutsche Muslime als Imame gewonnen werden. Die Institute werden derzeit an der Uni Frankfurt und anderen Hochschulen aufgebaut. Ömer Özsoy, Koranexperte und Direktor des Instituts für Islamische Studien an der Goethe-Universität, schwebt eine Art duales System bei der Imam-Ausbildung vor: „Für die theologischen Inhalte auf akademischem Niveau sollten die Universitäten zuständig sein. Für die praktischen Fächer wie Koranrezitation, Predigen, Vorbeten oder Gemeindepastoral sollten die Religionsgemeinschaften gesonderte Ausbildungsstätten etablieren.“

Doch die universitären Islam-Institute stehen noch am Anfang, es fehlt überall an qualifizierten Professoren, und selbst mit der Ausbildung muslimischer Religionslehrer fangen sie gerade erst an. Vollmundige Ankündigungen etwa der Uni Tübingen, man bilde schon jetzt auch Imame aus, gelten in Fachkreisen als überzogene Eigenwerbung.

Einige Islamverbände behelfen sich deshalb mit selbst gestrickten Lösungen, um mehr hier sozialisierte Muslime zu Imamen zu machen. Der Verband Ditib, mit gut 800 Moscheen der größte in Deutschland und eng mit der Türkei verbunden, schickt junge deutsche Muslime und Muslimas mit Abitur zum Theologiestudium in die Türkei. Man arbeite eng mit dem staatlichen Präsidium für Religionsangelegenheiten in Ankara zusammen, sagt Ditib-Dialogbeauftragter Bekir Alboga.

750 junge Leute wurden bisher an sechs türkische Unis geschickt, die ersten kehren bald zurück und sollen hier als Imame und Seelsorgerinnen arbeiten – theologisch sehr gut qualifiziert, aber eben nicht im deutschen Kontext. Ihr Gehalt bekommen die frischgebackenen Imame aus Ankara – würden sie hier ausgebildet, müssten die Moscheegemeinden selbst für sie zahlen.

Einen anderen Weg geht der konservative, ebenfalls türkisch-sunnitische Verband Islamischer Kulturzentren (VIKZ), mit bundesweit rund 300 Mitgliedsmoscheen. Er hat in Köln ein Ausbildungszentrum aufgebaut, an dem er in einem dreijährigen Lehrgang Imame für VIKZ-Gemeinden schult. Muslimas können sich an einer VIKZ-eigenen Einrichtung in Bergisch-Gladbach zu Predigerinnen oder Islamlehrerinnen für Moscheen ausbilden lassen. Das Modell sei aus der Not geboren, „dass es hier keine andere Möglichkeit gibt, Imame zu qualifizieren“, sagt VIKZ-Dialogbeauftragter Erol Pürlü. Die Kritik vergangener Jahre an Abschottungstendenzen des Verbands ist inzwischen weitgehend verstummt – auch weil der VIKZ reagiert hat und sich heute auch von externen Partnern helfen lässt.

Dazu gehört in erster Linie die Universität Osnabrück. Sie bietet, als erste deutsche Hochschule, immerhin eine zweisemestrige Fortbildung für praktizierende Imame an. Jeweils 30 Studierende können sich dort in Landeskunde, Gemeindepädagogik und Deutsch weiterbilden. Und kehren mit hoffentlich mehr Verständnis für ihre Gläubigen in ihre Moschee zurück.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare