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Viele Fragen zu den Windrädern

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Von: Holger Pegelow

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Auf großes Interesse stoßen die Stellwände mit den Karten zu den geplanten Windkraftanlagen vor den Toren Petterweils. pegelow © Holger Pegelow

Sie sind Ihrer Aufgabe nicht nachgekommen, uns hier vernünftig zu informieren. 95 Prozent der Karten können wir nicht verstehen.“ Nachdem Moderatorin Carla Schönfelder die Fragerunde des Publikums eröffnet hatte, zeigte der erste Beitrag, was viele der gut 200 Anwesenden im Saal des Karbener Bürgerzentrums wohl gedacht hatten: Sie hatten die Worte vernommen, aber wenig verstanden.

Anhand der sehr technisch aussehenden Karten zu Schall und Schattenwurf hatten viele keine Vorstellung davon, was denn da in vier Jahren auf sie zukommen würde.

Es geht um die geplanten fünf Windräder in der Windvorrangfläche bei Petterweil. Anfang September hatte im Albert-Schäfer-Haus bereits die erste Infoveranstaltung dazu stattgefunden, die zweite nun mit mehr Publikum im Bürgerzentrum.

Schon am ersten Abend hatten sich viele Fragen darum gedreht, welchen Schatten die 246 Meter hohen Windräder werfen und wie laut es in Petterweil und Umgebung werden würde.

Julius Haferkemper, der Projektentwickler des Investors Alterric IPP GmbH, sagte, da es sich bei Petterweil um ein allgemeines Wohngebiet handele, seien 40 Dezibel als nächtlicher Lärmschutz im Bundesimmissionsschutzgesetz als Obergrenze vorgesehen. Die Windräder würden bei voller Leistung nachts maximal 35 Dezibel erzeugen. Auch zum benachbarten Ober-Erlenbach, wo sich ein reines Wohngebiet in der Nähe befinde, halte man die 35 Dezibel ein, das sei die Obergrenze für reine Wohngebiete. Für Nachfragen sorgten die gezeigten Karten. Darin zu sehen ist eine diagonal verlaufende rote Linie; die Wohnhäuser links davon befinden sich näher an den Windanlagen. Die dortigen Bewohner befürchten, dass es genau dort lauter sein würde als im übrigen Stadtteil. Laut Haferkemper mache dies aber nur sehr wenig aus, man bleibe auch dort „deutlich unter den gesetzlich zulässigen maximalen Schallimmissionen“. Und: Die Windkraftanlagen würden über eine Abschaltautomatik verfügen, für die Fälle, dass die Dezibelzahl überschritten würde. Moderatorin Schönfelder sagte, Schall sei ein schwieriges Thema. Denn bei der Projektierung solcher Anlagen werde die Schallbelastung errechnet, „wie sie dann später wahrgenommen wird, ist etwas anderes“. Unverständlich waren dem Publikum auch die Karten mit dem Schattenwurf. Immer wieder gab es Nachfragen an die Mitarbeitenden des Investors an den Info-Ständen. In der Fragerunde im Saal drehte sich vieles um den Schattenwurf. Petterweils Ortsvorsteher Dennis Vesper (SPD) fragte, ob das auf den Wegen „wie ein Zebra“ aussehe, wenn er dort entlanggehe. Warum, fragte ein anderer, sei es nicht möglich, den Schattenwurf zu bestimmten Uhrzeiten des Tages und Jahres schematisch darzustellen?

Auch die Visualisierung der fünf Windräder wurde vom Publikum kritisiert. „Die Windräder sehen auf den Fotos aus wie Libellenflügel. Die Darstellung ist geradezu lächerlich“, rief einer ins Mikrofon. Die Moderatorin regte an, dass die Projektentwickler einmal mit dem Ortsvorsteher an Punkte gehen und dort Fotos machen könnten.

Projektentwickler Haferkemper verteidigte die Karten damit, dass sie die gängigen Karten in einem Genehmigungsverfahren seien. Aufgrund der vielen kritischen Fragen ging ein wenig unter, dass die fünf Windanlagen laut Projektentwickler rechnerisch bis zu 19 500 Haushalte mit Strom versorgen könnten, bei einem angenommen durchschnittlichen Verbrauch von 3000 Kilowattstunden pro Haushalt. Nur gestreift wurde, dass sich die Interessierte an einer der fünf Anlagen über die Karbener Energie GmbH beteiligen können. Geschäftsführer Hans-Jürgen Stadler erläuterte die Bedingungen: Einlagen zwischen 2000 und 50 000 Euro wären möglich, geht aus einem Infoblatt hervor.

Bürgermeister Guido Rahn (CDU) appellierte an die Bürgerinnen und Bürger, offen zu sein für den Bau dieser Windanlagen. Die Stadt sei nicht Genehmigungsbehörde, könne sich aber in den Gesprächen mit dem Investor und dem Regierungspräsidium einbringen. Zudem sei der Bau der Windanlagen sehr wichtig für die künftige Energieversorgung.

Bei einer weiterer Info-Veranstaltung will er sich dafür einsetzen, dass die Materie „verständlicher rübergebracht wird, damit wir auch die mitnehmen, die jetzt kritisch sind“.

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Tanja Kreuz und Julius Haferkemper vom Investor. pegelow © Holger Pegelow

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