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Sport- und Geschäftsflieger sowie Helikopter nutzen den Flugplatz Egelsbach. Aktuell beschweren sich Anwohner vermehrt wegen des Lärms.
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Sport- und Geschäftsflieger sowie Helikopter nutzen den Flugplatz Egelsbach. Aktuell beschweren sich Anwohner vermehrt wegen des Lärms.

Egelsbach

Viele Flugzeuge und Hubschrauber über Egelsbach

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Ein Anwohner des Flugplatzes Egelsbach beschwert sich über zunehmenden Fluglärm. Trotz Lockdown gab es dort mehr Flugbewegungen. Jedoch sind auch Linienflüge ein Problem.

Unerträglich sei der Fluglärm, der seit Wochen in Egelsbach zu hören ist. Das schreibt der Einheimische Gerhard Walter in einem Leserbrief. Er spricht von einer Lebensqualität, die „nahezu auf null sinkt“. Walter hat dabei nicht nur die Kleinflugzeuge und Hubschrauber auf dem benachbarten Flugplatz Egelsbach im Visier, sondern auch die großen Verkehrsmaschinen, die auf dem Frankfurter Flughafen starten und durch eine verschobene Abflugroute nun über seinen Ortsteil Bayerseich donnern. Sein Eindruck täuscht nicht: Auch Bürgermeister Tobias Wilbrand (Grüne) bekommt mehr Beschwerden wegen zunehmenden Fluglärms, und der Standortleiter des Flugplatzes Egelsbach nennt für das Vorjahr trotz Corona-Beschränkungen eine nahezu unveränderte Zahl an Flugbewegungen.

Am Samstag vor einer Woche hätten „Hunderte von lärmenden Kleinflugzeugen im Minutentakt die Egelsbacher Bürger in unverschämter Weise vollgelärmt“, heißt es in Walters Leserbrief. Hinzu kämen stets noch das minutenlange Aufwärmen der Hubschrauber und der ohrenbetäubende Lärm bei Starts und Landungen von Düsenflugzeugen.

Der Flugplatz Egelsbach ist der verkehrsreichste Verkehrslandeplatz Deutschlands und besteht seit 65 Jahren. Privat- und Geschäftsflugzeuge sowie Hubschrauber starten und landen dort und können gechartert werden.

Ein Prozent mehr Flugbewegungen habe es im Jahr 2020 auf dem Flugplatz gegeben, sagt Simon Bock-Janning, Standortleiter der Hessischen Flugplatz GmbH Egelsbach, auf FR-Nachfrage. „Im Vorjahr gab es bei uns rund 75 000 Flugbewegungen, das ist fast identisch mit 2019.“

Der Anteil der großen und lauteren Maschinen von 5,7 bis maximal 20 Tonnen sei im Vorjahr aber stark gesunken, Hubschrauberstarts und -landungen hätten hingegen zugenommen – wobei dies nicht auf das Konto der dort beheimateten hessischen Polizei-Hubschrauberstaffel geht. „Deren Einsätze bleiben über das Jahr hinweg ungefähr konstant.“

Marcel Wagner, Pressesprecher von Heli Transair, kann die Zunahme der Hubschrauberflüge nicht nachvollziehen. „Wir sind im vergangenen Jahr sehr viel weniger geflogen“, sagt er. Er sieht die Mitbewerber in der Verantwortung. Sein Unternehmen sei zwar der größte Anbieter am Flugplatz Egelsbach, aber bei weitem nicht der einzige. Außerdem gebe es Privatpersonen, die eigene Hubschrauber besäßen. „Was die damit machen, ist deren Sache.“

Im März und April seien sämtliche Flugbewegungen auf dem Flugplatz coronabedingt stark zurückgegangen, erklärt Standortleiter Bock-Janning. Von Mai bis Oktober habe es dann „starke Nachholeffekte“ gegeben. „Wir hatten einen überproportionalen Sommerbetrieb.“ Fünf Monate hintereinander seien jeweils 8000 Flugbewegungen verzeichnet worden; monatlich 7000 seien „normal“.

Laut Bürgermeister Wilbrand gab es zwischen Mai und September fast 30 Prozent mehr Flugbewegungen als in den Vorjahresmonaten – und zwar vor allem in der sogenannten Foxtrott-Klasse, den einmotorigen Maschinen zwischen 2 und 5,7 Tonnen. „Hier liegt der Anstieg deutlich über 50 Prozent“, sagt er. Seit Oktober lägen die Gesamtzahlen in etwa wieder auf dem Vorjahresniveau.

Das Gemeindeoberhaupt vermutet drei Gründe für den starken sommerlichen Flugverkehr: Pilot:innen mussten für ihre Lizenzen Flugstunden nachholen, die sie im Frühjahr versäumt hatten, Menschen hatten durch Homeoffice und Kurzarbeit mehr Zeit für Freizeitaktivitäten, und der eine oder die andere habe das Selberfliegen als Alternative für ausgefallene Urlaubsreisen entdeckt.

Wilbrand findet es „moralisch und ethisch bedenklich“, dass die Lärmbelästigung der Egelsbacher in den Sommermonaten hauptsächlich „durch die Freizeitbetätigung wohlhabender Menschen“ entstanden ist. „Das ist in Corona-Zeiten mit meinem Verständnis von Solidarität nicht zu vereinbaren“, sagt er.

Leserbriefschreiber Walter ärgert sich im Gespräch mit der FR aber auch über die Linienflieger, die von der Startbahn West des Flughafens Frankfurt aus nun „linksrum eine Schleife über Egelsbach-Bayerseich fliegen und dann über Darmstadt wieder nach rechts drehen“. Grund dafür ist die veränderte Abflugroute „Amtix kurz“, die derzeit im Testverfahren läuft und das Darmstädter Stadtgebiet entlasten soll. Sein Heimatort sei also doppelt belastet. Er sieht deshalb schon mit Grausen dem Ende der Pandemie entgegen, wenn sich die vielen Flugreisenden wieder auf den Weg machen.

Zusammen mit Erzhausen und Messel habe sich Egelsbach gegen die Verschiebung der Flugroute nach Norden ausgesprochen, sagt Bürgermeister Wilbrand. Die Fluglärmkommission argumentiere aber, dass so in der Summe mehr Leute entlastet als Leute belastet würden. Egelsbach werde die Nachbargemeinde Erzhausen auf jeden Fall bei ihrer Klage gegen die endgültige Verlegung der Abflugroute unterstützen.

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