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Kanalbauarbeiten. (Symbolbild)

Infrastruktur

Klimawandel bringt Kanäle in Hessen an die Grenzen

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Mal ist es ewig trocken, dann schüttet es wieder aus Kübeln. Wetterextreme machen Investitionen in Trinkwasser- und  Kanalnetze notwendig.

Ein heißer Sommer, extreme Trockenheit, dann plötzliche, heftige Niederschläge – die Klimaverwerfungen der jüngsten Zeit bringen die Trinkwasserversorgung ebenso an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit wie die Aufnahmekapazitäten der Kanalnetze. Die Unternehmen der Wasserver- und Abwasserentsorgung sind sich einig: Die Anpassungen an den Klimawandel werden aufwendig und viel Geld kosten, wie sie am Mittwoch anlässlich des Tags des Wassers darlegten.

„Die Kanäle, die man brauchte, um die riesigen Wassermengen aufzunehmen, kann man in den Straßen gar nicht mehr unterbringen“, sagt Ernst Appel, Erster Betriebsleiter der Stadtentwässerung Frankfurt und Mitglied im Vorstand des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). Die Abwasserleitungen seien für Regengüsse ausgelegt, die in ihrer Heftigkeit alle drei bis fünf Jahre aufträten. „Stattdessen haben wir aber immer häufiger Ereignisse, die diesen Rahmen sprengen“, sagt Appel. Zwar beseitige man regelmäßig Engstellen und halte die Kanäle in einem guten Zustand. Es sei aber zusätzlich nötig, bei neuen Baugebieten dafür zu sorgen, dass weniger Regenwasser in die Gullys fließe. Gründächer, Zisternen und Boden, in dem Wasser noch versickern kann, würden dafür gebraucht.

Andererseits sei es bei lange anhaltender Trockenheit nötig, die Kanäle viel häufiger zu spülen, weil sich dort Fäkalien absetzten. „Die Anpassung an den Klimawandel ist ein Gemeinschaftsprojekt“, sagt Appel.

Starkregen sind das eine. Wochen ohne Niederschlag das andere. „Am 6. August, dem ersten Schultag nach den Sommerferien, hatten wir den höchsten Trinkwasserverbrauch überhaupt“, berichtet Hubert Schreiber, Sprecher von Hessenwasser. 418 000 Kubikmeter seien da in kurzer Zeit aus den Leitungen abgezapft worden.

Dass es dort tatsächlich fließt, erfordert einen hohen Aufwand, wie Schreiber schildert. So müssten für solche und künftige Anforderungen die Speicher ebenso ausgebaut werden wie die Trinkwasserzuleitungen inklusive moderner Pumpen. Hinzu komme das starke Bevölkerungswachstum im Ballungsraum Frankfurt-Rhein-Main.

Eines der wichtigsten Projekte für die künftige Versorgungssicherheit sei der Bau einer zweiten Leitung aus dem Hessischen Ried nach Frankfurt. Die alte Leitung stammt aus dem Jahr 1964. Im Herbst 2018 wurden vier Kilometer der zweiten Leitung in Betrieb genommen, weitere 31 Kilometer müssen noch gebaut werden.

Tag des Wassers ist Freitag, 22. März. Infos: tagdeswassers.vku.de.

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