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Es handele sich um einen Überbrückungskredit von 3000 bis maximal 35 000 Euro, der kurzfristig die Liquidität sichern solle, erläuterte Minister Al-Wazir.

Darlehen

Verzweifelte Anrufe bei Hessens WI Bank

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Selbstständige und kleine Unternehmen bekommen in Hessen weitere Hilfe mit günstigen Darlehen. Minister Al-Wazir und die landeseigene WI Bank gaben die Bedingungen bekannt.

Kleine und mittlere Unternehmen bekommen wegen der Corona-Krise weitere Unterstützung vom Land. Die landeseigene Wirtschafts- und Infrastrukturbank (WI-Bank) vergibt von Freitag an weitere günstige Kredite an Firmen mit höchstens 50 Vollzeit-Beschäftigten.

Das Programm namens „Mikro-Liquidität“ wurde am Mittwoch von Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und der Geschäftsleitung der WI-Bank bei einer telefonischen Pressekonferenz angekündigt. Es lehnt sich an das bestehende Programm „Mikro-Darlehen“ an, bei dem der Zinssatz nach Angaben der Bank 5,75 Prozent beträgt. Das Liquiditäts-Darlehen muss nur mit 0,75 Prozent verzinst werden.

Zudem müssen die Selbstständigen und Kleinunternehmen in den ersten beiden Jahren keine Tilgungsraten bezahlen. Es handele sich um einen Überbrückungskredit von 3000 bis maximal 35 000 Euro, der kurzfristig die Liquidität sichern solle, erläuterte Minister Al-Wazir. Die Darlehensnehmer müssten keine Sicherheiten stellen und keine Gebühren zahlen. Das Land verbürge die Kredite zu 100 Prozent.

Neues Gesicht

Die WI Bank  (Wirtschafts- und Infrastrukturbank) ist die Förderbank des Landes Hessen. Sie hat im vergangenen Jahr 22,9 Milliarden Euro an Förderung ausgezahlt.

Claudia Hillenherms  startete am Mittwoch als neues Mitglied der Geschäftsleitung. Sie kommt von der Helaba und folgt auf Eckhard Hassebrock, der im November 2018 in den Vorstand der Thüringer Aufbaubank gewechselt ist. Gottfried Milde ist Sprecher der dreiköpfigen Geschäftsleitung der WI Bank, der außerdem Michael Reckhard angehört. 

Bereits in der vorigen Woche hatte das Land ein Darlehensprogramm für Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten über die WI-Bank aufgelegt. Es ermöglicht Kredite von bis zu 200 000 Euro mit einem Zinssatz von 1,25 Prozent. Während dieses Programm über die Hausbanken abgewickelt wird, kann man sich für die „Mikro-Liquidität“ direkt an die WI-Bank wenden.

Seit dem vergangenen Donnerstag seien 80 Anfragen nach dem ersten Darlehensprogramm eingegangen, berichtete Michael Reckhard aus der Geschäftsleitung der WI-Bank. „Es erreichen uns viele verzweifelte Anrufe“, sagte er. Die Wirtschafts- und Infrastrukturbank steht aus seiner Sicht angesichts der Corona-Pandemie vor ihrem „anspruchsvollsten Jahr in der Wirtschaftsförderung“.

Ursprünglich hatte die Bilanz der WI-Bank für das vergangene Jahr im Mittelpunkt stehen sollen. Dabei baute die Bank die Förderung im Wohnungsbau aus. Die neu vereinbarten Projekte in diesem Bereich hatten ein Volumen von 473 Millionen Euro, nachdem es im Vorjahr noch 400 Millionen gewesen waren. Für den Bau von Mietwohnungen seien allein 302 Millionen Euro bewilligt worden, nach 237 Millionen Euro im Jahr 2018.

Auch das studentische Wohnen wird von der WI-Bank gefördert. So wird das Studentenwerk Frankfurt beim Neubau zweier Studentenwohnheime am Sport-Campus an der Ginnheimer Landstraße mit 16,4 Millionen Euro gefördert, was etwa zwei Drittel der Projektkosten sind. In die Häuser im Passivhausstandard sollen fast 300 Studierende einziehen können – nach der Planung bereits im nächsten Wintersemester.

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