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Burschenschaften sind oft eng mit der extremen Rechten vernetzt.

Germania in Marburg

Vertreter der "Neuen Rechten" treten in Marburg auf

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Die Marburger Burschenschaft Germania lädt Vertreter der "Neuen Rechten" ein. Das Bündnis "Marburg gegen rechts" plant Gegenproteste.

In Haus Nummer 3 in der Marburger Lutherstraße legt man wert auf Diskretion. „Nur intern verbreiten. Keine Veröffentlichung in sozialen Netzwerken o. ä.“, heißt es ganz am Ende der Einladung für den kommenden Samstag. Nicht dass man an der Lutherstraße üblicherweise gesteigerten Wert auf Öffentlichkeit legt – schließlich hat hier die völkische Burschenschaft Germania ihren Sitz. Deren Veranstaltungen sind in der Regel geschlossene Gesellschaften – und für den 24. November haben sich Referenten angekündigt, die in rechten Kreisen einen gewissen Bekanntheitsgrad genießen.

Laut einer bereits seit einigen Wochen zirkulierenden internen Einladung – die der FR vorliegt – sollen am kommenden Samstag mit Philip Stein, Benedikt Kaiser und vor allem Alain de Benoist drei prominente Vertreter der sogenannten „Neuen Rechten“ im Marburger „Germanen“-Haus auftreten. Philip Stein, selbst Mitglied der Germania, ist Leiter der rechtsradikalen Vernetzungsplattform „Ein Prozent“ und Gründer des Jungeuropa-Verlages. 

Benedikt Kaiser wiederum ist Autor im Jungeuropa-Verlag sowie Lektor im Antaios-Verlag, welcher der ultrarechten Denkfabrik „Institut für Staatspolitik“ von Götz Kubitschek angeschlossen ist. Zusammen mit dem dritten Referenten, dem französischen Publizisten Alain de Benoist, veröffentlichte er unlängst im Jungeuropa-Verlag das Buch „Marx von Rechts“. 

Benoist gilt als der vermutlich einflussreichste Vordenker der sogenannten „Neuen Rechten“, deren Selbstbezeichnung von ihm bereits in den 70er Jahren geprägt wurde. Auf ihn gehen auch theoretische Konzepte wie der „Ethnopluralismus“, eine oberflächlich überarbeitete Version älterer Blut-und-Boden-Ideologien, oder der als „Metapolitik“ umschriebene Kampf um den vorpolitischen Raum zurück. 

Auseinandersetzung zwischen „Germanen“ und Linken

Dass sich die Vertreter der „Neuen Rechten“ bei der selbst in Burschenschaftskreisen als äußerst rechts geltenden Germania einfinden, ist schon aufgrund der personellen Überschneidungen kein Zufall. Darüber hinaus sind Mitglieder auch bei der AfD – als einfache Mitglieder ebenso wie auch als Mitarbeiter verschiedener Parlamentsfraktionen – und bei der rechtsradikalen Identitären Bewegung aktiv.

Wesentliche Erkenntnisse über die Vernetzung der „Germanen“ mit der extremen Rechten sind auf die Arbeit linker Recherche-Netzwerke zurückzuführen. 

Dabei kam es zuletzt im Mai 2017 zu Auseinandersetzungen zwischen „Germanen“ und linken Aktivisten. Dabei wurden Fotografen von zunächst vermummten Männern attackiert, die aus dem „Germanen“-Haus – in dem zu diesem Zeitpunkt das Landestreffen der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative stattfand – stürmten. Einer der Angreifer: Philip Stein. Die AfD-Jugend sprach später von Notwehr. 

Zu einer Konfrontation, wenn auch keiner gewalttätigen, wird es wahrscheinlich auch am Samstag kommen. Das Bündnis „Marburg gegen rechts“ plant Gegenproteste. „Wir wollen deutlich machen, dass Marburg eine weltoffene Stadt ist, und der Neuen Rechten etwas entgegensetzen“, betont Ulf Immelt, Sekretär beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Mittelhessen, der Teil des Bündnisses ist.

Geplant sei eine Demonstration, die um 13 Uhr am Marktplatz beginnen und vor das Stammhaus der Germania ziehen soll. Dort soll eine Abschlusskundgebung in Hör- und Sichtweite der „Germanen“ stattfinden. 

Auch im Jahr 2019 findet die Konferenz wieder in Marburg statt, dieses Mal begleitet von 750 Gegendemonstranten.

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