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Probelauf, die beiden Steppkes üben schon mal auf dem Holzboden der Eisarena das Gleiten auf Kufen. monika müller

Eisbahn Hanau

Verspäteter Saisonbeginn der Eisbahn

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Die Eisbahn auf dem Marktplatz in Hanau wurde ob der Kosten nicht über die Feiertage aufgebaut. Los geht es nun am Freitag.

Die Eiszeit in Hanau kommt diesmal später. Die „Eisarena“ der Stadtwerke Hanau (SWH) eröffnet am kommenden Freitag, somit fällt die Schlittschuhsaison auf dem Marktplatz wird um ein paar Tage kürzer aus. Als Grund für den Start erst im neuen Jahr nennt die Stadt höhere Lohnkosten. Die entstehen durch Lohnzuschläge, wenn die Firmen über Weihnachten die Eisbahn installieren. Derweil wird die wieder 750 Quadratmeter große Kunsteisfläche aufgebaut, die allein bis zu vier Tage benötigt, um auf die Nutzstärke von acht Zentimeter zu wachsen.

Ein stabiler und wie eine Teichoberfläche ebener Untergrund zählt mit zu den wichtigsten Bedingungen für ein späteres Schlittschuhvergnügen. Zuvor hat eine Spezialfirma aus der Nähe von Itzehoe über zwei Tage aus schweren Holzpaneelen, die von Stahlrahmen gefasst sind, den Boden für die Bahn ausgelegt. Immerhin wiegt die Bahn im fertigen Zustand mehr als 75 Tonnen. Die leichte Wölbung und Unebenheit des Marktplatzes werden mit Holzklötzen ausgeglichen – Höhenunterschiede von Handbreite bis Unterarmlänge. Die Nivellierung des Bodens erfolgt mit einer Laserwasserwaage. Dann werden die nötigen Hütten etwa für den Schlittschuhverleih und die Verköstigung aufgeschlagen.

Nach diesen Vorarbeiten schickt die Besitzerin der Eisbahn, die Interevent GmbH aus dem nordrhein-westfälischen Dorsten, sechs Monteure und Eismeister nach Hanau. Rund zwei Tage benötigt es, die schwarzen Kautschukmatten (EPDM-Absorber) auf die 750 Quadratmeter auszulegen, sagt Hendrik Heeger, Projektleitung Veranstaltungen. Die Matten beinhalten Schlauchleitungen, durch die das Kühlmittel fließt, ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel Glykol, erläutert Heeger. Auf jeden Quadratmeter befinden 60 Meter Schlauch, um eine größtmögliche Effizienz zu erzielen, heißt es. Die im Schlauchsystem zirkulierende Flüssigkeit kühlt die Matte auf bis zu minus zehn Grad Celsius ab. „Dann wird die Fläche mit Wasser besprüht und so Millimeter für Millimeter die Eisschicht aufgebaut.“

Auch bei Eisbahnen schaue der Besteller längst auf den Stromverbrauch. Bis zu zwei Kilowatt Strom pro Tag und Quadratmeter benötigen die in Containern untergebrachten Kühlaggregate. Laut Heeger lassen geringer Verbrauch und „grüner“ Strom die Öko-Bilanz der Eisbahn gut ausfallen. Natürlich stünden auch die Kosten im Vordergrund. Weder der Betreiber, im Fall Hanau die Interevent selbst, noch die Nutzer der Eisbahn seien an einer hohen Stromrechnung interessiert, die etwa zu höheren Eintrittspreisen führe. Daher wird schon bei Null Grad Celsius und nachts die Kühltechnik heruntergestellt, um die Eisstärke von acht Zentimeter zu halten, sagt Heeger.

Das Unternehmen installiert in den kühlen Monaten bundesweit und im nahen Ausland 31 mobile Eisarenen. Die Hanauer Bahn liegt bei der Größe im guten Durchschnitt, so Heeger. Im Vergleich zu Köln oder Mannheim mit an die 2000 Quadratmeter Eisfläche ist sie jedoch bescheiden, besonders im Blick auf Wolfsburg, wo Interevent eine Bahn mit 7000 Quadratmetern aufgestellt hat. Laut Heeger betreibt Interevent 50 Prozent seiner Bahnen im Auftrag, die andere Hälfe läuft etwa unter der Regie von Kommunen. Das Hauptgeschäft geht von November bis Ende Dezember. „Hanaus Eisbahn befindet sich in der Nachsaison.“ Das hat laut Heeger durchaus Vorteile. „Nach der Adventszeit und den Feiertagen ist es in den Innenstädten ruhiger, da kann eine Eisbahn belebend wirken“, sagt er. Einen anderen Vorteil der Nachsaison sieht er in den kühleren Lufttemperaturen, die die Betriebsausgaben deutlich drücken können.

Auch beim Publikum kommt die Nachsaison augenscheinlich gut an. Der Vormittag ist Schulklassen und Kita-Gruppen vorbehalten, und die Nachfrage ist hoch, heißt es. „Ein Hauptthema ist auch das Eisstockschießen.“ Für den Geschicklichkeitssport, bei dem die Akteure ohne Kufen auf gehen, mieten Gruppen die Bahn. Zudem gibt es einen Wettbewerb. Allerdings gehe die Geselligkeit vor sportlicher Höchstleitung.

Mit dem Abbau der Hanauer Eisarena Anfang Februar endet für Interevent die Saison, aber nicht die Arbeit. Die technischen Anlagen werden gesäubert und gewartet, erzählt Hendrik Heeger. Hierzu zählt etwa das Kufenschleifen der rund 15 000 Leihschlittschuhpaare, darunter werden auch 300 aus Hanau sein.

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