Wandern

Auf verschlungenen Pfaden

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Mehr als 5000 Kilometer Wanderwege gibt es angeblich im Spessart. Wir stellen den Spessartbogen auf der Südseite des Kinzigtals vor. Der Pfad führt durch eine tolle Landschaft und eignet sich gut für Menschen, die ohne Auto anreisen.

Das Kinzigtal zwischen Hanau und Schlüchtern wäre wie geschaffen für eine mehrtägige Streckenwanderung gäbe es darin nicht eine Bundesstraße, eine Autobahn, eine stark befahrene Bahnlinie und jede Menge Siedlungen, Einkaufszentren und Gewerbegebiete. Wer mal versucht hat, am Südhang des Vogelsbergs dem nördlichen Rand des Kinzigtals oder dem Nordrand des Spessarts und damit südlich der Kinzig der eigenen Nase oder der Karte folgend eine Route zu finden, der weiß: Es mangelt nicht an Wegen, es mangelt leider zu oft an Ruhe.

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Der vor rund einem Jahr offiziell freigegebene Wanderweg Spessartbogen schafft es trotzdem, den Wanderer auf schönen Pfaden von Langenselbold nach Schlüchtern durch den Vorspessart und den Spessart zu leiten. Kurz nach dem Start überrascht zuerst, wie schnell Kuckuck und andere Vögel die Autobahn übertönen. Nach den ersten Höhenmetern trifft der Spessartbogen auf die historische Birkenhainer Straße, die als Weitwanderweg ebenfalls in West-Ost-Richtung durch den Spessart führt, allerdings bald das Kinzigtal verlässt. Rund sieben Kilometer verlaufen beide Wege weitgehend parallel, aber selten gemeinsam.

Dass es gelungen ist, vorhandene Wege so geschickt zu kombinieren, dass Wanderer weitgehend auf nicht asphaltiertem oder geschottertem Untergrund und in angenehmer Umgebung laufen können, ist gerade auf der ersten Etappe erstaunlich. Denn anders als die späteren verläuft sie im Freigericht, das als direktes Umland von Hanau noch recht dicht besiedelt ist. Der Spessartbogen ist als Premiumwanderweg ausgezeichnet. Um dieses Siegel zu erhalten, müssen Wege bestimmte Kriterien einhalten, dürfen beispielsweise nur zu einem geringen Anteil auf Asphalt oder geschotterten Forststraße verlaufen.

Hübsche Aussichten nach kleinen Schlenkern

Das freut die Wanderer, führt aber auch zu Merkwürdigkeiten: Um die Kriterien für die Auszeichnung einzuhalten, wirkt die Wegführung an manchen Stellen sehr konstruiert.

"Ziemlich viel Hin und Her", lautete der Kommentar eines Wanderers, der eines der Täfelchen übersehen hatte. Das ist ein weiterer Kritikpunkt, der sich auch im Internet-Forum zum Spessartweg wiederfindet: Mehr als 2000 Wegweiser mit blauem und grünen Strich vor gelbem Viereck sind auf den gut 90 Kilometern angebracht worden. Trotzdem also rechnerisch alle 100 Meter ein Schild kommen sollte, gibt es Stellen, an denen die Markierung unklar bleibt. Karte und ein Minimum an Orientierungssinn sollten demnach vorhanden sein. Und ob man jeden Schlenker mitmachen muss oder nicht einfach geradeaus geht, auch wenn dann Schotter unter den Schuhen ist, muss jeder selbst wissen.

Als ich jedenfalls gegen Ende der ersten Etappe den Spessartbogen für vier Kilometer aus den Augen verloren hatte, wurde die Wanderung nicht weniger interessant. Andererseits führen aber manchmal die kleinen Schlenker um die Asphaltwege herum zu hübschen Aussichten oder anderen interessanten Punkten abseits der "logischen" Wegführung.

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