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Hier ist der schwerwiegende Fehler geschehen.

Gesundheit

Verhängnisvoller Fehler bei Operation in Gießen 

Das Landgericht Gießen verurteilt das Uniklinikum zu 800.000 Euro Schmerzensgeld.

Von Kays Al-Khanak

Das Landgericht Gießen hat das Uniklinikum Gießen wegen eines schweren Behandlungsfehlers zu einem Schmerzensgeld in Höhe von 800 000 Euro verurteilt. Es ist der höchste Betrag, den ein deutsches Gericht in einem solchen Fall verhängt hat. Nur vor dem Landgericht in Aurich in Ostfriesland ist einem Kläger die gleiche Summe zugesprochen worden, das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.

Am Uniklinikum hatte 2013 ein damals 17-jähriger Gießener bei einem Routineeingriff irreversible Hirnschäden erlitten. Es habe sich nicht um einen komplizierten Eingriff gehandelt, bei dem Fehler durchaus passieren können, sagte Richterin Beate Bremer bei der Urteilsverkündung, „sondern um einen Vorgang, den ein Krankenhaus vermeiden muss“. Konkret waren beim Beatmungsgerät die Schläuche falsch eingesteckt worden. So kam es während der OP zu einer Sauerstoffunterversorgung.

Der Jugendliche hatte sich beim Fußballspielen eine Nasenverletzung zugezogen. Im Uniklinikum rieten die Ärzte der Familie laut Aussage der Mutter zu einer Operation. „Es ist doch nur ein Riss“, erinnerte sie sich an ihre Worte. Der zuständige Oberarzt habe die Familie jedoch umgestimmt: Es sei ein Routineeingriff, der nach 15 Minuten beendet sei. Als am Tag der Operation ihr Sohn nach 45 Minuten noch immer nicht aus dem OP-Saal zurückgekehrt sei, habe sie sich Sorgen gemacht. Anstatt ihren Jungen zu sehen, sei sie in ein Behandlungszimmer gebracht worden. Dort hätten ihr mehrere Ärzte mitgeteilt, es sei ein Fehler passiert; ihr Sohn liege auf der Intensivstation. Am 1. August 2013 brach für die zwei Schwestern, den Vater und die Mutter eine Welt zusammen.

Kritik an Versicherung

Die Höhe des Schmerzensgeldes hängt vor allem mit den Folgen des Behandlungsfehlers zusammen. „Die Beeinträchtigungen für den jungen Mann sind so schwer, das ist kaum vorstellbar und sehr gravierend“, sagte Alexander Schmitt-Kästner, Richter am Gießener Landgericht. Der heute 23-Jährige habe nach dem Eingriff „seine Persönlichkeit eingebüßt“ und werde wohl immer auf fremde Hilfe angewiesen sein. „Er ist sehr jung und hat sein gesamtes Leben noch vor sich“, sagte Schmitt-Kästner.

Zusätzlich habe auch die wirtschaftliche Lage mit der Niedrigzinsphase Einfluss auf die Höhe des Schmerzensgeldes. Neben dieser Summe, betonte Richterin Bremer, müsse die Versicherung der Uniklinik zusätzlich die ärztliche Behandlung des jungen Mannes zahlen.

Der Anwalt der Familie, Burkhard Kirchhoff, zeigte sich zufrieden mit dem Urteil des Landgerichts. „Es war höchste Zeit und ist ein deutliches Signal an die Versicherer, dass die Summen nach solchen Behandlungsfehlern nach oben angepasst werden.“ Zu lange seien die Zahlungen in solchen Fällen zu niedrig gewesen.

Scharfe Kritik äußerte Kirchhoff, der als Experte für Behandlungsfehlerprozesse gilt, an der Versicherung der Uniklinik. „Es ist eine Unverschämtheit, dass der Familie in den ersten Jahren nach der OP nur eine niedrige Schadensersatzsumme gezahlt wurde.“ Erst später habe es ein Vergleichsangebot in Höhe von 500 000 Euro gegeben. Kirchhoff hatte für seine Mandanten abgelehnt – und mehr gefordert.

Das Uniklinikum Gießen wollte sich zur Entscheidung des Landgerichts nicht äußern, „solange uns nicht das Urteil vorliegt“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Beide Parteien können binnen eines Monats Berufung einlegen.

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