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Vergebliche Suche nach dem kleinen Paradies

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Flächen für Freizeitgärten sind kaum zu bekommen

BAD HOMBURG - Der Wohn-Immobilienmarkt in der Kurstadt ist angespannt, keine Frage. Doch zumindest gibt es Angebote, wenn auch kaum günstige. Noch schwieriger, als eine Wohnung zu finden, ist die Suche nach einem Gartengrundstück in der Kurstadt. Zwar ist derzeit gärtnerische Winterruhe, doch das Thema pressiert. Die schadstoffbelasteten Pflanzenländer in Kirdorf werden geräumt, nur noch wenige Tage haben die dortigen Nutzer Zeit, ihre Sachen zu räumen. Dann soll das Gelände eingezäunt werden, bevor es zur öffentlichen Grünfläche umgestaltet wird.

Wo kann eigentlich gegärtnert werden, wenn zur Wohnung oder zum Haus kein eigener Garten gehört?

Wer von der Stadt ein Grundstück neu pachten will, braucht Geduld, die passenden Voraussetzungen - und viel Glück. Eine Anfrage, ob denn nicht vielleicht woanders im Stadtteil noch städtische Flächen zu verpachten wären, brachte Ernüchterung: Alles verpachtet - und das was nicht verpachtet ist, eignet sich nicht zum Gärtnern, etwa weil es sich um Wege handelt.

Denn der Prozess zur Verpachtung der städtischen Gartengrundstücke ist klar geregelt. Unter der Rubrik „Grundstücksangebote“ werden Ausschreibungen für neue oder freigewordene Gartengrundstücke auf der städtischen Homepage www.bad-homburg.de veröffentlicht.

In der Antwort der Verwaltung an den Ortsbeirat heißt es: „Die Gärten werden mit Hilfe eines kleinen Exposés mit Lageplan, Luftbild, Bildern und den Pachtbedingungen rund zwei Wochen öffentlich ausgeschrieben.“ Das bedeutet aber nicht, dass sich Interessierte jeden Tag nach dem Frühstück durch den Internetauftritt der Stadt klicken müssen, um nichts zu verpassen.

Denn es gibt auch die Möglichkeit, sich per E-Mail informieren zu lassen, wenn ein entsprechendes Grundstück auf den Markt kommt; eine Anmeldung dafür ist ebenfalls auf der beschriebenen Unterseite der Homepage möglich. Bei der Vergabe gibt es dann eine klare Reihenfolge. Vorrangig werden Bad Homburger Familien mit mindestens einem im Haushalt lebenden Kind bis maximal 18 Jahren berücksichtigt. Sollte es da kein Interesse geben, kommen andere Bad Homburger zum Zug. Sollte sich auch da niemand finden, können Auswärtige auf den Pachtvertrag hoffen.

Bis zu 70 Interessierte pro Grundstück

Für den Fall, dass es mehrere Bewerber mit gleichen Voraussetzungen gibt, ist vorgesehen, dass das Los entscheidet. Und im eher unwahrscheinlichen Fall, dass nach Ablauf der Bewerbungsfrist kein Interessent für den Garten gefunden wurde, kann das Grundstück freihändig vergeben werden.

Das kommt jedoch so gut wie nie vor. „Je nach Lage und Größe gibt es bei der öffentlichen Ausschreibung eines städtischen Freizeitgartens zwischen 10 und 70 Bewerber“, sagt Stadtsprecher Marc Kolbe auf Nachfrage. Wie viele städtische Gartengrundstücke es insgesamt gibt? „Rund 100 bis 150, davon werden pro Jahr jeweils drei bis fünf neu verpachtet.“ Manche Grundstücke würden auch nur temporär vergeben, falls dort städtebauliche Maßnahmen geplant sind. Ob weitere Gärten ausgewiesen oder bestehende zurückgebaut werden, sei jeweils Sache der Politik.

Gärtnerisch genutzte Parzellen im Eigentum der Stadt gibt es in Kirdorf - nicht nur am Weißkreuzweg, sondern auch zwischen Oberste Gärten und Usinger Weg zum Beispiel. Auch in Ober-Erlenbach, Ober-Eschbach und Gonzenheim gibt es zum Teil stattliche Freizeit-Grundstücke, ebenso im Heuchelheimer Feld.

Dort hätte es vor gut 30 Jahren auch eine ganz andere Lösung geben können, eine Art Wochenendgebiet. Unter Umweltdezernent Wolfgang Herder (SPD) wurde damals der Wildwuchs an Gartenhütten und illegal befestigten Freizeitgärten angegangen. Ein prominenter Vorschlag: Mit dem Bebauungsplan 92 sollten zwischen Tannenwaldallee und Heuchelheimer Hohlweg 122 Gärten angelegt werden. Das scheiterte damals an den Anliegern und dem Gegenwind der CDU.

So bleibt das Angebot überschaubar. Auf dem privaten Markt sieht es auch nicht besser aus. Auf den Immobilien- und Kleinanzeigen-Portalen im Internet gibt’s Gärten in Bad Homburg grundsätzlich nur, wenn man auch das zugehörige Haus mietet oder kauft. Auch wer keinen umzäunten Freizeitgarten sucht, in dem er sein eigener Herr ist, sondern bereit ist, sich Regeln zu beugen und den Fokus eher auf den Anbau von Nutzpflanzen zu legen, hat derzeit schlechte Karten. So schreibt der Kleingartenbauverein Bad Homburg, der immerhin neun Anlagen betreibt, zum Thema freie Gärten auf seiner Homepage: „Bitte beachten Sie, dass zurzeit KEINE freien Kleingärten in unseren Anlagen zur Verfügung stehen. Auf einen frei werdenden Garten gibt es zurzeit mehr als vier Bewerber, die sich bereits seit Längerem beworben haben. Daher bitten wir um Verständnis, dass nicht alle Anfragen berücksichtigt werden können.“

Immerhin: In der Kurstadt gibt es derzeit gleich mehrere Initiativen, in denen sich Menschen zum gemeinsamen Gärtnern zusammentun. Und dort werden zum Teil auch noch Mitstreiter gesucht. So sind „Elizas Erben“, www.elizas-erben.de, offen für neue Mitglieder.

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