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Zuhörerinnen bei einer Salafistenkundgebung in Offenbach.

Extremismus

Verdacht gegen Salafistinnen in Hessen

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Die hessische Polizei ermittelte in fünf Jahren 57 verdächtige Frauen – und erhebt allein 40 Terrorvorwürfe.

Das Bild der Salafisten-Szene ist geprägt von bärtigen Männern. Doch auch Frauen spielen bei den radikalen Muslimen eine Rolle. Die Polizei ermittelte in den vergangenen fünf Jahren 57 tatverdächtige Frauen in Hessen, denen politische Straftaten mit religiösem Hintergrund vorgeworfen wurden.

Davon wurde nicht weniger als 40 Frauen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung oder gar die „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“, also eines Terroranschlags, vorgeworfen. Insgesamt sollen 424 politisch motivierte Delikte auf das Konto der Salafistinnen gehen, davon gut die Hälfte im terroristischen Bereich.

Das geht aus der Antwort von Innenminister Peter Beuth (CDU) an den FDP-Abgeordneten Stefan Müller hervor. Müller nannte die 57 tatverdächtigen Frauen „eine beachtliche Zahl“. Er fügte hinzu: „Das Potenzial von salafistischen Frauen in Hessen ist nicht zu unterschätzen.“ Allerdings macht Beuth darauf aufmerksam, dass die Zahlen sich auf Verdachtsfälle beziehen. Es bestehe die Möglichkeit, „dass Verfahren aufgrund von Verleumdungen oder Selbstbezichtigungen“ eingeleitet worden seien.

Salafistinnen in NRW unterhalten ein „Schwesternnetzwerk“

Die hessischen Sicherheitsbehörden gehen nach Beuths Worten davon aus, dass mehr als zehn Prozent der 1650 Salafisten in Hessen weiblich sind. Sie pflegten zwar Kontakte untereinander. Ein „Schwesternnetzwerk“, wie es der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen beobachtet, ist den Behörden in Hessen allerdings nicht bekannt.

Die Salafistinnen werden weniger öffentlich aktiv als ihre männlichen Gesinnungsgenossen. Das hängt mit ihrer rigiden Interpretation des Islam zusammen. „Dementsprechend beschränken sich weibliche Personen, die dem Salafismus zugewandt sind, überwiegend auf weibliche Kontakte“, schildert Minister Beuth. „Als sozialer Treffpunkt fungieren dabei hauptsächlich die sozialen Netzwerke und religiös legitime Örtlichkeiten wie zum Beispiel Moscheen oder private Räumlichkeiten.“

Außerdem haben die Behörden jene meist jungen Menschen im Blick, die aus Hessen nach Syrien oder in den Irak gereist sind – oft, um am Bürgerkrieg teilzunehmen. Von rund 150 Personen ist das bekannt, etwa 120 Männern und 30 Frauen. Jeder Vierte von ihnen sei nach Hessen zurückgekehrt, berichtet Beuth. Rund 50 Ausgereiste seien im Krieg getötet worden oder anderweitig ums Leben gekommen.

Für den Freidemokraten Müller spielen die salafistischen Frauen eine besonders große Rolle, weil sie meistens für die Kindererziehung zuständig seien. „So wird Salafismus zur Familienangelegenheit und es beginnt etwas zu entstehen, was schwer aufzulösen ist: salafistische Gesellschaftsteile“, beschreibt der Abgeordnete seine Befürchtungen.

Prävention gegen Salafismus

Das Hessische Präventionsnetzwerk gegen Salafismus betreibt seit 2014 gezielt Projekte, um junge Leute zu einem kritischen und reflektierten Umgang mit religiös motiviertem Extremismus zu befähigen. 

Die Organisation VPN (Violence Prevention Network) bemüht sich dabei um Prävention, Intervention, Deradikalisierung und eine Begleitung beim Ausstieg aus der Salafisten-Szene.

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