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Die faire Milch machte den Anfang, nun kommt das Ei.

Landwirtschaft

Das ideale Ei

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Auf die faire Verbrauchermilch folgen Eier ohne Kükenschreddern. Der Fragebogen steht jetzt online.

Mit der Milch ging es vor drei Monaten los: Mehr als 200 000 Mal griffen Kunden zu dem blauen Tetra-Pak mit der Aufschrift „Du bist hier der Chef!“ Jetzt nimmt die Verbraucherinitiative das nächste Produkt in Angriff: Eier sollen es sein, hat das Online-Voting entschieden. Vor wenigen Tagen ging der Fragebogen online. Wieder gilt es zu entscheiden, unter welchen Bedingungen Lebensmittel produziert werden und was sie kosten.

Am Ende soll ein wertvoller Preis stehen für ein faires Produkt – vom Tierwohl bis zur Vergütung für die Landwirte. „Zusätzlich lassen wir über das Schicksal der vielen männlichen Küken abstimmen, die aktuell zu einem unerwünschten Nebenprodukt der Eier-Industrie geworden sind und im großen Stil getötet werden“, sagt Nicolas Barthelmé, Mitgründer der in Eltville gegründeten Initiative, der die Idee aus Frankreich mitgebracht hat.

Nicolas Barthelmé ist Mitgründer von „Du bist hier der Chef!“.

Das Online-Formular mit acht Fragen haben wieder Verbraucherinnen und Verbraucher, Landwirtinnen und Landwirte entwickelt. Abzustimmen ist über Haltung und Fütterung der Tiere, Regionalität und Vergütung für die Erzeugenden. Weil auch das Schicksal der männlichen Küken eine Rolle spielt, ist die Geflügelrasse Thema. Denn, so Barthelmé: „Der Schulterschluss soll dafür sorgen, dass das Tierwohl in den Ställen verbessert, dem großen Kükensterben ein Ende bereitet wird.“

Wie bei der Milch sollen auch bei den Eiern mindestens 5000 ausgefüllte Fragebögen in die Auswertung einfließen. Bis Mitte November kann sich jeder kostenlos daran beteiligen. Bei den blauen Tetra-Paks machte am Ende die regionale Bio-Weidemilch mit einem unverbindlich empfohlenen Verkaufspreis von 1,45 Euro pro Liter das Rennen. Lieferantin ist die Upländer Molkerei in Nordhessen. Zum Start waren es 13 Betriebe, mittlerweile sind es 15. Hinzugekommen sind auch Vertriebspartner. Rewe machte den Anfang. Jetzt sind auch Tegut dabei, ein paar Edeka-Märkte und die Biomarkt-Kette Wallgau.

Zum Konzept gehören kurze Transportwege. Barthelmé ist deshalb in Deutschlands Norden gereist, um dort die Einführung der Verbrauchermilch vorzubereiten. Eine Molkerei bei Hamburg ist schon gefunden. All das macht er noch ehrenamtlich. Doch Ende des Jahres, hofft er, kann der Verein drei Hauptamtliche einstellen, darunter einen Landwirt, wegen des Know-hows. Das große Echo bei den Verbrauchenden stimmt ihn zuversichtlich. Als nächstes kommen Kartoffeln. Und seit dem Tönnies-Skandal gibt es vermehrt Nachfragen nach Fleisch.

www.dubisthierderchef.de

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