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Auf dem Erzeugermarkt Konstablerwache, Frankfurt gibt es regionales Gemüse.

Landwirtschaft

Verbraucher in Hessen sollen Ökoprodukte aus der Region kaufen können

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Jeder vierte Betrieb soll in fünf Jahren bio sein. Dazu braucht es Strategien zur Vermarktung.

Immer mehr Verbraucher wünschen regionale Lebensmittel in Bioqualität. Und immer mehr Landwirte spielen mit dem Gedanken, auf Öko umzustellen, wissen aber nicht, wie sie ihre Produkte an den Mann oder die Frau bringen könnten. „Die Vermarktung ist das Nadelöhr“, sagt Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne).

Eine Lösung seien Aktionsgemeinschaften von Erzeugern, Verarbeitern, Händlern, Gastronomen und Großküchenleitern. Eine Art Genossenschaft, die den Erzeugern faire Preise und Abnehmer garantiert und den Käufern frische, regionale Bioqualität. Derzeit könne der Bedarf an Bio nur durch Zukäufe aus den europäischen Nachbarländern gedeckt werden, sagt Hinz am Freitag in Wiesbaden. Das möchte sie ändern.

Ein Viertel aller landwirtschaftlichen Flächen in Hessen soll in fünf Jahren besonders nachhaltig bewirtschaftet sein. Den Weg dazu will Hinz mit dem zweiten „Ökoaktionsplan“ ebnen. Bis zum Jahr 2025 stehen dafür 18 Millionen Euro Landesmittel bereit, die die anderen Förderprogramme ergänzen. Das Geld fließt unter anderem in mehr Beratung für umstellungswillige Landwirte, Forschungsprojekte und in eine Studie, die die Warenströme der in Hessen erzeugten Bioprodukte und Vermarktungswege untersucht.

Landwirtschaft in Hessen

In Hessen gibt es 16 300 landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 100 Hektar. 4109 liegen im Regierungsbezirk Darmstadt.

Die landesweit bearbeitete Fläche liegt bei 766 800 Hektar, von denen 61 Prozent als Ackerland genutzt werden, 38 Prozent als Dauergrünland und ein Prozent als Dauerkulturen, Hausgärten.
Die Zahl der Ökobetriebe stieg von 1746 im Jahr 2014 auf 2245 Unternehmen im Jahr 2018.

Biolandbau produziert im Schnitt eine Tonne weniger CO2-Äquivalente als konventioneller. Ein gut durchlüfteter Humusboden ist außerdem ein guter Wasserspeicher, schützt vor Hochwasser und bleibt auch in Dürrezeiten länger fruchtbar. jur

Ein Problem ist beispielsweise das Schlachten im Betrieb. Für Rinder gibt es neuerdings eine Möglichkeit, quälende Transportwege zu vermeiden. Für Geflügel soll es demnächst einen Pilotversuch mit einer mobilen Anlage in der Wetterau geben. Hessen sei auf einem guten Weg, sagte Hinz. „Seit 2014 konnten wir die Ökolandbaufläche um rund 40 Prozent auf etwa 80 000 Hektar steigern.“

Das Konzept der Modellregionen, von denen es derzeit acht im Land gibt, werde ausgeweitet. Geht es nach Hinz, sollen am Ende alle Landkreise und Städte Teil dieser Bewegung sein, die mit unterschiedlichen Aktionen und Initiativen die regionale Landwirtschaft fördern. Davon, betonte sie, profitierten auch die konventionell anbauenden Betriebe. Die FDP hingegen wirft Hinz „einseitige Agrarpolitik“ vor.

Es geht darum, gemeinsam den Großen etwas entgegenzusetzen. Dass dies funktionieren kann, zeigt die Upländer Bauernmolkerei, Hessens einzige Biomolkerei. Das neuste Produkt der 115 nordhessischen Genossen: die erste hessische Bio-Weidemilch im ungebleichten Tetra- Pak. „Die Tiere haben Auslauf und ein gutes Sozialleben“, sagt Geschäftsführerin Karin Artzt-Steinbrink. Weidehaltung sorge für gute Böden, die viel CO2 speichern können. Die 15-jährige Erfahrung zeige: „Bauern und Bäuerinnen werden umstellen, wenn sie gute Vermarktungschancen für Bioprodukte haben und wir faire Preise zahlen.“

Aktuell liegt der Schwerpunkt der Biolandwirtschaft in Mittel- und Nordhessen. Hinz sieht aber auch in Südhessen großes Potenzial. „Gerade im Gemüsebau sollte der Gedanke stärker verankert werden.“ Das verbessere nicht zuletzt die Grundwasserqualität. Auch dazu werde es beim Ökoaktionsplans Projekte geben. 

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