+
Biker

Verkehr

Verbot für Biker: Straßen am Feldberg für mehrere Tage gesperrt

  • schließen

Weil die Zahl der Motorradunfälle steigt, wagt der Hochtaunuskreis einen umstrittenen Versuch.

Einen Toten hat es im vergangenen Jahr zum Glück nicht gegeben. Doch die Zahl der Motorradunfälle rund um den Feldberg ist im Vergleich zu 2017 deutlich angestiegen – von 29 auf 44. Wobei Thomas Dietrich von der Polizeidirektion Hochtaunus die sogenannte Applauskurve zwischen Oberursel und dem Sandplacken als besonderes Problemgebiet identifiziert hat.

Allein 17 der Unfälle hätten sich in der engen Kurve ereignet, die ihren Namen dem Beifall verdankt, den manche Biker dort für besonders spektakuläre Fahrkunststücke erhalten. „Das sind so viele wie früher in sechs Jahren“, sagt Dietrich.

Deshalb hatte der frühere Leiter der Polizeidirektion in Bad Homburg, Erwin Paske, bereits im vergangenen Jahr gefordert, die gesamte Landesstraße zwischen Oberursel und Schmitten für Motorradfahrer zu sperren.

Biker-Verbot am Feldberg: Sperrungen im Mai und September

Ganz so weit wollen die politisch Verantwortlichen vorerst noch nicht gehen. Wie Hochtaunus-Landrat Ulrich Krebs und der Erste Beigeordnete Uwe Kraft (beide CDU) am Dienstag mitteilten, sollen aber im Mai und September für jeweils neun Tage mehrere Straßenabschnitte rund um den Großen Feldberg dichtgemacht werden. Das Feldbergplateau werde während dieser Zeit aber auch für Motorradfahrer erreichbar sein, sagte Peter Riegel von der Straßenverkehrsbehörde des Hochtaunuskreises zu. Allerdings nur über das „Rote Kreuz“.

Ziel ist es, die nötigen Daten für eine Verkehrsuntersuchung zu sammeln. Der gesamte Test wird je einen Monat dauern, so dass es Vergleichswerte mit und ohne Sperrung gibt. Kreis und Polizei wollen auf diese Weise

Erkenntnisse gewinnen, ob eine dauerhafte oder zumindest teilweise Sperrung von Straßen im Feldberggebiet Unfälle und Lärm reduzieren könnte. Die Daten sollen bis zum Frühjahr 2020 ausgewertet werden. „Die Versuchssperrung ist ergebnisoffen“, kündigt Landrat Krebs an. In die Vorbereitung seien auch verschiedene Motorradverbände eingebunden gewesen.

Biker-Union hält Testlauf am Feldberg für sinnvoll

Auch er halte einen solchen Testlauf für sinnvoll, sagt Rolf Frieling von der Biker-Union. Nur so sei es möglich, das nötige Datenmaterial für eine sachliche Diskussion zu sammeln. Allerdings sei er gegen Kollektivstrafen. Stattdessen fordert er ein konsequenteres Vorgehen gegen „Mehrfachtäter“. Rainald Mohr von Bundesverband Motorradfahrer befürchtet, dass der Versuch lediglich dazu dienen solle, die rechtliche Grundlage für dauerhafte Straßensperrungen zu schaffen. Sollte es dazu kommen, werde sein Verband dagegen klagen. Auch Demonstrationen kündigt Mohr für diesen Fall bereits an.

„Wir werden keine leichtfertige Entscheidung fällen“, versprach der Erste Kreisbeigeordnete Uwe Kraft. Zumal die weitaus meisten Motorradfahrer bei ihren Taunus-Trips die Regeln befolgten. Allerdings gebe es eine Minderheit an Unbelehrbaren, die das Feldberggebiet als „Renn- und Teststrecke“ nutzten und dabei nicht nur sich, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer gefährdeten. Leider hätten alle Versuche, sie zu bremsen, bislang nicht geholfen.

So sei die zulässige Geschwindigkeit auf den problematischen Straßen seit 2009 mehrfach reduziert worden, in der Applauskurve liegt sie inzwischen bei 50 km/h. Zusätzlich wurden dort 2012 Rüttelstreifen angebracht. Und auch die Polizei habe ihre Kontrollen verstärkt. Allerdings seien diese spätestens nach 30 Minuten via Social Media in der Szene bekannt.

Die nun geplante Versuchssperrung sei die erste ihrer Art in Hessen, sagte Hendrik Schüler aus dem Landesverkehrsministerium. Allerdings herrsche rund um den Feldberg auch eine „besondere Gefahrenlage“.

Der Test

Im Mai und September werden mehrere Straßenabschnitte rund um den Feldberg im Taunus jeweils neun Tage lang für Motorräder gesperrt.

Die erste Periode beginnt am 11. Mai um 0 Uhr und dauert bis 19. Mai um Mitternacht. Die zweite Sperrung ist vom 7. September bis Sonntag, 15. September.

Gesperrt werden die Landesstraße 3004 zwischen Oberursel und Schmitten, die L3024 ab Sandplacken bis kurz vor die Feldbergzufahrt und die L3276 vom Sandplacken bis Oberreifenberg.

Eine Umleitung führt aus südlicher Richtung über die B455 von der Abfahrt Hohemark bis zum Königsteiner Kreisel, weiter über die B8 bis zum Eselsheck und von dort über die L3025 bis zum Roten Kreuz. Von Norden gelangt man aus Richtung Schmitten ebenfalls über die L3025 bis zum Roten Kreuz. twe

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare