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Vater des Hanau-Attentäters: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Stalking-Verdachts

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Von: Gregor Haschnik, Christian Spindler

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Der Vater des Hanau-Attentäters bei einem Gerichtstermin im September 2022.
Der Vater des Hanau-Attentäters bei einem Gerichtstermin im September 2022. © Boris Roessler/dpa

Der Vater des rassistischen Attentäters soll Serpil Temiz Unvar, der Mutter des ermordeten Ferhat, nachgestellt haben. Und auch im Hanauer Rathaus fällt er immer wieder negativ auf.

Hanau – Wegen des Verdachts der Nachstellung hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen den Vater des Hanau-Attentäters eingeleitet. Zudem gebe es weitere Ermittlungen zu jüngsten Vorfällen. Das teilte die Behörde am Donnerstag auf Anfrage mit.

Hans-Gerd R. war in den vergangenen Tagen mit seinem Schäferhund mehrfach vor dem Haus von Serpil Temiz Unvar, der Mutter des am 19. Februar 2020 ermordeten Ferhat, aufgetaucht. Er beobachtete sie von draußen und versuchte, sie auszufragen, nachdem sie beim ersten Mal das Fenster geöffnet hatte. Laut Gedächtnisprotokoll fragte er etwa, wieso sie nach Deutschland gekommen sei und wie sie sich das Haus leisten könne. Als sie nicht sagen wollte, wo sie arbeitet, erwiderte er demnach, er werde es herausfinden. Temiz Unvar fühlt sich bedroht und hat auch Angst um ihre Kinder.

Vater des Hanau-Attentäters suchte nach OB Kaminsky

Seit langem wendet R. sich auch immer wieder ans Hanauer Rathaus: schriftlich oder telefonisch und meist in einem „provozierenden und zynischen Ton“, berichtet eine Mitarbeiterin. Am vergangenen Donnerstag tauchte er unvermittelt im OB-Büro auf. Der Rathauschef war nicht vor Ort. R. soll erklärt haben, er wolle schauen, ob Claus Kaminsky (SPD) noch im Rathaus ist, weil er ja „bald weg“ sei.

So schildert es auch Kaminsky in einem Brief an Staatsanwaltschaft und Polizeipräsident, in dem er vorrangig auf das Auftauchen R.s vor dem Haus von Serpil Temiz Unvar eingeht. Das habe bei Unvar „ein nachhaltiges Gefühl der Bedrohung“ ausgelöst. Kaminsky fürchtet offenbar, dass auch andere Angehörige der Opfer des rassistisch motivierten Anschlags von Hans-Gerd R. aufgesucht werden könnten, und fragt nach dem Vorgehen der Ordnungskräfte.

Nachbarn vom Vater des Hanau-Attentäters haben Angst

Nach FR-Informationen hat die Polizei ein Kontakt- und Annäherungsverbot gegen R. verfügt, für 14 Tage. Über eine längere Dauer müsste die Justiz entscheiden. Zu weiteren Maßnahmen machte das Präsidium aus polizeitaktischen Gründen keine Angaben.

R. hat Anfragen zu den Zwischenfällen bisher nicht beantwortet. Auch auf Klingeln an seinem Haus öffnete niemand. Hinter dem Glaselement der Eingangstüre war schemenhaft ein Hund zu erkennen. Nachbarn wollten sich nicht zu R. äußern – „aus Angst“, wie eine Frau sagte. Manche hätten erwogen wegzuziehen. Noch während des kurzen Gesprächs fährt R. schnell mit dem Fahrrad vorbei. In der Vergangenheit wies der wegen rassistischer Beleidigung verurteilte Mann alle Vorwürfe stets zurück. Er tue niemandem etwas Böses und sei ein Opfer. Nicht sein Sohn sei für die Morde verantwortlich, sondern ein weltweit agierender Geheimdienst. (Gregor Haschnik)

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