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Nach dem Fund der Babyleiche durchsuchten Polizisten ein Waldstück bei Viernheim.

Viernheim

Urteil im Viernheimer Babyleichenprozess

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Das Skelett des Säuglings lag in einer Tasche im Wald. Knapp eineinhalb Jahre nach dem grausigen Fund wird das Urteil gegen die Mutter gesprochen.

Ihr Kind solle „verrecken“, und sie „ertrage diese Augen nicht mehr“, hatte eine 32-Jährige vor zwei Jahren auf ihrer Facebook-Seite geschrieben. Ob die Mutter tatsächlich ihren nur wenige Wochen alten Jungen so vernachlässigte, dass er starb, oder sie ihn sogar selbst umgebracht hat, konnte die 11. Strafkammer des Darmstädter Landgerichts in den vergangenen Wochen nicht klären. Das Gericht ordnete am Dienstag an, die wegen des Verdachts des Totschlags im Zustand der Schuldunfähigkeit angeklagte Mutter in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik unterzubringen.

Die mit drei Berufsrichtern besetzte Kammer unter dem Vorsitz von Richter Volker Wagner folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigerin der Frau hatte auf Freispruch plädiert, weil das Kind auch durch den plötzlichen Kindstod oder einen anderen Täter zu Tode gekommen sein könnte.

Das Skelett des wenige Wochen alten Säuglings namens Michael hatte im September 2017 ein Pilzsammler in einem Wald im südhessischen Viernheim in einer Tasche gefunden. Nach Hinweisen aus ihrer Verwandtschaft hatte die Polizei die Angeklagte im Frühjahr vergangenen Jahres ermittelt.

Sie befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits wegen notorischer Schwarzfahrerei im Gefängnis. Ein DNA-Abgleich bestätigte schließlich, dass es sich bei der Frau um die Mutter des toten Säugling handelt.

Der Junge war am 22. März 2017 in einer Klinik in Ludwigshafen „als lebensfähiges und gesundes Kind zur Welt gekommen“, wie Richter Wagner sagte. Ums Leben kam der Säugling auf unbekannte Weise zwischen dem 12. und 20. April 2017.

Während der Hauptverhandlung hatten zwei Gutachter bestätigt, dass die Beschuldigte an einer paranoiden Schizophrenie leidet. Beide Sachverständige sprachen sich für die weitere Behandlung in einer psychiatrischen Klinik aus.

In seiner Urteilsbegründung sagte Richter Wagner, von der Beschuldigten gehe eine Gefahr für die Allgemeinheit aus. Sie müsse daher „dringend behandelt werden“. Der Vorsitzende Richter schilderte den verwahrlosten Zustand ihrer Wohnung und zitierte aus den verwirrend anmutenden Einträgen der Frau auf ihrer Facebook-Seite, die nahelegten, dass sie ihr Kind getötet habe oder es so vernachlässigt habe, dass es an den Folgen starb.

Wagner sagte, die psychisch kranke Frau habe eigensüchtig gehandelt. Gleichwohl gebe es für sie „eine Perspektive“, wenn sie sich einsichtig zeige und sich mit Medikamenten behandeln lasse.

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