Ein Armreif aus Luristan mit Schlangenköpfen als verzierte Enden.
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Ein Armreif aus Luristan mit Schlangenköpfen als verzierte Enden.

Restaurieren

Uralte Kunst darf wieder glänzen

  • vonGernot Gottwals
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Das Archäologische Museum untersucht und konserviert Funde aus der Nida. Unter anderen werden besondere Wandmalereien entdeckt.

Die Restauratorin Birgit Schwieder steht vor einer komplexen Aufgabe, die viel Geduld erfordert: Rund 100 bemalte Putzfragmente gilt es zu untersuchen, zu konservieren und wo möglich wieder zusammenzusetzen. Sie gehören zu über 5000 Fragmenten von Wandmalereien aus dem Tempelbezirk der antiken Römerstadt Nida, die bei den Grabungen zum Bau der Römerstadtschule 2016 bis 2018 geborgen wurden.

Möglich wird dieses Restaurierungs- und Forschungsprojekt ebenso wie die Konservierung herausragender Bronze- und Silberobjekte durch eine speziellen Förderung der Ernst-von-Siemens-Kulturstiftung für freiberufliche Restauratoren. Sie unterstützt das Restaurieren der Wandmalereien aus Nida mit 8000 Euro. Zur Konservierung von 2500 bis 3000 Jahre alten Bronzeschalen und Schmuckstücken aus Luristan, einer Region im westlichen Iran, erhält die Restauratorin weitere 15 000 Euro.

„Noch vor der offiziellen Ausrufung des Pandemiefalls konnten wir unsere neue Corona-Förderlinie starten, die schnell und unbürokratisch auf freiberufliche Restauratoren und Mitarbeiter in den Museen zielt“, freut sich Martin Hoernes, Generalsekretär der Stiftung. Dass in Frankfurt besonders das Archäologische Museum profitiert, liegt auf der Hand: „Anders als die Kunstmuseen kaufen wir ja in der Regel keine Objekte an, sondern bekommen sie durch die Ausgrabungen des Denkmalamtes geliefert und sind dann für die Erhaltung zuständig“, betont Museumschef Wolfgang David.

Sensationelle Funde

Rund 400 Kisten mit archäologischen Fundstücken aus Frankfurt erhält das Museum etwa alle zwei Jahre. Zuweilen sind sensationelle Funde dabei: So auch auf dem Gelände der Römerstadtschule, auf dem die Grundmauern von fünf Sakralgebäuden ausgegraben wurden, außerdem ein Bronzeadler des Jupiter Dolichenus, Gebrauchskeramik und 5000 Putzfragmente, die offenbar während eines Umbaus Anfang des dritten Jahrhunderts abgeschlagen wurden. Noch sind nur auf wenigen Fragmenten bildliche Darstellungen erkennbar. Trotzdem sprechen diese Funde ebenso wie das Malergrab in Nida mit rund 30 Farbtöpfen für eine besondere Qualität und ein künstlerisches Zentrum im Hauptort der Civitas Taunensium, wie David betont: „Vergleichbare römische Wandmalereien sind im gesamten süddeutschen Raum nicht zu finden.“

Nun gilt es zunächst, die vielen Einzelteile auf ihre Maltechnik zu analysieren, die Putz -und Malschichten zu festigen. Dieses Prozedere sei wie ein Puzzlespiel. Trotzdem werde es nur in wenigen Fällen möglich sein, die Ornamente, Tier- und Menschmotive zu erkennbaren Szenen zusammenzusetzen, erklärt Schwieder. Ob es sich dabei um eine oder mehrere zusammenhängende Malereien handelt und welche Bedeutung ihnen für die Götterkulte in Nida zukommen, lasse sich noch nicht beantworten.

„Die ersten Untersuchungen könnten der Anstoß für weitere Projekte zur Erhaltung und Präsentation sein“, hofft David und verweist auf jährlich 25 000 Euro plus Sonderförderungen, die das Kulturdezernat nun fürs Konservieren bereitstelle.

Bei den Bronzegefäßen und Schmuckstücken aus Iran müsse eine Korrosion des Metalls verhindert werden, wie Kuratorin Natascha Bagherpour-Kashani erläutert. Die weitere Erforschung verspreche neue Erkenntnisse über die Verarbeitung von Bronze auch im antiken Süd- und Mitteleuropa, denn entsprechende Gefäße wurden auch im Grab des Keltenfürsten im Frankfurter Stadtwald gefunden.

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