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Radler finden einen Weg - auch wenn es der Bürgersteig auf der Ignatz-Bubis-Brücke ist.

Darmstadt

Unterschriften für bessere Radwege

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In Darmstadt werden Unterschriften für den "Radentscheid" noch bis Ende April gesammelt.

Die Schlagzeile ließ Facebook-Nutzer am Ostersonntag kurz aufhorchen: „Stadt Darmstadt setzt Radentscheid um – OB Partsch sichert erste Baumaßnahmen noch dieses Jahr zu“, war am Mittag auf der Seite des „Radentscheid Darmstadt“ zu lesen. Doch ein Foto, auf dem neben einem Dreirad ein im Gras liegender und grinsender Plüschhase zu sehen war, machte schnell deutlich, dass es sich bei der Notiz um einen Aprilscherz handelte. Von dem in dem Text beschworenen „Schulterschluss bei der Radverkehrspolitik“ zwischen der Stadt und den Initiatoren des Bürgerbegehrens kann nämlich in Darmstadt keine Rede sein. Denn ein „Selbstläufer“ ist die Förderung des Radverkehrs auch bei einem grünen Oberbürgermeister und einer grünen Mehrheitsfraktion der Stadtverordnetenversammlung nicht.

Schon seit Anfang Februar sammeln die passionierten Radfahrer Unterschriften in Darmstadt. Die entsprechenden Listen liegen in mehr als 80 Geschäften und an mobilen Infoständen aus. Bis Ende April will die Initiative mindestens 3447 Unterstützerunterschriften sammeln. Wird dieses Ziel erreicht, müssten sich die Stadtverordneten mit dem Begehren befassen und über dessen Zulässigkeit entscheiden. Möglich ist auch, dass das Stadtparlament die Forderungen des Begehrens beschließt. Falls dies nicht passiert, könnten die Bürger etwa am Tag der Landtagswahl, am 28. Oktober, über den „Radentscheid“ abstimmen.

Getragen wird die Initiative von einem ehrenamtlichen Team. Zwei der Vertrauensleute sind jüngst in den Vorstand des Kreisverbands Darmstadt-Dieburg des Verkehrsclubs Deutschland gewählt worden. Unterstützt wird das Begehren auch vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub Darmstadt-Dieburg. Tief bewegt haben viele Radfahrer in Darmstadt zwei Unfälle, bei denen im November vorigen Jahres an zwei Kreuzungen einer Straße in der Innenstadt ein Radler und eine Radlerin von zwei Lastwagen angefahren und getötet wurden.

Die Initiatoren des Begehrens wollen sieben verkehrspolitische Ziele durchsetzen, um die Sicherheit für alle Radler zu erhöhen. Jährlich soll die Stadt hierfür 2,6 Millionen Euro bereitstellen. Die Aktivisten wollen auch erreichen, dass jährlich fünf Kilometer der Darmstädter Hauptverkehrsstraßen fahrradfreundlicher als bisher umgestaltet werden. Dabei wird ein Radweg von mindestens 2,3 Meter pro Straßenseite gefordert, um Radverkehr in unterschiedlichen Geschwindigkeiten zu ermöglichen. Um neben der objektiven Sicherheit auch das persönliche Sicherheitsgefühl zu erhöhen, sollen die neuen Radwege – wie etwa in den Niederlanden – durch ein bauliches Element vom Kraftverkehr getrennt werden. Zudem sollen jährlich drei sichere Kreuzungen geschaffen, fünf Kilometer attraktive Nebenstraßen umgestaltet, effektiv Mängel beseitigt sowie 50 Bordsteine barrierefrei abgesenkt und zehn Gehwege auf Straßenniveau aufgepflastert werden.

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