Finn Holitzka in der Poetry-Slam-Szene als Moderator und Künstler aktiv.

Porträt

Die Unsicherheit wiegt am schwersten

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Im Profil: Finn Holitzka hat anfangs noch Gags gemacht, aber jetzt brechen alle seine Aufträge weg.

Gerade im Kulturbereich bedeutet das Coronavirus für Selbstständige erhebliche Umsatzeinbußen. „Ich hatte vor gut zwei Wochen an einem Tag noch je einen Termin in Darmstadt und in Aschaffenburg. Da war die größte Sorge wie man das zeitlich alles hinbekommt. Am Folgetag wurden dann die ersten Veranstaltungen abgesagt, inzwischen sind 15 Engagements wegfallen“, sagt Finn Holitzka.

Der 24-jährige Mainzer Student ist unter anderem in der Poetry-Slam-Szene als Moderator und Künstler aktiv. Zudem gibt er zum Thema Poetry-Slam Schreibkurse an Schulen. All das fällt jetzt auf unbestimmte Zeit weg.

Holitzka hat inzwischen das Gefühl, als ob die Szene kollektiv in die Situation geschlittert sei, dann aber schnell reagiert habe. Anfangs wurden auf der Bühne Gags über das Virus gemacht, etwa indem man sich statt per Umarmung mit den Füßen begrüßte. Als dann die ersten Absagen kamen wurde jedoch schnell entschieden, die Veranstaltungen erst einmal komplett zu streichen. Der Mainzer hält dieses Vorgehen für absolut richtig.

Für ihn sind die finanziellen Ausfälle, immerhin ein mittlerer vierstelliger Betrag, nicht das größte Problem. „Was das angeht, bin ich privilegiert. Mein Zimmer in Mainz ist untervermietet. Mein Praktikum wurde allerdings abgesagt, daher wohne ich gerade bei meinen Eltern, die mich unterstützen“, erzählt er.

Der psychologische Aspekt macht ihm mehr zu schaffen. Keiner weiß, wann der Kulturbetrieb wieder anlaufen kann. Bereits im Sommer? Erst im Herbst oder gar im Winter? „Die Ungewissheit ist schlimmer als der Zustand.“ Finn Holitzka glaubt, dass in der aktuellen Situation manche Berufsgruppen in seiner Branche vergessen würden. Wenn über Corona und Kultur gesprochen werde, gehe es meist um die Künstler. Die Leute die im Hintergrund für Technik, Catering und so vieles mehr zuständig sind, die Veranstaltungen also überhaupt erst möglich machten, würden oft vergessen. Ihnen aber fehlten jetzt ebenfalls Aufträge und die berufliche Zukunft sei auch für diese Menschen ungewiss.

Ein Teil der geplanten Veranstaltungen soll zwar in der zweiten Jahreshälfte nachgeholt werden, das ist jedoch nicht in allen Fällen möglich. Monatliche Slams zu verschieben ergibt beispielsweise wenig Sinn. Außerdem gibt es Einschränkungen logistischer Natur – schließlich sind viele Termine in der zweiten Jahreshälfte bereits mit anderen Veranstaltungen belegt.

Einen positiven Aspekt an der Corona-Situation sieht Finn Holitzka jedoch: „Die Gesellschaft ist wandlungsfähig. Und vielleicht ist sie das auch nach der Krise“, sagt der Student. Die Lösung der Corona-Krise als Symbol. Im positiven Sinne als Hoffnung, so auch Problemen wie der Klimakrise beizukommen. Im negativen Sinne als Mahnung, wie schnell Freiheiten eingeschränkt werden können und man sich daran gewöhnen kann.

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